Bottroper Arrestanstalt gibt Jugendlichen einen Schubs

Präsentieren die ersten Bänke: (v.l.) der Vollzugsbedienstete Roman Kiendl, Sozialarbeiter Michael Hagen, Vollzugsleiter und Jugendrichter Eckhard Meierjohann sowie Helmut Lüchtefeld und Norbert Thelen von der Bottroper Friedhofsabteilung.
Präsentieren die ersten Bänke: (v.l.) der Vollzugsbedienstete Roman Kiendl, Sozialarbeiter Michael Hagen, Vollzugsleiter und Jugendrichter Eckhard Meierjohann sowie Helmut Lüchtefeld und Norbert Thelen von der Bottroper Friedhofsabteilung.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Der letzte Warnschuss vor der Strafe fällt in Bottrop. Die Insassen können können sich jetzt auch bei Arbeitsprojekt mit der Stadt nützlich machen.

Bottrop..  Tue Gutes und rede darüber – so ganz oft wird das den Jugendlichen, die einen Arrest in der Jugendarrestanstalt in Bottrop absitzen müssen noch nicht passiert sein. Das ändert sich jetzt. Seit einigen Monaten kooperiert die Arrestanstalt nämlich mit dem Grünflächenamt der Stadt Bottrop, genauer mit der Abteilung Friedhöfe. Die liefert ihnen alte und marode Holzbänke, die die Jugendlichen in der Werkstatt der Anstalt wieder in Schuss bringen. Fünf Bänke sind in den letzten Wochen renoviert worden und sollen nun mit kleinen Metallschildern versehen werden, auf denen steht, wer sie – unentgeltlich – in Ordnung gebracht hat.

Eine klassische „Win-Win-Situation“ finden die Beteiligten. „Unser Schreiner ist Ende 2014 in Ruhestand gegangen, einen Nachfolger gibt es nicht“, schildert Helmut Lüchtefeld die Situation bei der Stadt. Es gibt dort eigentlich niemanden mehr, der sich um die ollen Holzbänke kümmern könnte, sagt auch sein Kollege Norbert Thelen. In der Arrestanstalt wiederum haben die jugendlichen Insassen viel Zeit und wenig zu tun – warum also nicht was Sinnvolles tun?

Und so hat die Stadt fünf alte Holzbänke hergeschafft, die die Jugendliche im Laufe der letzten Wochen so aufgemöbelt haben, dass sie wie neu aussehen. „Das war mehr Arbeit als wir dachten“, stöhnt Sozialarbeiter Michael Hagen, der mit den Jugendlichen viele Stunden in der Werkstatt Zugange war: abschleifen, Schrauben lösen, neue Löcher für neue Schrauben bohren, streichen, noch mal abschleifen, noch mal streichen. Ein staubiges Geschäft.

Fünf Bänke sind schon fertig

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Jetzt gehen die Bänke zurück unter die alten Bäume auf dem Westfriehof. Gerade die älteren Friedhofsbesucher werden sich darüber freuen. Die können sich nämlich nicht so recht anfreunden mit den Metallbänken, die die Stadt heute meistens wegen ihrer längeren Lebensdauer aufstellt, erzählt Lüchtefeld.

Die Idee zur Zusammenarbeit mit dem Friedhofsamt hat der Vollzugsbedienstete Roman Kiendl aus der Jugendstrafvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf mitgebracht, wo der Bottroper bis vor kurzem gearbeitet hat. Beim Vollzugsleiter und Jugendrichter Eckhard Meierjohann stieß seine Idee auf offene Ohren. Bis zu 36 Plätze gibt es in Bottrop für Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren. Sie bleiben maximal vier Wochen hier. „Der Arrest ist keine Strafe, sondern eine Vorstufe, ein sogenanntes Zuchtmittel“, erklärt der Richter. Der letzte Warnschuss sozusagen für Jugendliche, die schon so einiges auf dem Kerbholz haben, wie Körperverletzung und Diebstahl oder als Beugearrest wegen des Verstoßes gegen Auflagen, beispielsweise Sozialstunden.

Vor zwei Jahren wurde in NRW der pädagogische Auftrag des Arrestes ins Gesetz geschrieben. Und so verstehen sich Kiendl und seine Kollegen auch nicht als „Schließer“ oder „Wärter“, sondern sehen ihre pädagogische Verpflichtung.

Die Jugendlichen kommen fast ausnahmslos aus schwierigen Lebensverhältnissen und haben nur selten einen Schulabschluss, geschweige denn eine Ausbildung. „Sie haben keine Perspektive“, klagt Roman Kiendl. „Wir wollen ihnen hier einen Schubser geben, damit sie wieder auf den richtigen Weg kommen.“