Bottroper fordern neue Bewertung für Windrad-Projekt

Johannestaler haben Politiker eingeladen, um mit ihnen über die Pläne zu debattieren.
Johannestaler haben Politiker eingeladen, um mit ihnen über die Pläne zu debattieren.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Die Bürgerinitiative Boy/Johannestal möchte, dass die unsichere Zukunft des Alpincenters in die Diskussion um die Windanlage berücksichtigt wird.

Jetzt, da die Zukunft des Alpincenters ungewiss sei und Hundertausende Kubikmeter Boden aufgeschüttet werden müssen, um die Skihalle standhaft zu machen, müsse man die Option eines Windrads an der Halde komplett neu diskutieren. Darüber waren sich die rund 30 Bürger der Imitative Boy/Johannestal einig, als sie am Montagabend zusammenkamen, um erneut ihren Protest gegen die Windanlage auszudrücken. Denn: Wofür brauche das Alpincenter eine autarke Energieversorgung, wenn es erst andere Hausaufgaben zu machen hat?

Zwar hat die Verwaltung Anfang des Jahres ein Moderationsverfahren eingeleitet, das zwischen den Anwohnern und dem Alpincenter vermitteln sollte, aber die Johannestaler sehen ihre Stimme weiterhin nicht genug gehört. Auch bei einer Anwohnerkonferenz am 17. März seien ihre Fragen zum Windrad nur ungenügend beantwortet worden. Dort hat wurde versucht, zwischen Alpincenter und Bürgern zu vermitteln. „Zwischen uns kann es aber keinen Kompromiss wie ein kleineres Windrad geben“, sagt Beatrix Kowert von der Initiative. Statt sich mit der Skihalle auszutauschen, möchte sie einen offenen Kanal zu den Politikern.

Widersprüche

Deswegen haben die Bürger am Montag Vertreter aller Ratsparteien eingeladen – bis auf die ÖDP waren jedoch nur Windrad-Gegner wie die DKP oder die Linke vor Ort. Den erhofften Dialog konnte es daher kaum geben. Stattdessen erörterten die Bürger erneut ihre Sorgen. Einer ihrer Hauptkritikpunkte: Die Windkraftanlage widerspreche dem Masterplan Innovations City.

Im Ratsbeschluss vom 8. April 2014 heißt es dazu, dass im Bottroper Zentrum keine Flächen zur Verfügung stehen, welchen den Abstandsvorgaben zwischen Windrad und Siedlung entsprechen. Dass solche Vorgaben nicht rechtsverbindlich seien, solle man nicht zum Vorwand nehmen, die Bürger zu ignorieren, so Kowert.

Zusätzlich zu den Widersprüchen in den Ratsbeschlüssen sehen die Bürger ihre Lebensqualität eingeschränkt: „Wir wollen keine Versuchskaninchen sein“, sagt Melanie Pantenburg, die erst Langzeitstudien zur Auswirkung von Infraschall vorgelegt bekommen möchte. In eine ruhige Gegend wie das Johannestal sei sie nicht ohne Grund mit ihren Kindern gezogen, und bei einem Hausverkauf wäre der Verlust enorm. Einige Bewohner haben sich ausrechnen lassen, dass die Häuser im Falle des Windanlagen-Baus einen Wertverlust von 15 bis 30 Prozent, etwa 30 000 bis 75 000 Euro, erleiden würden.

Weitere Erkenntnisse über die Parteipositionen zum Windrad, gerade in Hinblick auf die Zukunft des Alpincenters, hoffen die Bürger im Planungsausschuss am Donnerstag zu bekommen. Der tagt um 16 Uhr in Rathauszimmer 111.