Bottroper lehnen Kauderwelsch in der Werbung ab

Auf dem Altmarkt diskutiert Klaus Thelen (rechts) vom Verein Deutscher Sprache mit Passanten über Werbesprüche.
Auf dem Altmarkt diskutiert Klaus Thelen (rechts) vom Verein Deutscher Sprache mit Passanten über Werbesprüche.
Foto: FUNKE Foto Services
Der Verein Deutscher Sprache lädt Passanten am Bottroper Altmarkt zur Abstimmung über umstrittene Werbesprüche ein. Über 90 Prozent ziehen deutsche Begriffe vor .

Bottrop.. Hana Nails, Head Factor, Gresch Perfect Hair oder Midseason Sale sind nur einige von vielen Beispielen von englischen und pseudoenglischen Geschäfts -und Produktbezeichnungen, in diesem Falle aus Oberhausen. Auch in Bottrop gibt es Geschäfte mit englischem Namen, aber „die Bottroper kaufen noch auf Deutsch ein“, sagt Dr. Hans-Joachim Thelen vom Verein Deutscher Sprache.

Missstände aufgezeigt

An einem Informationsstand auf dem Altmarkt machte er jetzt die Bottroper Bürger auf die sprachlichen Missstände aufmerksam und bat Passanten um ihre Meinung. „Die Macher der Werbeindustrie halten sich für Ideologen und drücken den Leuten einfach die englische Sprache auf, ohne zu fragen, ob sie das überhaupt wollen. Und wer versteht denn dieses Kauderwelsch? “, klagt Thelen.

Zahlreiche bildliche Beispiele von Werbeauftritten regionaler Firmen konnten sich die Bottroper am Stand des Vereins Deutscher Sprache unter der Überschrift „Wo sind wir eigentlich?“ anschauen. Zum Vergleich befand sich neben der englischen dann auch die deutsche Bezeichnung. Auf Stimmzetteln konnte jedermann seine Meinung ankreuzen. Was gefällt aber nun besser?

Eine schöne Sprache

Ursula Josfeld erzählt von einem Friseur, der „Coiffeur für Herren, Damen und Kids“ heißt. „Wieso denn bitte kids?“, fragt sie verärgert. Theo Olbrich hat an sich nichts gegen die englischen Bezeichnungen. „Man sollte aber die deutsche darunter schreiben“, sagt er. Eine 75-jährige Bottroperin hat eine klare Meinung über diejenigen, die sich über Anglizismen aufregen. „Das ist altmodisch und die Zeichen der Zeit werden ignoriert. Englisch ist Fortschritt. Wir sind in Europa, also muss man auch europäisch denken“, behauptet sie. „Ist denn Fortschritt nur auf Englisch möglich?“ fragt sich Berthold Tönnes aus Kirchhellen. Er spricht von einer Selbstbenachteiligung der Gesellschaft. „Sehr viele Deutsche“, so sagt er, „sehen Deutsch als altbacken an, und es fehlt der Wille, die Sprache weiterzuentwickeln. Die Werbeindustrie kopiert einfach nur und klaut aus dem Englischen“.

Die Verwendung von englischen Begriffen wird anscheinend hingenommen. „So denkt die Werbeindustrie, dass alle einverstanden sind“, so Thelen. Klaus Naß ist so gar nicht einverstanden. „Die wollen nur zeigen, wie schlau sie angeblich sind. Deutsch ist eine schöne Sprache, deshalb soll man auch deutsche Begriffe verwenden“. Christiane Boujong spricht sich dafür aus, die Wurzeln der deutschen Sprache nicht zu verlieren. „Die Sprache ist aber leider sehr plump geworden“, bedauert sie. Baris (10) und Hüseyin (13) sind geteilter Meinung, einigen sich beim Ankreuzen dann aber auf das Englische.

Umfrage-Ergebnis

Das Ergebnis der Umfrage am Ende des Tages ist eindeutig: 92 Prozent der Befragten sind für die deutschen Bezeichnungen. Thelen sieht seinen Stand als eine Art Klagemauer an, aber letztendlich gehe keiner zu den Verantwortlichen. Ein Passant beweist es: „Sie haben meine Sympathie, aber abstimmen will ich nicht“.