Bottroper SPD will mit weniger Ortsvereinen auskommen

SPD-Vorsitzender Michael Gerdes und Stellvertreterin Sonja Voßbeck zu Gast in der WAZ-Redaktion.
SPD-Vorsitzender Michael Gerdes und Stellvertreterin Sonja Voßbeck zu Gast in der WAZ-Redaktion.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Parteivorstand unternimmt erste Schritte zu einer Reform. Die Mitgliederzahlen gingen stark zurück. Arbeitskreis diskutiert offen über neue Strukturen.

Bottrop..  Die Bottroper SPD steht am Anfang einer Strukturreform. Gut möglich, dass es am Ende weniger SPD-Ortsvereine gibt. Noch gliedert sich der Unterbezirk Bottrop in 16 Ortsvereine. Doch wie alle Parteien, ja wie fast jeder Verein, spürt auch die SPD den demographischen Wandel.

Um das zu erkennen, reicht ein Blick in die Mitgliederzahlen. 2003 hatte die SPD in Bottrop noch 2239 Mitglieder, 2014 waren es 1385. Im Rechenschaftsbericht 2013/2014 schreibt der Mitgliederbeauftragte Daniel van Geister, dass 39 Neulingen 60 Austritte gegenüber standen. Außerdem seien 27 Mitglieder verstorben. Sein Fazit lautet: „Sollte das Verhältnis von Zu- und Abgängen nicht mittelfristig (7-10 Jahre) umgekehrt, mindestens aber ausgeglichen werden, ist davon auszugehen, dass weder eine effiziente Ortsvereinsarbeit, noch eine flächendeckende Präsenz der Bottroper SPD gewährleistet werden kann.“

Auch deshalb haben die Mitglieder auf dem Parteitag den Vorstand beauftragt, sich Gedanken über die zukünftige Struktur zu machen. Eine schwierige Aufgabe, die dieser gerade begonnen hat. Die Verantwortung dafür übernahm die neue stellvertretende Vorsitzende Sonja Voßbeck. Als erstes soll in einem Arbeitskreis über die Reform diskutiert werden. Mitglieder aller Ortsvereine können mitarbeiten. Denn eines sei klar, sagt SPD-Chef Michael Gerdes: „Wir können vom Unterbezirk her nichts erzwingen.“

In dem Arbeitskreis geht es auch darum, Neumitglieder zu werben und Mitglieder vom Verbleib in der Partei zu überzeugen. Sonja Voßbeck: „Einige jüngere haben vielleicht Schwierigkeiten mit den strengen Hierarchien.“ In einen zweiten Schritt folgen Workshops und Mitgliederbefragungen, drittens der Besuch aller Ortsvereine.

Ergebnisoffen

Man wolle den Prozess „ergebnisoffen“ führen. Es gehe auch darum, Ängste und Sorgen zu nehmen, sagt Sonja Voßbeck. Denn ein Ortsverein sei für viele Mitglieder auch Heimat. Sie verweist auf ihren eigenen in Grafenwald: „Der hat vor einiger Zeit sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Einige Gründungsmitglieder leben noch, denen fällt so etwas noch schwerer.“ Deshalb geht es Michael Gerdes und Sonja Voßbeck vor allem darum, dass die Ortsvereine zusammenwachsen, und dass sich durch gemeinsame Aktionen in einem weiteren Schritt möglicherweise eine Fusion ergibt. Wohlweislich nennen beide keinen Zeitraum, in dem ein solcher Strukturwandel abgeschlossen sein müsse.

Gerdes verweist auf die IG BCE. Die Gewerkschaft habe einen ähnlichen Prozess hinter sich, der sich über Jahre gestreckt habe, aber von den Mitgliedern mit getragen worden sei und geräuschlos über die Bühne ging.

Die Hälfte der Mitglieder ist über 60 Jahre alt

Der kleinste SPD-Ortsverein Feldhausen hat 32 Mitglieder, Batenbrock mit 166 Mitgliedern der größte. Es sei in einigen Ortsvereinen schwierig, die Vorstände komplett zu besetzen, sagt Gerdes. In seinem Ortsverein Boverheide umfasste der erweiterte Vorstand früher 24 Personen. Heute seien manche Stellvertreterposten nicht mehr besetzt. Mit neuer Struktur könne sich die Kampagnenfähigkeit verbessern, meint der SPD-Chef. Über die Hälfte der Genossen sind über 60 Jahre alt. Das Plakatieren falle nicht mehr jedem leicht. Es hätten sich zuletzt Kooperationen zwischen Ortsvereinsgrenzen entwickelt, sagt Sonja Voßbeck. Mit dem Wandel stiege auch die Chance für jüngere Mitglieder, schneller als bisher Verantwortung zu übernehmen.