Bottroper Kammerorchester steht auf der Kippe

Kai Röhrig (l.) -  mit Regisseur Thomas Grandoch und Sänger Gavin Taylor - vor der Aufführung der Oper „The Lighthouse“ 2011 im Malakoffturm.
Kai Röhrig (l.) - mit Regisseur Thomas Grandoch und Sänger Gavin Taylor - vor der Aufführung der Oper „The Lighthouse“ 2011 im Malakoffturm.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nach dem überraschenden Abschied des Dirigenten Kai Röhrig als Leiter des Bottroper Ensembles suchen Stadt und Förderverein nach einer Lösung.

Bottrop.. Nach 16 Jahren hat Kai Röhrig die Leitung des Bottroper Kammerorchesters niedergelegt (die WAZ berichtete). Mit diesem für die allermeisten wohl überraschenden Schritt endet - zumindest vorläufig - eine Ära, in der das Orchester mit zum Teil spektakulären Aufführungen auf hochprofessionellem Niveau Glanzlichter im Musikleben der Stadt setzte.

Wie es nun mit dem Klangkörper weitergeht, der im Dezember auf sein 65-jähriges Bestehen zurückblicken kann, ist ungewiss. Sicher ist bislang nur, dass man hinter den Kulissen nach einer tragfähigen Lösung sucht, um diese Bottroper Eigenmarke nicht sang- und klanglos untergehen zu lassen. Denn auch wenn sich unter Röhrigs Ägide das BKO immer mehr zum Projektorchester mit teils wiederkehrender, teils neuer Besetzung durch oft bereits international agierende Profis entwickelt hat, galten die Aufführungen doch als Bottroper Eigenproduktionen.

Kein Geld von der Stadt

Auch wenn die ohnehin knappe städtische Förderung 2006 ganz eingestellt wurde - mit Ausnahmen der Projekte im Kulturhauptstadtjahr 2010 und der Kammeroper „The Lighthouse“ -, gelang es doch immer wieder Dank des rührigen Fördervereins und Sponsoren, Ausnahmeabende zum Teil mit renommierten Solisten wie dem Pianisten Herbert Schuch oder der Sopranistin Christiane Karg nach Bottrop zu bringen.

Kai Röhrig, Professor am Salzburger Mozarteum, hatte zuletzt indirekt eine Gängelung durch die städtische Kulturverwaltung angedeutet, bis hin zur Wahl des Aufführungsortes oder dem Zugang zu Sponsoren. An seinem gestrigen Namenstag war er für ein neuerliches Statement nicht zu erreichen.

Kulturdezernent Willi Loeven und Kulturamtsleiter Dieter Wollek wollen die Marke BKO auch nach Röhrigs Abschied in Bottrop halten. „Sie soll konzeptionell und inhaltlich auf breitere Füße gestellt werden und wir wollen zusammen mit dem Förderverein etwas Neues entwickelt, Geld kann die Stadt nicht geben“, sagt Loeven.

Ulrich Röhrig, seit dessen Gründung 2001 Vorsitzender des etwa 30 Personen umfassenden Fördervereins und Vater des Dirigenten Kai Röhrig, will auf jeden Fall seine Amtszeit bis 2016 weiterführen. „So lange bin ich gewählt und möchte zusammen mit den Verantwortlichen in der Stadt und dem Förderverein nach einer tragfähigen Lösung suchen“, so Röhrig. Die soll bereits im Juni im Kulturausschuss vorgestellt werden.