Bottroper studiert Schauspiel in München

Von der Kulturwerkstatt an die Bayerische Theaterakademie München: Philip Ceglarski hat seine künstlerischen Wurzeln in Bottrop.
Von der Kulturwerkstatt an die Bayerische Theaterakademie München: Philip Ceglarski hat seine künstlerischen Wurzeln in Bottrop.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Philip Ceglarski schaffte den Sprung von der Bottroper Kulturwerkstatt an die Bayerische Theaterakademie August Everding und studiert dort nun im Fachbereich Schauspiel.

Bottrop..  Je früher, desto besser: Das ist die Erfahrung, die Philip Ceglarski bei seinem Weg durch den Dschungel der Hochschulen und Theaterakademien machte. Vor einigen Wochen begann der Bottroper sein Studium im Bereich Schauspiel an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München.

„Natürlich hat man da als Bottroper keinen Heimat-Bonus, auch wenn man öfter auf die Heimatstadt von August Everding angesprochen wird.“ Ceglarski lacht. Offen, gewinnend, weshalb man ihm einen Bösewicht wie Jago, den dunklen Widersacher in Shakespeares „Othello“, als Rolle zunächst gar nicht zutrauen mag.

Mit 25 kann man schon zu alt sein

Für diverse Vorsprechen hat er den Intriganten allerdings ebenso im Repertoire wie Liam, einen Charakter aus dem Psychothriller „Waisen“ des irischstämmigen Autors Dennis Kellys, oder den jugendlich-edlen Ferdinand aus Schillers „Kabale und Liebe“. Sicher eine Besetzung nach Typ, wie es so schön heißt. Vor allem als 25-Jähriger.

„In dem Alter nehmen manche Hochschulen gar keine Studenten mehr auf“, sagt Philip Ceglarski. Auch in der fast benachbarten Falckenberg-Schule, der zweiten Schauspielerschmiede Münchens, sei mit 24 Schluss. „Die wollen möglichst ganz junge, noch total formbare Studenten, die sich noch nichts, und möglichst nichts Falsches, angewöhnt haben.“ 14 Vorsprechen hat er absolviert, bevor der Zuschlag aus München kommt. Eigentlich ging es schnell im Vergleich zu anderen, die manchmal doppelt so viele Präsentationen hinter sich haben.

Seit 2005 ist der Absolvent des Heinrich-Heine-Gymnasiums aktiv in der Kulturwerkstatt. Andreas Kind und vor allem Jörg Wilms nehmen ihn unter ihre Fittiche. Er nimmt an Workshops von Mathias Spaan teil, der nach Mainz inzwischen beim Staatsschauspiel Hannover unter Vertrag ist und dessen Karriere ebenfalls in der Kulturwerkstatt angestoßen wurde.

Den Anstoß gibt ihm aber seine Schulkollegin Tanja Weber. Die fragt Ceglarski irgendwann, ob er nicht Theater spielen wolle. So beginnen etwa zehn Jahre in der Kulturwerkstatt. Am Ende ist Philip Ceglarski regelmäßig in Produktionen zu erleben, im Studio, aber auch auf der Bühne des Kammerkonzertsaals. Zuletzt spielt er auch bei der Extraschicht. Schauspiel fasziniert ihn seit seiner Kindheit. Der „Zauberer von Oz“ am Schauspiel Essen stößt eine Tür auf. Später ist er regelmäßig in den Schauspielhäusern der Region anzutreffen. Oberhausen, Essen, vor allem Bochum haben es dem Bottroper angetan. Eine Ausbildung nach dem Abi und einige Semester Theaterwissenschaften und Germanistik an der Bochumer Ruhr-Universität lassen Philip Ceglarski nur stärker spüren: Theater ist Praxis. Er will auf jeden Fall spielen. Dazu hat er nun viel Gelegenheit.

Die Bottroper Nachwuchsschmiede

Philip Ceglarski ist kein Einzelfall. Vor ihm haben bereits einige Schauspielerinnen und Schauspieler die Theatergruppen der städtischen Kulturwerkstatt als das Sprungbrett genutzt, das sie vielleicht auch sein sollen.

Unter den jüngeren Ex-Kulturwerkstättlern ist Mathias Spaan nicht nur in Bottrop bekannt, sonder zugleich immer noch aktiv. Wenn es seine Zeit zulässt, pflegt er die Kontakte in seine Heimatstadt und gibt bis jetzt auch regelmäßig Workshops für die Teilnehmer an den zahlreichen Kursen und Theatergruppen der Kulturwerkstatt, die Andreas Kind und vor allem Jörg Wilms anbieten. Der freiberufliche Schauspieler und Regisseur ist seit langem der Bottroper Kultureinrichtung verbunden. Auch Philip Ceglarski bekam bei ihm das grundlegende Rüstzeug vermittelt, das nun die Basis für die weitere professionelle Ausbildung legt.

Auch die künstlerischen Wurzeln von Leo Meier liegen in der Kulturwerkstatt. Er hat jetzt gleichzeitig mit Philip Ceglarski das Studium im Fach Schauspiel an der ebenfalls renommierten Essener Folkwang Universität der Künste begonnen.

Insgesamt betrachtet ist das sicherlich ein guter Schnitt erfolgreicher Teilnehmer, den die Einrichtung in der letzten Zeit vorweisen kann - und nicht zuletzt auch ein Ausweis für erfolgreiche Arbeit.