Bottroper Chris Unnormal macht Mode mit verbotenem Hauch

Drei Phasen  kreativer Arbeit: Designer Moritz Velten (rechts) mit einer Zeichnung aus seiner Bachelor-Arbeit, die bald ein Shirt schmücken soll. Chris Unnormal (Mitte) mit dem Motiv für das bald erscheinende zweite Shirt. Und „Pottboiz Electric“-Chef  Xel mit dem Jutebeutel aus der ersten „Forbidden Graff.x“-Kreation.
Drei Phasen kreativer Arbeit: Designer Moritz Velten (rechts) mit einer Zeichnung aus seiner Bachelor-Arbeit, die bald ein Shirt schmücken soll. Chris Unnormal (Mitte) mit dem Motiv für das bald erscheinende zweite Shirt. Und „Pottboiz Electric“-Chef Xel mit dem Jutebeutel aus der ersten „Forbidden Graff.x“-Kreation.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Der Graffiti-Künstler und Tätowierer Chris Unnormal aus Bottrop bringt jetzt über sein Modelabel „Forbidden Graff.x“ limitierte Shirts heraus.

Bottrop.. Von den Wänden auf die Wolle: Chris Unnormal, als Teil der Crew „Bottrop Legal“ seit Jahren bekannt in der hiesigen Graffiti-Szene, macht jetzt auch Mode. Parallel zu seinem neuen Job im Essener Tattoo-Studio „Pottboiz Electric“ hat er sich vorgenommen, „mehr zu schaffen, das bleibt“. Graffiti verblassen, werden irgendwann überstrichen – aber Kunst auf Textilien, die währt. „Ich will etwas hinterlassen“, so der 30-Jährige.

Als neugelernter Tätowierer tut er das zwar auch, aber nur bedingt nach eigenem Gusto, sondern nach dem der Kunden. Und von seiner Mode hat Chris Unnormal besondere Vorstellung. „Forbidden Graff.x“ heißt sein Modelabel, zu Deutsch: verbotene Grafiken. Gerne deutet er religiöse Motive um – bis hin zur Obszönität, aber mit gesellschaftskritischem Hintergrund. „Ich will provozieren und damit zum Denken anregen“, sagt er.

Kleidung mit Lokalkolorit

Für jeden gemacht sein soll der selbstbetitelte „Zwirn ausm Pott“ ohnehin nicht. Chris Unnormal will Kleidung designen, die „nicht nur auffällt, sondern sich auch abhebt“, er will Gegenwind Richtung Großhandelsketten blasen. Seine Shirts sind limitiert und nachhaltig produziert, der Preis deswegen etwas stolzer. Trotzdem waren die einzigen 100 Exemplare seines ersten Entwurfs – 50 Shirts für Herren, 50 für Damen – in drei Wochen vergriffen. Schließlich gab er seinem großen Bekanntenkreis in Bottrop auch etwas besonderes zurück: T-Shirt Nummer eins schmückte eine Hand in einem Tetraeder und der Inschrift „Auf Kohle“.

„Das Shirt soll die innere Einheit, den Zusammenhalt in Bottrop zeigen“, erklärt der Künstler. Zwar entsprach dieses Lokalkolorit noch nicht dem Anspruch, Mode mit verbotenem Hauch zu machen, aber habe er erst einmal zeigen wollen: „Das bin ich“. Das zweite Shirt, voraussichtlich im Juni erhältlich, soll dem Labelnamen dann voll und ganz entsprechen – so wie auch alle folgenden Motive.

Einige von ihnen plant Chris künftig mit Tätowiererkollegen Moritz Velten umzusetzen. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit hat der studierte Designer ein ganzes Buch voller Motive gestaltet, die Techniken aus dem Mittelalter in die heutige Zeit übersetzten. „Viele Motive von früher zeigen Parallelen zu Tattoos von heute“, sagt Velten. Konzentriert hat er sich auf Emblems mit einem Vanitas-Gedanken – und hat damit einen Nerv bei Kollegen Chris getroffen. Vergänglichkeitssymbole: Die Gesellschaftskritik vieler kunstgeschichtlicher Epochen. Wie gemacht für aufweckende Mode mit derben Motiven.

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