So wird in Kirchhellen „Himmel und Erde“ zubereitet

Das isst der Pott Bottrop - Folge 3

In der dritten Folge unserer Serie "Das isst der Pott" haben wir unsere Leserin Johanna Schäfer Brand besucht.
Di, 12.05.2015, 15.40 Uhr

In der dritten Folge unserer Serie "Das isst der Pott" haben wir unsere Leserin Johanna Schäfer Brand besucht.

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Was wir bereits wissen
In der Senioreneinrichtung an der Kirchhellener Gartenstraße kochen die Bewohner selber. Für die WAZ-Serie bereiten sie einen echten Kochklassiker zu.

Bottrop.. So beginnen Bewerbungen, die neugierig machen. „Hiermit möchten wir Sie einladen, in unseren Kochtopf zu gucken“, schrieben Stefka Pirc und Magdalene Witt. Und der steht in einer der acht Hausgemeinschaften der Senioreneinrichtung an der Kirchhellener Gartenstraße, in denen die Bewohner noch selbst kochen. Und zwar im besten Fall jeden Tag. Das wollen wir sehen.

Das isst der Pott Johanna Schäfer-Brand sitzt schon am Tisch der Gemeinschaftsküche der Hausgemeinschaft. Die Bewohner haben sich entschieden, „Himmel und Erde“ zu kochen, ein seit Jahrhunderten im Rheinland bekanntes Gericht, das jedem Bewohner im Alter zwischen 80 und 95 Jahren ein Begriff ist. Abwandlungen kamen nicht in Frage, das Original muss es sein.

„Können Sie die Äpfel gleich in die Schüssel schneiden?“, fragt Magdalene Witt, Ehrenamtskoordinatorin im Haus St. Johannes. Die Antwort kommt schnell und entschieden: „Selbstverständlich. Das hatte ich vor.“ Johanna Schäfer-Brand ist auf dem Bauernhof aufgewachsen („Wir waren zuhause sieben, dazu Schweine, Kühe und Hühner“), war 40 Jahre lang Kneipenwirtin in Gelsenkirchen-Buer und macht in Sachen Geschicklichkeit mit dem Pittermesser vielen Jüngeren etwas vor.

WAZ-Serie Sie schält Kartoffeln und Zwiebeln in der Hand, ohne hinzusehen oder die Erzählung zu unterbrechen. Während die Schalen nur so rieseln, erzählt sie von ihrer Kindheit, als Kirchhellen wirklich noch ein Dorf war: „Es war so schön gemütlich bäuerlich“, und von später, „als die Straßenbahnlinie 17 über die Hauptstraße nach Gladbeck fuhr“.

Über solchem Schnack geht das Schälen schnell. Kartoffeln und Äpfel kochen schon, jetzt werden Zwiebeln geschnippelt und die Blutwurst aus der Pelle geholt und in Scheiben geschnitten. „Hoffentlich ist da Buchweizen drin, sonst zerläuft die Wurst, bevor sie eine schöne Kruste kriegt.“

Während Magdalene Witt Kartoffeln mit Milch stampft und die Äpfel abschmeckt, wendet Johanna Schäfer-Brand die Blutwurstscheiben, deren Duft schon Heißhunger weckt. Nur der Buchweizenanteil war wohl nicht hoch genug, die Scheiben zerlaufen doch etwas in der Pfanne. Macht nichts, schmecken tun sie allemal.

Dann nimmt sich die Seniorin den Löffel und testet die „Himmel-und-Erde“-Mischung aus Kartoffeln und Äpfeln. „Süßer darf das aber nicht mehr werden“, wehrt sie streng den Vorschlag ab, doch noch ein wenig Zucker nachzulegen. Und findet, während sich die Plätze um den Esstisch füllen: „Die Blutwurst ist genau richtig geworden. Schön kross.“ Finden die anderen Bewohner auch und nehmen noch eine Portion nach, während Magdalena Witt schon den Nachtisch aufträgt: Rhabarber mit Vanillesauce.

Und so geht’s: Himmel und Erde

Die Zutaten:

800 g Kartoffeln
800 g Äpfel
50 g Speck, durchwachsen
400 g Zwiebeln
400 g Blutwurst
0,2l Milch, Butter, Muskat

Kartoffeln schälen, waschen, schneiden und in Salzwasser garen. Äpfel schälen, vierteln, entkernen und mit Zucker und Zitronensaft auf kleiner Flamme gar dämpfen (Evtl.Wasser zugeben, damit es nicht ansetzt).

Zwiebeln schälen und in Streifen schneiden. Speck fein würfeln, knusprig ausbraten und die Zwiebeln in dem Fett unter Wenden hellbraun braten. Kartoffeln abgießen und zerstampfen.

Erhitzte Milch mit Muskat u. Butter hinzufügen, verschlagen, mit Salz abschmecken. Äpfel zufügen und verrühren. Zwiebeln und Speck aus dem Bratfett nehmen, die Blutwurstscheiben hinein legen und pro Seite 2 Min. braten. „Himmel und Erde“ anrichten, die Blutwurst darauf legen und mit den Zwiebeln bedecken.