Bildhauer will altes Emscherbett zu Kunst machen

Die Emscher an der Bücke Lichtenhorst in Richtung Oberhausen.
Die Emscher an der Bücke Lichtenhorst in Richtung Oberhausen.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Der Künstler Jan Bormann will mit einer Art Denkmal die Erinnerung an den schwarzen Fluss wachhalten und ein attraktives Ausflugsziel schaffen.

Bottrop..  Das alte Bett der Emscher soll ein Kunstwerk oder Denkmal werden. Der Bildhauer Jan Bormann will so die Erinnerung an den schwarzen Fluss wachhalten, gerade weil bald kein schmutziges Abwasser mehr darin fließen wird. Und so stellt sich der Künstler die Installation vor: Ein schnurgerade gemauertes Stück des alten Flussbettes würde ähnlich wie ein Seitenarm direkt neben dem naturnahen Flusslauf der Emscher in einer Aue liegen, und zwischen diesen beiden Flussarmen läge dann eine kleine Insel.

„Am besten wäre es, wenn auch eine Brücke in der Nähe ist, von der man die Landschaft auch gut überblicken kann“, meint Bormann. Die Stadt kommt für den Künstler als Denkmalort in die engere Wahl. „Wenn man sieht, welch ein Volumen die Emscher in Bottrop hat und wie sehr sie die Stadt prägt, wäre das doch gut möglich“, meint Bormann.

Eine Installation

Am besten sei es jedoch, der Emschergenossenschaft die Auswahl einer geeigneten Stelle zu überlassen. Bei dem Essener Wasserwirtschaftsverband stößt der Bildhauer mit seiner Idee keineswegs auf taube Ohren. „Unsympathisch ist uns das nicht“, sagt Sprecher Ilias Abawi jedenfalls. „Wir werden uns natürlich mit dieser Idee befassen und uns das Projekt einmal ganz genau ansehen“, sagte er.

Absoluten Vorrang besitzen allerdings die ökologischen Ziele beim Umbau des Emschersystems. „Vorrang hat immer, das Gewässer wieder in einem guten Zustand zu versetzen“, sagte Abawi. „Der Aspekt des Denkmalschutzes spielt auch für uns eine große Rolle“, versicherte er. Ausschlaggebend seien dabei am Ende jedoch auch wirtschaftliche Aspekte. „Das darf keine Kosten verursachen“, sagte der Sprecher.

Emscherkunst fördere die Emschergenossenschaft aber durchaus. „Wir schließen da nichts aus, auch so ein Kunstwerk nicht. Wir bewegen uns hier ja in Richtung einer Installation, und es hätte natürlich seinen Reiz, die Schwatte einmal so zu zeigen, wie sie war“, sagte Abawi.

Das sieht Bildhauer Bormann erst recht so. „In ein paar Jahren werden die jungen Leute nicht mehr wissen, wie es hier früher ausgesehen hat“, meint der Künstler. „Wenn wir das alles beseitigen, verlieren wir ein Stück unserer Identität“, argumentiert der Bildhauer. Schließlich haben die Denkmalschutzbehörden dem ja auch schon Rechnung getragen, als sie im Bernepark das Bett der kleinen Berne auf ihren letzten Metern vor ihrer Mündung in die Emscher mitsamt ihren Betonsohlen zu einem Denkmal erklärten.

Sonnenuhr und Spurwerkturm

Was aber ist die kleine Berne schon im Vergleich zur Emscher? Den Bildhauer Jan Bormann treibt seine Idee daher schon eine ganze Weile um. Auch Skizzen seines Kunstwerk sind längst veröffentlicht. „Das alte Emscherbett ließe sich doch gut zu einem attraktiven Ausflugsziel machen“, meint der Künstler aus Castrop-Rauxel, und damit kennt sich der 75-Jährige recht gut aus.

So schuf Bormann zwei der Landmarken im Emscher-Landschaftspark: in Castrop-Rauxel die Sonnenuhr auf der Halde Schwerin und den Spurwerkturm an der historischen Zeche Waltrop. Auch die Flüsterbrücke am Phoenix-See in Dortmund ist eine Idee von ihm.

Mit Sohlschalen, durch die Emscher-Zuläufe wie hier in Bottrop die Berne fließen, kann er sowieso einiges anfangen. Der Bildhauer ließ sich einige ausrangierte Betonschalen ins Atelier bringen und fertigte daraus kurzerhand Sitzbänke. Dass die später einmal sauberes Wasser führende Berne kurz vor der Mündung in die Emscher in ihrem Bett aus Betonsohlen bleiben soll, hält Bormann für fragwürdig. „Die Betonschalen werden bemoosen und verschlammen. So bleibt die alte Gefährlichkeit erhalten“, meint er. Beim alten Emscherbett könnte das nicht passieren. Es soll ja trocken bleiben.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE