Fünf Generationen, eine Meinung: Alle lieben Quarkkeulchen

Der Teig darf nicht mehr kleben: Sonja Steffensen macht „Quarkkeulchen".Foto:Fabian Strauch
Der Teig darf nicht mehr kleben: Sonja Steffensen macht „Quarkkeulchen".Foto:Fabian Strauch
Oma Inge hat das Rezept aus Thüringen nach Bayern gebracht, wo Enkelin Sonja es in den Ferien lieben lernte. Eigentlich stammt der Puffer wohl aus Sachsen

Wenn Sonja Steffensen findet, ihre Tochter könnte sich mal wieder zu Hause sehen lassen, greift sie zu einem unfehlbaren Mittel: Sie kocht Quarkkeulchen. Ein Bild von den süßen Puffern der Tochter aufs Smartphone gesendet: „Schon ist sie nach der Arbeit da, um sich welche abzuholen“.

Sachsen und Thüringer streiten sich um die geistige Urheberschaft an den „Kwarggäulschen“, die im Vogtland gerne als Nachtisch serviert werden und dort auch „Gebackene Kließ oder Quarkkließl“ heißen. Im Thüringischen sind sie eine Hauptspeise, an der Bergischen Kaffeetafel haben sie einen Verwandten (siehe Kolumne). Oma Inge kam aus Thüringen nach Bayern, und dort hat Sonja Steffensen als Kind in den Ferien die Puffer lieben gelernt, in der Hauptspeisen-Version.

Die Speise hat nicht nur Fans in inzwischen fünf Familiengenerationen, sie ist auch eine ideale Restverwertung, findet Sonja Steffensen: Gekochte Kartoffeln bleiben in der Küche öfter mal übrig - oder man kocht gleich mehr davon und freut sich auf die Resteverwertung am nächsten Tag in Form von Bratkartoffeln für den Ehemann und Keulchen für Frau und Kinder („ist halt ein Mädchenessen“).

Mit den Generationen gewechselt hat sich die Wahl des Küchengerätes. Oma Inge hat die Kartoffeln noch durch die gusseiserne Kartoffelpresse gequetscht, die Mutter durch die Flotte Lotte gedreht, Sonja Steffensen kurbelt sie über der Küchenreibe. Vom Mixer oder Pürierstab sollten Nachkocher allerdings dringend die Finger lassen: Das Ergebnis ist, sagen wir: schleimig. Mehl bindet den Teig, Eier binden später das Keulchen in der Pfanne. Drei Stück sollten in eine große Pfanne passen, sagt Sonja Steffensen. Für abwägende Köche: Ein Keulchen wiegt um die 150 Gramm.

Rosinen und Zucker kommen nach Geschmack in den Teig. Stichwort Geschmack: Die Beigaben dazu sind Glaubenssache. Bei Steffensens steht Zucker auf dem Tisch. Sonja Steffensen räumt aber ein, dass es wohl auch mit Zimt schmecken würde. Dazu geht außerdem Apfelmus oder, im Bergischen, Rübenkraut.

Gebraten werden die Keulchen rund drei Minuten auf jeder Seite, nach dem ersten Wenden kann die Hitze herunter geschaltet werden. „Die Kartoffeln sind ja schon gar“, sagt Sonja Steffensen, „also kommt es nur noch auf den Bräunungsgrad an.“ Sollte etwas übrig bleiben: „Schmeckt auch aufgewärmt prima.“