Bottrop

Das Fratres Trio pflegt den Überschwang

Zwischen Klassik und Jazz bewegt sich das Fratres Trio bei ihrem Auftritt am Mittwochabend im Kammermusiksaal
Zwischen Klassik und Jazz bewegt sich das Fratres Trio bei ihrem Auftritt am Mittwochabend im Kammermusiksaal
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Die Interpretationen der drei Musiker sind ausgetüftelt bis ins Detail. Zugleich ist jederan seinem Instrument ein ausgefuchster Techniker. Ein spaßiger Abend im Kulturzentrum

Bottrop.  . Sie bilden ein Trio der besonderen Art, zeigen Mut und Leidenschaft, spielen überschwänglich virtuos oder zelebrieren die große Elegie. Dabei pflegen sie ein eher unkonventionelles Repertoire, denn Fedor Rudin, Rudolfs Vanks und Hayrapet Arakelyan spielen Werke für Violine, Klavier und Saxophon.

„Fratres Trio“ nennen sie sich, die 2012 zusammenfanden. Im Kulturzentrum August Everding haben sie in der Reihe „Best of NRW“ bewiesen, dass sie wie Brüder im Geiste musizieren. Ihre Interpretationen sind ausgetüftelt bis ins Detail. Zugleich ist jeder an seinem Instrument ein ausgefuchster Techniker. Sie beherrschen alle rhythmischen Finessen und sorgen für außergewöhnliche Klangeffekte.

Nun sind Stücke für diese Besetzung nicht in Massen zu finden. Manche Musik ist arrangiert. Etwa Rachmaninoffs Trio élégiaque, in dem ein Baritonsaxophon das eigentlich vorgesehene Cello ersetzt. Dennoch ist die Wirkung dieser finster beginnenden Elegie, die sich leidenschaftlich steigert und in einem harschen Klageton mündet, von enormer Kraft. Hier paart sich russische Melancholie mit dem Ernst eines Johannes Brahms.

Französische Komponisten

Dieser teils düsteren, teils fatalistischen Musik stellt Fratres Trio Werke vor allem französischer Komponisten gegenüber. Etwa Marc Eychennes „Cantilène et Danse“, ein Stück des 20. Jahrhunderts, das in seiner Lyrik zunächst romantisch klingt, dann im tänzerischen Überschwang mündet. So, wie sich die Interpreten in das Stück werfen, klingt es sogar ein wenig exzentrisch.

Die Klangfarbe im Namen trägt das träumerische Stück „Couleurs d’un Rêve“ von Jean-Luc Defontaine. Der weiche Sound des Saxophons hebt sich von den anderen Instrumenten ab, das Trio scheint dabei eine Geschichte zu erzählen, die sich emphatisch steigert. Ravel mag für diese Musik Pate gestanden haben, wenn auch dessen Eleganz nicht erreicht wird.

Neben aller Elegie und Düsternis aber pflegt das Trio die große Ausgelassenheit. Etwa in Darius Milhauds Suite „Le voyageur sans bagage“. Munter scheint sich dieser „Reisende ohne Gepäck“ in die lateinamerikanische Lebensfreude zu stürzen. Doch ein bisschen Heimweh klingt sanft durch allen Taumel.

Schade nur, dass das Arrangement von Tschaikowskys „Nussknacker-Suite“ etwas steif daherkommt, dass dabei manche klangliche Überzeichnung unfreiwillig fast parodistische Züge annimmt. Bedauerlich auch, dass ein Abendprogramm mit Informationen über Komponisten und Werke fehlt. Dennoch: Dieses außergewöhnliche Konzert hat Spaß gemacht.