Bottroper gedenken der Holocaust-Opfer auf dem Westfriedhof

Neben verwitterten Grabsteinen stehen auf dem Jüdischen Friedhof auch neuere, die an getötete Zwangsarbeiterinnen und ein Kind erinnern.
Neben verwitterten Grabsteinen stehen auf dem Jüdischen Friedhof auch neuere, die an getötete Zwangsarbeiterinnen und ein Kind erinnern.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Am kommenden Mittwoch versammeln sich wieder Bürger auf dem Jüdischen Friedhof am Westfriedhof. Der 27. Januar ist ein internationaler Gedenktag.

Bottrop.. Am Mittwoch, 27. Januar, findet auf dem Jüdischen Friedhof am Westfriedhof am Westring wieder die öffentliche Veranstaltung aus Anlass des „Holocaust-Gedenktages“ statt, zu der alle Bottroperinnen und Bottroper eingeladen sind. Es wird nicht nur an die jüdischen Bürger erinnert, die auf diesem Friedhof bestattet wurden, sondern auch an jene, die in der Zeit des Nationalsozialismus erniedrigt, verfolgt, aus unserer Stadt vertrieben und ermordet wurden.

Befreiung

In jedem Jahr wird am 27. Januar, dem „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee vor nunmehr 71 Jahren erinnert. Seit 2005 ist dieser Tag nicht nur ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag, sondern wurde von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ erklärt.

In Bottrop wird am 27. Januar ab 14 Uhr neben Oberbürgermeister Bernd Tischler auch die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen-Bottrop-Gladbeck, Judith Neuwald-Tasbach, sprechen. Es folgt ein Gebet des Rabbiners der Gemeinde, Chaim Kornblum. Männliche Besucher werden gebeten, eine Kopfbedeckung beim Besuch auf dem Jüdischen Friedhof zu tragen.

Als der Westfriedhof 1898/99 angelegt wurde, entstand ein gesonderter Bereich, auf dem jüdische Bürgerinnen und Bürger bestattet wurden. Heute befinden sich an dieser Stelle noch 15, zum Teil stark verwitterte Grabsteine und darüber hinaus vier, die vor einigen Jahren für drei jüdische Zwangsarbeiterinnen aus Ungarn gesetzt wurden. Sie waren bei einem Bombenangriff auf das Gelsenkirchener Gelsenberg-Werk schwer verletzt und nach vergeblicher Behandlung im Bottroper Marienhospital auf dem Friedhof beerdigt worden. Ein weiterer Grabstein erinnert an den neugeborenen Sohn einer jüdischen Zwangsarbeiterin, der hier ebenfalls bestattet wurde.

Stolpersteine

Am 27. Januar findet bereits morgens eine Führung auf den Spuren der Bottroper Juden für eine Klasse der Rheinbabenschule durch Stadtarchivarin Heike Biskup statt. Nachdem sie den Schülerinnen und Schülern im Stadtarchiv einiges über die Geschichte der Juden in Bottrop erzählt hat, werden ab etwa 10 Uhr einige „Stolpersteine“ in der Innenstadt besucht, die an Kinder und Erwachsene erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden, weil sie Juden waren.