Das aktuelle Wetter Bottrop 8°C
Selbsthilfe

Bulimiekrankes Kind ist ein Alptraum

17.01.2013 | 18:36 Uhr
Bulimiekrankes Kind ist ein Alptraum
In Zusammenarbeit mit Dr. Klara Asako Sarholz, Friederike Lelgemann und Hannelore Lindner (v. l.) entsteht die Selbsthilfegruppe.Foto: Schweizer

Bottrop.   Jetzt gründet eine Mutter die Selbsthilfegruppe für Angehörige von Kindern mit Essstörungen. Dort sollen Angehörige von ihren Lasten befreit werden.

Acht Wochen hat die 16-jährige Stephanie (Name von der Redaktion geändert) letztes Jahr in einer Klinik für Essgestörte verbracht. Seit sie 13 ist, leidet das junge Mädchen an Bulimie, der Ess-Brechsucht.

Stephanies Mutter ist verzweifelt: „Immer wieder finde ich Müllbeutel mit Erbrochenem, die meine Tochter in ihrem Zimmer versteckt. Mein Mann und ich haben ihr gesagt, sie soll die Tüten in die Mülltonne werfen. Das Bild wie diese zierliche Person ihr kiloschweres Erbrochenes aus dem Haus schleppt, will mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich träume da nachts von.“

Sich von der Krankheit abgrenzen

Jetzt gründet die Mutter eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Kindern mit Essstörungen. „Ich hoffe, dass mir Gespräche mit anderen Angehörigen helfen, mich von der täglichen Konfrontation mit der Krankheit abzugrenzen“, erklärt sie. Dr. Klara Asako Sarholz, Kinder- und Jugendpsychiaterin, behandelt Stephanie und bestärkt die Mutter in ihrer Absicht. „Essstörungen können unheimlich schnell auf Familie und enge Freunde übergreifen, wenn sie sich nicht ausreichend davon abgrenzen“, so Dr. Sarholz. Besonders Zwangsmaßnahmen, die gegen den Willen der Patienten angeordnet werden wie das Legen einer Magensonde, belasten Angehörige oft schwer. „Häufig wird Eltern vorgeworfen, dass sie ihr Kind nicht respektieren. Dadurch entstehen Schuldgefühle.“

In der Selbsthilfegruppe soll es darum gehen, Angehörige von ihrer Last zu befreien. Friederike Lelgemann, Mitarbeiterin des Selbsthilfe-Büros, erklärt: „Es ist wichtig, Freiheiten für Angehörige zu schaffen, gerade außerhalb von Praxen und Kliniken. Deshalb wird sich die Selbsthilfegruppe in den Räumen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes treffen.“ Das helfe die seelische Gesundheit der Angehörigen zu bewahren. Denn verschwinde diese, fehle dem Kind ein sicherer Rückhalt, den es gerade in einer so schwierigen SItuation benötige.

Die Selbsthilfegruppe richtet sich vor allem an Eltern, deren Kind noch nicht ambulant oder stationär behandelt wird. „Gerade in der Anfangsphase der Suchtkrankheit, kann es helfen, Einschätzungen und Erfahrungen von anderen Eltern einzuholen“, so Lelgemann.

Schwerpunktmäßig geht es in der Selbsthilfegruppe um die Krankheiten Magersucht und Ess-Brechsucht. „Das sind Erkrankungen, die oft lebensbedrohliche Ausmaße annehmen“, ist sich Friederike Lelgemann der Brisanz der Themen bewusst. Teilnehmer bräuchten sich keine Sorgen um ihre Anonymität machen. „Was in der Gruppe besprochen wird, das bleibt auch in der Gruppe. Niemand muss sich vor Personen outen, die nicht selbst betroffen sind.“

Von Tim Schulze



Kommentare
18.01.2013
12:38
Bulimiekrankes Kind ist ein Alptraum
von Bottroperin | #1

Zur Überschrift des Autors: Das kranke Kind ist doch nicht der Alptraum, sondern die Erkrankung bzw. die Tatsache, dass das Kind erkrankt ist. Diese Zeitung ist (manchmal) auch ein Alptraum...

Aus dem Ressort
Vorweihnachtliche Stimmung
Weihnachtsbasar
Viele Besucher kamen zum traditionellen Weihnachtsbasar der Rheinbabenwerkstatt. Selbstgemachte Plätzchen, Adventskränze und -gestecke, Postkarten und Kalender – alles haben die Beschäftigten der Werkstatt selbst hergestellt.
Bottroper Schüler Hüdaverdi Güngör erhält Hermann-Hölter-Preis
Preisverleihung
Ehrung für sein Engagement zur Integration: Der Schüler des Berufskollegs Bottrop Hüdaverdi Güngör wurde mit dem Hermann-Hölter-Preis ausgezeichnet. Bürgermeister Klaus Strehl würdigte: „Er lebt Werte wie Toleranz, Solidarität, Zivilcourage.“
Dreifaches Helau für das neue Bottroper Kinderprinzenpaar
Karneval
Die Kürung des neuen Kinderprinzenpaares feierten die Jecken der Stadt mit viel Musik und Tanz. Bürgermeisterin Monika Budke überreichte das Narren-Zepter.
Bottroper Autoren stellen ihre Werke vor
Lesung
Von Vampirgeschichten und Postboten in der Psychiatrie: Fünf Autoren aus Bottrop lasen in der Lebendigen Bibliothek aus ihren Werken.
Eine Punktlandung unter Tage mit zwei Jahren Anlauf
Bergbau
Das Bergwerk Prosper-Haniel hat den Abbau der letzten Flöze begonnen. Bis zum Ende des Bergbaus 2018 sollen zehn Millionen Tonnen Kohle gefördert werden. Bis dahin wird das Bergwerk mit immer weniger Personal auskommen müssen
Umfrage
Wie gefällt Ihnen der neue Weihnachtsmarkt?

Wie gefällt Ihnen der neue Weihnachtsmarkt?

 
Fotos und Videos
Projekt 25/25/25
Bildgalerie
Quadrat Bottrop
Leber Erkrankungen
Bildgalerie
WAZ- Medizinforum
Bottroper Kneipennacht
Bildgalerie
Livemusik pur