Bottroper Frauen gehen auf die Barrikaden

Die städtischen Mitarbeiterinnen im Sozial- und Erziehungsdienst zeigen sich beim Verdi-Warnstreik kampfeslustig.
Die städtischen Mitarbeiterinnen im Sozial- und Erziehungsdienst zeigen sich beim Verdi-Warnstreik kampfeslustig.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Erzieherinnen, Sozialarbeiterinnen und Dipl.Pädagoginnen fordern mehr Lohn und eine höhere Eingruppierung. Ihnen fehlt Anerkennung für ihre Arbeit.

Bottrop..  Das Streiklokal Hürter in der Bottroper City war proppevoll. 80 bis 100 städtische Mitarbeiterinnen – die Männer waren dabei unter „ferner liefen“ – hatten sich nach Schätzungen von Verdi-Geschäftsführerin Martina Steinwerth hier am Freitagmorgen zum Streikfrühstück versammelt. Die neun städtischen Kitas blieben wie schon am Montag auch am Freitag weitestgehend dicht. In fünf Einrichtungen waren lediglich Notgruppen gebildet worden. Aber nicht nur die Erzieherinnen hatten die Arbeit am Freitag niedergelegt, sondern auch andere Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst der Stadt.

Die Streikenden fordern eine bessere Anerkennung ihrer Arbeit und die Eingruppierung in höhere Entgeltgruppen. „Wir leisten eine genauso wichtige Bildungsarbeit wie die Grundschulen“, erklärt etwa Sonja Alexius und fordert die Gleichstellung mit Grundschullehrerinnen. Die Erzieherin ist Leiterin der Kita Vonderort und seit fast 18 Jahren in ihrem Beruf. „Die Arbeit hat sich stark verändert“, erklärt sie. Der Erziehungsauftrag der Kitas sei ein anderer als früher und der frühkindlichen Bildung, der Beratung und Zusammenarbeit mit den Eltern werde heute ein viel größeres Gewicht beigemessen als noch vor 20 Jahren.

Arbeit hat sich verändert

Und schließlich hat sich auch der Alltag in den Kindergärten kolossal verändert. Denn die werden nicht mehr nur von Kindern zwischen drei und sechs Jahren besucht, sondern schon von wenige Wochen alten Säuglingen. Zudem, so Sonja Alexius, sei die soziale und kulturelle Mischung in den Kitas heute sehr viel bunter als früher.

Dafür aber sei die Bezahlung nicht angemessen. Vier Jahre dauert die Ausbildung zur Erzieherin, 2500 Euro Bruttoverdienst sind am Ende drin – genau so viel wie auch ein Chemielaborant verdient. Auch Dagmar Kaplan, Diplom-Pädagogin und bei der Stadt in der Koordinierungsstelle zwischen Schule und Jugendhilfe beschäftigt, sieht ihren Berufsstand unterbezahlt.

Gleichstellung gefordert

Als Mitglied der Bundestarifkommission im Bezirk Emscher-Lippe-Süd erklärt sie: „Wir fordern die Gleichstellung mit den technischen Berufen.“ Denn immer noch sei es so, dass ein Ingenieur bis zu 1000 Euro mehr im Monat verdienen könne als eine Diplom-Sozialarbeiterin oder eine Diplom-Pädagogin, obwohl beide gleichermaßen ein Hochschulstudium absolviert hätten.

Bei ihrem Streikfrühstück ließen sich die städtischen Mitarbeiterinnen am Freitag darüber informieren, wie es in den nächsten Wochen weitergehen wird. Die dritte Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern ist am 9. April. Bis nach den Osterferien wird es nicht zu weiteren Streiks kommen.