Das Flair will sie mitnehmen
28.04.2008 | 17:54 Uhr 2008-04-28T17:54:00+0200Bottrop. Barbara Bukes wagt den Sprung vom kleinen Bioladen zum Bio-Supermarkt. Mit Partner-Unternehmen zur Prosperstraße.
„Der kleine Laden war meine Lehrzeit”, lacht Barbara Bukes. Der neue wäre dann wohl ihr Gesellenstück. Die 36-jährige Essenerin hat vor zwei Jahren den Bioladen an der Kapitän-Lehmann-Straße übernommen und wird im August auf mit 800 qm vergleichsweise riesiger Fläche an der Prosperstraße hinter dem Haus Wessels ihr Geschäft fortführen „Mutig, mutig, hör' ich immer wieder. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.”
Das Wagnis geht sie ganz unbefangen ein, auch weil die Kreditgeber („ich konnte mich sogar zwischen zwei Banken entscheiden”) die Situation offenbar ebenso sehen wie sie: „Bio hat Zukunft.”
Sie hat nicht immer im Handel gearbeitet, ist ausgebildete Sozial-Pädagogin. Für gesunde Ernährung hat sie sich immer schon interessiert und so wurde sie von der Kundin zur Inhaberin. „Ich wollte mich umorientieren, war in meinem Beruf nicht mehr zufrieden. Von einem befristeten Arbeitsverhältnis ins nächste - das hat mir nicht gefallen.”
So übernahm sie vor zwei Jahren den Bottroper Bio-Laden, als dieser zum Verkauf anstand und sie von Bekannten darauf aufmerksam gemacht wurde. Sie besuchte Fortbildungen und fühlt sich wohl im Geschäft. Nur - zu klein war er ihr der Laden eigentlich. Der Gedanke, sich zu vergrößern, kam recht schnell und sie machte sich auf die Suche. Das neue Geschäft sollte zentral liegen, aber auch Parkplätze im Angebot haben. Das ehemalige Coop-Ladenlokal an der Prosperstraße erschien ihr passend - aber nun wiederum recht groß.
Wer macht mit? - das war ihre Frage. Und sie machte sich auf die Suche nach Partnern. In der Bio-Metzgerei Scharun (die dort eine Filiale aufmacht), dem Bio-Bäcker Troll aus Essen-Werden (der sie auch jetzt schon beliefert) und dem Fair-Trade-Händler Michael Müller aus Gelsenkirchen hat sie sie gefunden.
Was sie eröffnet, ist ein Bio-Supermarkt. Das „Super” bezieht sich aber mehr auf die Größe des Angebotes denn auf die Preise. Da dürfen die Kunden keine Schnäppchen erwarten. „Bio ist teurer, ganz klar.” Aber preiswerter als kleine Bioläden könne ein größerer schon sein, weil man ja größere Mengen einkaufe und den günstigeren Preis auch weitergebe. Wer kauf Bio-Ware? „Längst nicht mehr nur die Ökos, Studenten oder Akademiker. Bio ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.”
Manche wechseln wegen Allergien zur Bioware - und bleiben dabei, auch wenn die Krankheit eingedämmt ist. Und längst ist ja nicht mehr nur Trockenware von Bio-Qualität, sondern Gemüse, Obst, Käse, Brot gehören auch zum Angebot.
Kaufen die Kunden das komplette Bio-Programm? „Die wenigsten. Für die meisten ist es Zukauf.” Mit dem zukünftig größeren Angebot könnte sich aber der Einkauf komplettieren. Was aber immer wieder viele kaufen, „sind Weintrauben und Paprika, weil über diese Früchte immer wieder von Rückständen geschrieben wird”.
Barbara Bukes hat sich mit dem schnellen Wechsel zum großen Laden übrigens nur absichern wollen. „Ich hätt' mir auch noch zwei Jahre Zeit gelassen - aber ich bin mir sicher, dass im nächsten Jahr eine Bio-Laden-Kette nach Bottrop gekommen wäre. Die haben die größeren Städte belegt, jetzt sind die kleineren dran.”
Auch wenn ihr Laden jetzt wächst - sie möchte sich den Charakter des Inhaber-geführten Ladens bewahren. „Das Tante-Emma-Laden-Flair würde ich gerne mitnehmen.”
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