Bottroper Ärzte erklären: Netz stabilisiert den Leistenbruch

Chefarzt Dr. Michael Jakob gab beim WAZ-Medizinforum im Bottroper Marienhospital ausführlich – und anschaulich – Auskunft über Leisten- und Narbenbrüche.
Chefarzt Dr. Michael Jakob gab beim WAZ-Medizinforum im Bottroper Marienhospital ausführlich – und anschaulich – Auskunft über Leisten- und Narbenbrüche.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das WAZ-Medizinforum im Bottroper Marienhospital zu den aktuellen Behandlungsmöglichkeiten bei Leisten- und Bauchwandbrüchen stieß auf reges Interesse.

Bottrop..  Was tun bei Leisten- und Bauchwandbrüchen? – Dieser Frage widmete sich das WAZ-Medizinforum im Marienhospital. Dr. Michael Jakob, Chefarzt der dortigen Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie/Proktologie, und Oberarzt Dr. Gerhard Noll klärten in der von WAZ-Redakteurin Nina Stratmann moderierten Veranstaltung über aktuelle Behandlungsmöglichkeiten auf und standen den Gästen Rede und Antwort. Eine Botschaft des Abends: Bei ersten Anzeichen sollte eine schnelle Untersuchung erfolgen.

Ursache für diese Brüche, in der Fachsprache Hernien genannt, sind Schwächen im Bindegewebe. Entweder bestehen diese von Geburt an, bilden sich mit zunehmendem Alter oder entstehen, wie im Fall einer Narbenhernie, etwa durch Fehler beim Verschluss nach einer Bauch-OP. Auch Infektionen, eine Cortisontherapie oder Diabetes können eine Rolle spielen. Durch körperliche Anstrengung, manchmal reicht schon ein Husten, geben die Stellen dann nach.

Insgesamt ist eine Hernie meist kein Weltuntergang, ein entschlossenes Handeln ist aber trotzdem angeraten: Im schlimmsten Fall kann der Darm eingeklemmt werden - was bis zum Tode führen kann. „Insgesamt ist das statistische Risiko für ein Einklemmen aber recht gering“, beruhigte Oberarzt Dr. Gerhard Noll. Eine OP ist deshalb häufig zunächst mal ein Wahleingriff: „In der Regel muss nicht sofort operiert werden. Tritt ein Bruch etwa im Januar auf, sollte eine Operation an einem passenden Termin im Laufe desselben Jahres erfolgen.“ Doch, so Dr. Jakob, ob dem wirklich so ist, muss immer individuell geklärt werden.

Ist der passende Zeitpunkt für den Eingriff gefunden, stehen mehrere Behandlungsmethoden zur Verfügung: an der Leiste etwa zum einen die konventionelle Shouldice-Methode, die sich sowohl für jüngere Patienten als auch für Personen anbietet, die das Einsetzen von Fremdmaterial ablehnen. Zum anderen eine OP nach Lichtenstein, bei der ein Kunststoffnetz eingesetzt wird. Beide Verfahren arbeiten mit einem klassischen Schnitt und können unter örtlicher Betäubung stattfinden.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt im Marienhospital bei Leistenbrüchen auf der minimalinvasiven TEP-Methode (Totale Extraperitoneale Patch-Plastik): Hier wird, ohne eine Öffnung der Bauchhöhle, über zwei bis drei kleine Löcher ein Netz zwischen Bauchdecke und Bauchfell gebracht – ohne Nähte oder Metallhalter wird das Netz später vom Körper selbst getragen. Der Eingriff setzt eine Vollnarkose voraus, bietet dafür aber eine schnellere Wiederbelastbarkeit und hat ein geringeres Risiko für ein Wiederkehren des Bruchs.

Allerdings war nicht allen Gästen die notwendige Art der Betäubung geheuer: In den insgesamt sehr lebhaften Fragerunden drehten sich Nachfragen auch um etwaige Komplikationen im Zuge der Narkose. Diese Angst konnten die Ärzte aber schnell nehmen.