Bottrop wird Vorbild für andere Städte

Vollendungsgefühle:Stefan Beckmann und Ina Olejniczak vom Fachbereich Umwelt und Grün vor der Karte mit den neun neuen Naturschutzgebiete, im Plan rot markiert.
Vollendungsgefühle:Stefan Beckmann und Ina Olejniczak vom Fachbereich Umwelt und Grün vor der Karte mit den neun neuen Naturschutzgebiete, im Plan rot markiert.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
15,6 Prozent des Stadtgebietes sind als Verbundfläche für Biotope ausgewiesen. Damit beweist die Stadt: So viel Grün geht auch im Ruhrgebiet

Fast zehn Jahre nach Auftragserteilung hat die Verwaltung geliefert: Der neue Landschaftsplan ist rechtskräftig und weist 15,6 Prozent der städtischen Flächen als Naturschutzgebiet oder besonders geschützte Gebiete aus. Damit tritt Bottrop den Beweis an: Auch im Ruhrgebiet lassen sich, wie vom Land vorgegeben, mehr als 15 Prozent der Fläche einer Stadt unter Naturschutz stellen. „Das hat im Ruhrgebiet keine andere Stadt geschafft“, sagt Stefan Beckmann, Leiter des Umweltamtes. Der Landschaftsplan sei eine „wirksame Bremse gegen Flächenfraß“. Der Münsterländer Naturpark Hohe Mark fängt jetzt gleich hinter dem Stadtgarten an.

Interessensausgleich

Fast zehn Jahre Verfahrensdauer - das klingt erst mal nicht wie eine Erfolgsgeschichte. Und doch ist es eine, versichern Beckmann und Ina Olejniczak von der Unteren Landschaftsbehörde. „Wir haben im Vorfeld des Verfahrens den Interessensausgleich zwischen allen Beteiligten hinbekommen“, sagt Beckmann. Und zwar in ungezählten Einzelgesprächen und Sitzungen vor und während der gesetzlich geforderten zwei Beteiligungsrunden. Dafür gab es sogar Anerkennung von der Landwirtschaftskammer, die ein Lob ausspricht für die „faire Einbindung aller Beteiligten“. Viele Landwirte haben auf Nutzungsrechte an ihrem Grund und Boden verzichtet, indem sie die Ausweisung als Schutzgebiet akzeptiert haben. Im Gegenzug erleichtert die Stadt ihnen die Genehmigungsverfahren zum Beispiel für Betriebserweiterungen.

Aber auch andere Grund- oder Rechtebesitzer haben durch Verzicht den Naturschutz gefördert. So hat der Sand-Tagebaubetrieb Euroquarz auf Abgrabungsrechte etwa am Zieroth oder am Rehrbach verzichtet. Der Regionalverband Ruhr gibt die Holzgewinnung am Schwarz- und Elsbach auf und hat zugestimmt, dass Waldflächen in Schutzgebieten naturnah umgebaut werden. Die Stadt selbst schließlich steuert mit dem Vöingholz ein weiteres neues Naturschutzgebiet bei.

Es gibt 17 Landschaftsschutzgebiete

Im Summe verfügt Bottrop jetzt über 13 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von umgerechnet rund 3000 Fußballfeldern. Vier dieser Gebiete sind gleichzeitig FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat) von europaweiter Bedeutung. Daneben gibt es 17 Landschaftsschutzgebiete, die ausdrücklich auch der Naherholung der Bürger dienen und mehr als ein Drittel der Fläche des Stadtgebietes ausmachen. Dazu zählen große Flächen der Kirchheller Heide außerhalb der Siedlungsgebiete und der landwirtschaftlichen Kernzone. Auch die wachsende Halde Schöttelheide ist ein Landschaftsschutzgebiet, oobwohl die RAG dort noch Jahre weiteres Bergematerial anschütten wird. Die Halde wird schon im laufenden Betrieb begrünt. Wenn das Unternehmen die Anschüttung aufgibt, soll dort bald ein Wald wachsen.