Bottroper Rentner tragen ihr Know-how bis nach China

Klaus Berger aus im Einsatz in China.
Klaus Berger aus im Einsatz in China.
Foto: Leserfoto
Klaus Berger und Alfred Barkow geben als Profis im Ruhestand ihr Wissen weiter. Im Auftrag des Senior Experten Service unterstützen sie über Ländergrenzen hinweg.

Bottrop..  Der Müßiggang ist ihre Sache nicht. Stattdessen verbinden zwei Ruheständler ihre Neugier, die Welt kennenzulernen, mit der Weitergabe ihres Fachwissens über Kontinent-Grenzen hinweg: Alfred Barkow (74) und Klaus Berger (61) sind ehrenamtlich im Einsatz für den Senior Experten Service (SES), der Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit. In China haben beide schon ihre Spuren hinterlassen.

Überwachung des Fernbusbetriebs

Vom beschaulichen Kirchhellen reiste Altersteilzeitler Klaus Berger, ein IT-Experte im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs, 2015 in die für chinesische Verhältnisse kleine Stadt Xuchang in der Provinz Henan – mit 4,5 Millionen Einwohnern. Drei Wochen lang beriet er ein Logistik-Unternehmen im Bereich des Personenfernverkehrs. „Die längste der über 300 Buslinien des Unternehmens fährt drei Tage“, erzählt Berger. Der Betrieb der Busse werde fernüberwacht. Und auch der Staat fordere das Aufzeichnen bestimmter Daten, „etwa, ob ein Bus zu schnell fährt“.

Bei der Neuentwicklung ihres IT-Systems setzten die Chinesen auf Bergers Unterstützung. Allerdings: „Eine Woche war ich erst einmal beschäftigt mit Geschäftsessen, Smalltalk, dem Kennenlernen verschiedener Chefs. Das Kernthema wurde erst im Laufe des Aufenthalts angesprochen.“ Berger genoss diesen Einblick ins Arbeitsleben vor Ort, musste sich aber an manches gewöhnen: „Die Chinesen sprechen es nicht direkt an, wenn es Probleme gibt.“ Drei Wochen reichten für so eine Beratung „beileibe nicht“ aus, so Berger – vielleicht ist für ihn daher bald ein zweiter Einsatz drin.

Auch Alfred Barkows erste SES-Beratung führte ihn 2009 für drei Wochen nach China, wo der Diplom-Agraringenieur in der tatsächlich „nur“ 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt Xinyu in der Provinz Jiangxi Hilfestellungen bei der Planung eines agrarwissenschaftlichen Technologieparks gab. „Wenn man die Sprache nicht kann und einen Übersetzer braucht, erschwert das die Arbeit“, urteilt der ehemalige Entwicklungshelfer. Da er neben Englisch und Französisch auch Kenntnisse in Portugiesisch und Spanisch hat, konnte Barkow sich bei seinem zweiten SES-Einsatz 2010 in Bolivien besser verständigen. „Da ging es um die Beratung einer Firma, die mit Werthölzern eine Aufforstung machen wollte und dafür Investoren in Europa suchte.“ U.a. habe er die Firmendarstellung überarbeitet und ins Deutsche übersetzt. „Leider habe ich von der Firma nichts mehr gehört.“

Ganz im Gegensatz dazu hält er aktuell noch Kontakt zu dem von einem Verein getragenen „Projekt der sich begegnenden Hände“ (Pwojè men kontre) in einem Bergstädtchen in Haiti – samt Waisenhaus mit 75 Kindern und Schule. Sein Herzensprojekt, das spricht aus seinen Erzählungen über seine fünf Besuche dort, bei denen er als Berater für den landwirtschaftlichen Bereich tätig war. „Sie haben dort landwirtschaftliche Flächen, die sie besser nutzen wollen, um den älteren Waisenkindern im Anschluss an die Schule Arbeitsmöglichkeiten zu bieten“, berichtet Barkow. Ein Fokus gilt dem Erdnussanbau. „Man könnte unter Einbeziehung der Bauern in der Gegend Erdnussöl pressen.“ Anbaupläne hat Barkow etwa vor Ort erstellt – und den Haitianern nach einer besonders ertragreichen Kohlernte gezeigt, wie man Sauerkraut macht.

Im Moment macht ein Knochenbruch ihm zu schaffen, doch Barkow will gern wieder für den SES nach Haiti reisen. „Ich bin leider noch nicht dazu gekommen, die Ölmühle, die ich besorgt hatte, in Betrieb zu nehmen.“ Das wäre eine Aufgabe für den nächsten Einsatz.

IT-Experte arbeitet auch mit Schülern vor Ort

Klaus Berger setzt sein Wissen darüber hinaus vor Ort ein: Er suchte selbst nach Projekten, die nun über das SES-Schulprogramm laufen. So bringt der Hobby-Flieger Viertklässlern an der Gregorschule Chancen und Risiken des Internets näher, lässt sie den Surfschein machen. „Als zweites habe ich einen Robotik-Kurs an der Gesamtschule Buer-Mitte“, erzählt der Altersteilzeitler. Seit dem Herbst hat er dort einmal in der Woche mit Teenagern zu tun. „Wir arbeiten dort auf Basis von Lego-Robotern“, so Berger. Beide Einsätze machen ihm Spaß – auch wenn sie für einen Nicht-Pädagogen manchmal anspruchsvoll seien.

Über 3000 der 4700 SES-Einsätze fanden 2015 in Deutschland statt. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Initiative „VerA“, bei der Profis im Ruhestand möglichen Ausbildungsabbrechern zur Seite stehen. Der Rest der Hilfseinsätze verteilte sich auf weitere 90 Länder. Damit blicke er auf das erfolgreichste Jahr seiner über 30-jährigen Geschichte zurück, so der SES. Die Zahl der registrierten Experten liege bei 11 897.