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Bottroper Azubis bringen Interesse an Autos in Lehre ein

11.03.2016 | 09:00 Uhr
Bottroper Azubis bringen Interesse an Autos in Lehre ein
Lutz Misterek, angehender Verfahrensmechaniker, passt einen Carbon-Frontaufsatz ins Auto ein.Foto: Winfried Labus / FUNKE Foto Services

Bottrop.   Sebastian Wilger (19) und Lutz Misterek (25) wählten mit dem Fahrzeuginnenausstatter und dem Verfahrensmechaniker eher unbekannte Berufe.

Der Kfz-Mechatroniker steht als Ausbildungsberuf ganz oben auf der Wunschliste vieler junger Männer. Das spezielle Interesse an Fahrzeugen im Job umsetzen – das kann man aber auch in anderen Berufen. Sebastian Wilger (19) zum Beispiel schwenkte nach einer Recherche im Internet auf den Fahrzeuginnenausstatter um, Lutz Misterek (25) entschied sich für den Verfahrensmechaniker Kunststoff. Beide Azubis helfen nun bei Brabus mit, Autos zu veredeln und individuelle Kundenwünsche zu erfüllen.

Sebastian Wilgers Arbeitsplatz ist die Sattlerei. An einem Tisch schneidet der Auszubildende im ersten Lehrjahr gerade ein dunkles Stück Leder zu, fertigt eine Schnittschablone an. Eine Kopfstütze gilt es zu beziehen. Bei seiner Arbeit muss er sehr genau sein. Und die Nähte, die er später per Maschine setzt, dürfen nicht schief sitzen. Das würde dem Kunden sicher nicht gefallen.

„In der Ausbildung fängt man mit dem Kleben an, wie bei der Seitenverkleidung von Sitzen“, erzählt Sebastian Wilger. Dann kommt das Schneiden und Nähen hinzu. Zwar wird in der Regel nach Designvorgaben gearbeitet, dennoch braucht der Kfz-Innenausstatter eine gewisse Kreativität. „Die Herausforderung besteht darin, wie man etwas bezieht, wie man die Nähte setzt, so dass es gut aussieht und funktional ist“, so Sattlermeister Thomas Rockmann. Langweilig kann’s nicht werden, denn die Innenausstattung etwa mit Sitzen, Seitenbekleidungen oder Himmel wird für neue Serienfahrzeuge ebenso gefertigt wie nach einzelnen Kundenvorstellungen. Sebastian Wilger ist zufrieden: „Jeden Tag gibt’s etwas Neues.“

Info
Arbeitsagentur wirbt für die duale Ausbildung

Bereits zum dritten Mal wirbt die Agentur für Arbeit Gelsenkirchen/Bottrop in der heute endenden „Woche der Ausbildung“ für die duale Ausbildung und um Ausbildungsstellen.

Informationen rund um Ausbildung und Beruf gibt es bei den Berufsberatern der Arbeitsagentur, im BiZ sowie im Internet unter www.arbeitsagentur.de (z.B. Berufenet und Berufe.TV). Die Berufsberatung ist zu erreichen unter  0800 4 5555 00 (gebührenfrei) oder per E-Mail an Gelsenkirchen.Berufsberatung@arbeitsagentur.de

Ganz ähnlich geht es Lutz Misterek, der im zweiten Ausbildungsjahr den Beruf des Verfahrensmechanikers für Kunststoff- und Kautschuktechnik erlernt. Auch diese tragen zur Ausstattung bei, allerdings geht es hier zum Beispiel um Verkleidungsteile wie Front- und Heckschürzen. „Wir arbeiten viel mit Carbon, machen Applikationen im Interieur und Exterieur der Fahrzeuge“, erzählt der 25-Jährige. „Das Design wird vorgegeben – und wir setzen das um.“ So werden zum Beispiel in seiner Abteilung Modelle für die spätere Serienproduktion gefertigt oder Ausstattungsteile exakt in die verschiedenen Fahrzeuge eingepasst. Der Azubi zeigt Letzteres mit einem superleichten Frontaufsatz mit Tagfahrlicht aus Carbon.

„Ich habe mir den Beruf ausgesucht, weil er Zukunft hat“, sagt Lutz Misterek, der als Ausbildungsbotschafter für die Industrie- und Handelskammer auch in Schulen geht und junge Leute informiert. „Gefragt sind ein Verständnis für Technik, Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer.“

Initiativbewerbung und Probearbeit

Nach einer Initiativbewerbung und zwei Tagen Probearbeit hatte er die Ausbildung in der Tasche – „es hat alles gepasst“. Grundlage und erste Aufgaben in der Lehre: Radien, also Abrundungen an Werkstücken feilen und schleifen. „Oberflächen so bearbeiten, dass sie schön glatt sind. Die Teile, die später im Auto verbaut werden, dürfen keine Kratzer haben.“ Ein großes Plus an diesem Beruf aus der Sicht des 25-Jährigen: „Es macht Spaß, Dinge herzustellen und zu sehen, was man getan hat.“

Nischen bieten Chancen

Die Ausbildungsstellen des Verfahrensmechanikers und des Fahrzeuginnenausstatters sind immer etwas schwerer zu besetzen, weil sie für viele junge Leute unbekannt sind, erzählt Barbara Bastian, Ausbildungsbeauftragte für den gewerblichen Bereich bei Brabus.

Gerade aber auch einen Blick für diese unbekannteren Berufe zu haben, dafür wirbt Michael Kinzler als Sprecher der Arbeitsagentur bei den Bewerbern: „Wenn jemand Kfz-Mechatroniker werden möchte, sollte er nicht strikt nur diesen einen Beruf im Auge haben, sondern auch nach links und rechts in die Nischen gucken.“ Denn dadurch könnten sich neue Chancen ergeben.

Nicht allein die Noten zählen

Barbara Bastian macht Interessierten Mut: „Wir achten im gewerblichen Bereich nicht in erster Linie auf den Notendurchschnitt. Beim Probearbeiten wird geschaut, ob handwerkliches Geschick da ist und der Bewerber ein Interesse für die Tätigkeit entwickelt.“ Grundsätzlich ziele man bei Brabus darauf ab, die Azubis auch im Betrieb zu behalten, sagt Personalreferentin Claudia Macherski. „Eine Übernahme ist in der Regel geboten – wenn es von beiden Seiten passt.“ Damit sichert sich das Unternehmen seine Fachkräfte von morgen.

Über die hier vorgestellten Berufe hinaus, für die die Fachoberschulreife und technisches Verständnis vorausgesetzt werden, bildet Brabus in folgenden Bereichen aus: Kfz-Mechatroniker, Zerspanungsmechaniker, Fachkraft für Lagerlogistik, Kauleute im Großhandel.

Nina Stratmann

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2016-03-11 09:00
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