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Bis 22 Uhr zur Notfallpraxis

01.03.2011 | 17:18 Uhr
Bis 22 Uhr zur Notfallpraxis

Bottrop. Wenn die Arztpraxen geschlossen sind, werden bis 22 Uhr an jedem Abend medizinische Notfälle von einem Arzt in der Notfallpraxis am Marienhospital versorgt.

Dieses Angebot drohe in der Diskussion über die neue Regelung nächtlicher Hausbesuche in Vergessenheit zu geraten, stellt der Bottroper Ärzteverein fest.

Diese Notfallpraxis ist ständig besetzt mit einem Arzt und unter anderem mit EKG, Ultraschall und Defibrillator ausgestattet. Sie biete damit bessere Möglichkeiten für die Diagnostik und die Versorgung des Patienten als die mitgebrachte Tasche eines Mediziners beim Hausbesuch, und die Wartezeiten seien denen in einer Arztpraxis ähnlich. Wer Rat benötige, sich unsicher fühle in der Einschätzung von Symptomen, kann sich auch telefonisch melden (23654), versichert Praxis-Koordinatorin Claudia Kowallik.

Während der Betrieb in der Notfallpraxis reibungslos funktioniere, seien die Startschwierigkeiten bei der Organisation von Hausbesuche nicht behoben, stellt Ärztevereins-Vorsitzender Dr. Gregor Postberg fest. Dieser Notdienst wird über ein Call-Center in Duisburg ( 0180 / 5044100) angefordert, was bisher mit Wartezeiten verbunden ist. Dies wollten die Bottroper Ärzte alten und pflegebedürftigen Patienten nicht mehr zumuten: Altenheime und Pflegedienste können sich in der Notfallpraxis melden und werden mit dem Arzt verbunden, statt einen Hausbesuch anzufordern.

Einen Monat nach der Neuregelung liegen Zahlen für die Hausbesuche vor: Am vergangenen Samstag wurden die zwei diensthabenden Mediziner binnen zwölf Stunden zu 36 Hausbesuchen in Bottrop, Gladbeck, Kirchhellen und Gelsenkirchen gerufen. Zwischen ihren Einsätzen steht ihnen als Aufenthaltsort ein Raum neben der Notfallpraxis zur Verfügung, sie können aber auch nach Hause zurückkehren. 18 Hausbesuche pro Arzt in zwölf Stunden: Ein strammes Programm, stellt Dr. Postberg auch in Hinblick auf die Fahrstrecken fest, und Notdienst-Beauftragter Dr. Wilhelm Tinnefeld stellt sich die Frage, ob jeder Hausbesuch nötig gewesen sei. Unabhängig davon ist Dr. Tinnefeld überzeugt, dass Kritik sowie Forderungen nach mehr Telefonleitungen und Personal gehört worden sind. „Von der Grundidee her ist das System zukunftsträchtig.“

Wer nicht warten will, bis der Arzt zum Hausbesuch kommt, kann entweder mit dem Notruf 112 Krankenwagen und Arzt rufen - oder selbst zur Ambulanz ins Marienhospital gehen. Dieser kurze Weg zur ärztlichen Versorgung wird nun öfter benutzt: Nach Einschätzung der Krankenhaus-Ambulanz werden dort pro Nacht zwei Patienten mehr versorgt, die bis Ende Januar in der Notfallpraxis verarztet worden wären.

Marie-Luise Schmand

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