Das große Hör-Erlebnis zum Finale

Zum Finale des Festivals „Orgel Plus“ bot der „All-Woman“-Chor in der St.Cyriakus Kirche ein großes Hör- und Klangerlebnis.
Zum Finale des Festivals „Orgel Plus“ bot der „All-Woman“-Chor in der St.Cyriakus Kirche ein großes Hör- und Klangerlebnis.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Festival „Orgel Plus“: Das „All Woman“-Ensemble setzt zum Finale einen neuen Chor-Standard für die gesamte Region.

Das war der Coup beim Festival „Orgel Plus“ 2015: Das Programm mit dem 20-köpfigen Frauenchor „All Woman“ in der restlos besetzten Kirche St. Cyriakus wurde zum Hör- und Klangerlebnis. Die von Dozentin Ruth Miketta 1997 gegründete Gruppe war schon immer gut – doch mit diesem Schluss-Konzert von Bach bis Händel, Boellmann bis Rutter eroberte sich das Vorzeige-Ensemble im Landes-Ranking einen Spitzenplatz. Der professionell geführten Riege gebührte sicherlich eine Förderung durch das Land NRW…

Teilweise begleitet von Cyriakus-Kantorin Ursula Kirchhoff (französische Werke) oder von der Dirigentin und Arrangeurin Ruth Miketta am Keyboard fächerte „All Woman“ die Möglichkeiten eines mehrstimmigen Frauenchores modellhaft auf: intonationssicher, sensibel in der Klangmischung, rhythmisch und technisch nahezu vollkommen, dazu mit einem speziellen Sound, der aus Gospel oder Pop gespeist wird. Das Ganze ist immer seriös und auf musikalischer Höhe.

Das Programm war angetan, eine anderthalbstündige Besinnung nach den schrecklichen Ereignissen in Paris zu garantieren. Weil „All Woman“ auf abendländische Werte setzt: Toleranz, Offenheit und die Kommunikation mit allen Menschen, gleich welcher Richtung sie auch angehören, werden durch die musikalische Darbietung groß geschrieben. Das war höchst eindrucksvoll. Für den Reiz sorgten die brillanten Arrangements von Miketta, Thürig, Fettke, Wallenas, Jackson und Co. Man erkannte die klassischen Stücke von Georg F. Händel, Leon Boellmann („Priere a Notre Dame“ als Ave-Maria-Gesang), Konstantin Wecker oder Rolf Zuckowski zwar wieder, aber in den Bearbeitungen wurde der hymnische wie der mystische Akzent intelligent verarbeitet. Miketta, Chor und Organistin Kirchhoff wurden mit Ovationen überschüttet.

Der Sonntagmorgen gehörte dem Abschluss-Gottesdienst in St. Johannes (Boy). Auch hier gelang es Festivalleiter Gerd-Heinz Stevens (Orgel), die große Hörgemeinde zu inspirieren für Neues und Rares. Die „Missa medi“ für Chor und Klavier von Christian Bernsdorf (auch am Keyboard) verbindet autodidaktische Kompositionsmuster mit neoklassischem oder spätromantischem Duktus. Vom Kyrie bis zum Agnus di: Der Projektchor (mit vielen jungen Stimmen) fühlte sich in diese gedämpfte Modernität sinnvoll ein.