Chef einer Gerüstbaufirma hinterzieht weit über 600 000 Euro

„Wir haben das Geld nie erwirtschaften können“, hatte der Angeklagte vor Gericht erklärt.
„Wir haben das Geld nie erwirtschaften können“, hatte der Angeklagte vor Gericht erklärt.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Unternehmer in Bottrop hat Steuern und Sozialversicherung nicht gezahlt. Jetzt muss er sich vor dem Landgericht verantworten.

Bottrop..  Seine Reue scheint groß! Der 39-jährige Angeklagte erhebt sich zu Prozessbeginn: „Entschuldigung“, sagt er in alle Richtungen in Saal 244 des Essener Landgerichtes. Geschäftsführer einer Bottroper Gerüstbau GmbH war er.

Von Oktober 2010 bis September 2012 hat er Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 670 000 Euro nicht gezahlt, Schwarzarbeiter beschäftigt und mit Scheinrechnungen gearbeitet. Das räumt er alles ein.

„Wir haben nie das Geld erwirtschaften können“, beklagt er den Hintergrund für die Anklagevorwürfe. „Man denkt immer erst an das große Geld, wenn man sich selbstständig macht“, sagt der Vater von zwei Kindern. Er habe doch vor dem Schritt in die Selbstständigkeit lange als Gerüstbau-Helfer gearbeitet, wendet Edgar Loch, Richter der I. Strafkammer ein, da hätte er Einblicke haben müssen.

Geständnis abgelegt

Der Angeklagte aus Lünen widerspricht: „Das merkt man erst, wenn man drin ist“, behauptet er und berichtet von schlechten Bezahlung der Auftraggeber, die hinter „geschlossenen Türen“ verhandelt werde. Man habe immer die Hoffnung, dass es besser werde, erklärt er, und „dann kommt man auf dumme Ideen...“ „Es ist so Herr Richter...“, beginnen gerne seine Sätze in denen er seine krummen Geschäfte zu erklären versucht. Ein Bekannter habe ihm zum Beispiel die Kontakte zu den Firmen besorgt, die die Scheinrechnungen stellten „Das war Blödheit“, weiß er heute.

„Ich bin sehr sehr froh, dass ich jetzt aus der Branche raus bin“. Mit dem Gerüstbau habe er abgeschlossen und verspricht: „Ich will diesen Job nie wieder machen.“ Er ist jetzt Hausmeister in einer Eventhalle, im Familienunternehmen, das türkische Hochzeiten organisiert. Er ist zufrieden „Ich habe abends meine Ruhe und mache keine Verbrechen mehr.“ Der Prozess wird Donnerstag fortgesetzt.