„Bridge-Spielen kann jeder lernen“

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Fred Schwarz ist ein ganz spezieller Brückenbauer. Die Brücken, die er baut, bestehen aus Spiel-Karten, aus Bridge-Karten, Bridge bedeutet auf englisch Brücke. Und Fred Schwarz ist ein regelrechter Bridge-Missionar, er möchte das komplexe Kartenspiel populär machen, am liebsten würde er es Jedem und Jeder nahebringen.

Ein Ziel, das leicht im Gegensatz zur vorherrschenden Vorstellung von diesem Spiel steht: Danach sind es vor allem ältere, verwitwete englische Damen, die sich zum Spiel bei Kaffee und Kuchen zusammenfinden. Allerdings: So ganz weit entfernt von der Wirklichkeit ist das gar nicht. „Meist kommen ältere Damen“, sagt der Bridge-Profi, der seit gut 45 Jahren Bridge spielt und seit 40 Jahren Kurse gibt. Er muss es also wissen. Und meist seien es: Witwen.

Was das Spiel gerade für sie attraktiv macht? Wahrscheinlich auch der Kontakt zu den anderen Spielern. „Man tritt immer als Team an, immer zu zweit. Sie müssen lernen, mit dem Partner umzugehen“, erläutert Fred Schwarz. „Es ist eine gute Möglichkeit, nicht allein zu Hause zu hocken.“ Wer dabei sei, vergesse im Nu seine Wehwehchen. „Jeder findet ein Grüppchen, in dem er spielen kann“, davon ist dieser begeisternde Bridge-Mann fest überzeugt.

Zwei Damen in einem „seiner“ Bridge-Clubs bewundere er regelrecht, erzählt der 73-Jährige. „Sie sind immer letzte oder vorletzte, aber sie kommen trotzdem zu jedem Treffen. Und sie haben immer ihren Spaß.“ Bridge-Spielen ist also etwas für Teamplayer und für Menschen, die Spaß haben möchten.

Und die immer etwas dazu lernen möchten. Denn die Karten würden nicht, wie beim Skat, neu gemischt. „Sie müssen aus den 13 Karten das Beste machen.“ Klar im Vorteil sei der Spieler, der aus Fehlern lerne. „Bridge ist wie das Leben: Sie müssen lernen, mit ihren Fehlern und Schwächen zu leben.“

Der Oberhausener, der zu den Mitbegründern des Bridge Clubs Bottrop gehört und jede Woche im Café Haus Rogge die Karten in die Hand nimmt, hat ein Ziel: „Wir wollen in Bottrop bei der Mitgliederzahl die 100 überschreiten.“ Denn, wie schon erwähnt, geeignet sei jeder, „vom Kumpel Anton bis zum Oberstadtdirektor A.D.“ Welche Voraussetzungen es braucht? Nur eine: „Sie müssen ein Drittel meiner Geduld haben.“

Aber wen es einmal gepackt habe, sagt er, der komme kaum mehr davon los. So wie eine Dame, die mit 80 angefangen habe zu spielen. „Sie hat fast jeden Tag gespielt“, erzählt er. „Sie hat immer gesagt: Sonntags hab ich frei, da spiel ich kein Bridge.“ Jede Woche sei sie in einen Bridge Club gekommen. „Als sie eines Abends nicht erschien, sagte die Vorsitzende sofort: Da muss was passiert sein.“ Also seien sie zu ihr gegangen. Die Dame habe tot auf dem Bett gelegen. „Auf dem Tisch lagen die Karten, sie hatte vor dem Treffen noch gespielt“, sagt Fred Schwarz und fügt hinzu: „So etwas wünsche ich mir auch.“