Bürger retten Kirche vor dem Abriss

Das alte Marienhospital am Kreuzkamp. In der Mitte die Kapelle mit ihrem spitzen Dachreiter. Den muss die alt-katholische Gemeinde als Besitzerin der Kirche nun im Sinne des Denkmalschutzes renovieren.
Das alte Marienhospital am Kreuzkamp. In der Mitte die Kapelle mit ihrem spitzen Dachreiter. Den muss die alt-katholische Gemeinde als Besitzerin der Kirche nun im Sinne des Denkmalschutzes renovieren.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Seit 1982 gehört die Kreuzkampkapelle, ehemals Krankenhauskapelle des abgerissenen alten Marienhospitals, der alt-katholischen Gemeinde. Damals retteten auch die Unterschriften von über 10 000 Bürgerinnen und Bürger die kleine Kirche vor dem Abbruch. Jetzt ist wieder Engagement zum Erhalt gefragt.

Viel Eigenarbeit, manchmal auch Improvisation, das gehört für die alt-katholische Gemeinde fast selbstverständlich dazu. Bei knapp 250 Gemeindemitgliedern bleiben Pfarrer Reinhard Potts und dem Kirchenvorstand oft auch gar nichts anders übrig. Jetzt muss der Dachreiter auf der alten neugotischen Kreuzkampkapelle, der Pfarrkirche der Alt-Katholiken, renoviert werden. Neben dem notwendigen Innenanstrich ein größeres Projekt in dem seit 1982 denkmalgeschützen Gotteshaus.

Vom Finanzministerium geschenkt

Viele Bottroper werden sich noch an die große Unterschriftenaktion zu Beginn der 1980er Jahre erinnern. Damals sprachen sich Schwarz auf Weiß über 10 000 Bürgerinnen und Bürger für den Erhalt der früheren Krankenhauskapelle am prominenten Ort aus. Das ehemalige Krankenhaus, das bereits in den 20er Jahren in den Neubau am Stadtgarten gezogen war, gehörte damals der Finanzbehörde des Landes, die die Kapelle für einen eher symbolischen Betrag von 200 DM im Jahr an die alt-katholische Gemeinde verpachtet hatte.

Die nutzte die kleine aber schon proportionierte Kapelle - die wohl der bekannte Münsteraner Architekt Wilhelm Rincklake entwarf - schon seit einer Verfügung des Rates seit 1933 als Kirche. Seither hatte die Gemeinde, die 1935 eigenständige Pfarrei wurde, auch Innenrenovierungen vorgenommen und nach dem Krieg auch die Innenausstattung sukzessive erneuert. Dazu gehörte auch das große mittlere Chorfenster, das nach einem Entwurf des Bottropers Herbert Koll 1956 von der Firma Peters aus Paderborn gefertigt wurde.

Für den Erhalt war aber bis 1982 das Finanzministerium als Eigentümer zuständig. Als schließlich Renovierungskosten von je nach Schätzung 400 000 bis 600 000 DM drohten, wollte man den alten Gebäudekomplex samt Kapelle abreißen. Die Alt-Katholiken wären heimatlos geworden und Bottrop hätte ein Gebäude aus der Frühzeit seiner Stadtentwicklung verloren.

Die Unterschriftenaktion aber auch der Einsatz der Historischen Gesellschaft für die Kapelle war es schließlich zu verdanken, dass der Bau unter Denkmalschutz gestellt wurde und nicht mehr abgerissen werden konnte. Die Urkunde mit Unterschrift des damaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau bewahrt die Gemeinde bis heute sorgfältig auf.

Als das Kirchlein 1982 als vom Landtag genehmigter Schenkung der Finanzbehörde an die alt-katholische Gemeinde überging - die Renovierungskosten übernahmen je zu einem Drittel Land, alt-katholische Kirche in Deutschland und die Bottroper Gemeinde, übernahmen die Gemeinde auch die Verantwortung zum Erhalt und zwar im Sinne des Denkmalschutzes.

Für Bottrop sicherlich eine gute Entscheidung. „Für die Gemeinde auch, nur sind wir bei jeder Renovierung an die strengen Auflagen des Denkmalbehörde gebunden, was alles immer etwas teurer macht“, sagt Pfarrer Reinhard Potts. Aber vielleicht findet ja auch diese kleine aber markante Bottroper Kirche Freunde und Förderer.

Hilfe für den Dachreiter

Der Dachreiter ist in den letzten Jahren aus dem Lot geraten. Abdichtungen hielten nicht mehr, was sie einst versprachen, Wasser hatte der alten Balkensubstanz zu schaffen gemacht. Auch wenn die frühere Glocke nicht mehr in dem zierlichen Türmchen schwingt: „Es muss etwas getan werden“, sagt Ludger Schellberg. Er sitzt mit seinen Kolleginnen vom Kirchenvorstand, Lore Mertesacker und Lisa Upietz über Papieren und Aktenordnern.

Fest steht, dass der hölzerne, mit Schiefer ummantelte Dachreiter nicht abgenommen wird, sondern über ein Außengerüst in Stand gesetzt werden soll. Der Kostenvoranschlag wird in Kürze erwartet. „Mit 10 000 Euro wird es nicht getan sein, hoffentlich wird es nicht doppelt so teuer“, sagt Schellberg.

Am 20. Juni findet von 11.30 bis 18 Uhr der Dekanatstag der Alt-Katholiken in Bottrop statt. Dann wird sicher für die Renovierung gesammelt. Infos gibt es beim Förderverein, der auch abzugsfähige Spenden entgegen nimmt. Infos unter 26 51 94 oder per E-Mail: foerderverein-bottrop@alt-katholisch.de