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Bibliothek landet auf hinterem Platz

25.10.2009 | 17:05 Uhr
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Bottrop. Unter 27 öffentlichen Büchereien in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern, die sich im letzten Jahr dem Vergleich des Deutschen Bibliotheksverbands gestellt haben, belegt die Lebendige Bibliothek im Kulturzentrum mit Rang 24 einen der hinteren Plätze.

Bewertet wurden u. a. Medienausstattung, Mitarbeiterzahl, Computerausrüstung für Benutzer, Öffnungszeiten und die Wirtschaftlichkeit der Arbeitsweise. „Wir sind ziemlich weit unten”, stellt Kulturamtsleiter Dieter Wollek fest, „und das hat Gründe.”

Sie liegen in der knapp bemessenen finanziellen und personellen Ausstattung.

Die Gemeindeprüfungsanstalt hat 2007/08 den Zuschussbedarf der Stadtbüchereien in NRW verglichen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Stadt Bottrop der Lebendigen Bibliothek pro Einwohner einen Zuschuss von 6,99 Euro zahlt. Diese Summe ist bescheiden, denn als durchnittlicher Zuschuss gilt ein Beitrag von 8,76 Euro. Andere Städte zahlen noch weniger - das Mininimum liegt bei 5,58 Euro pro Einwohner.

Eine Bottroper Besonderheit stach den Gemeindeprüfern ins Auge, nämlich die hohe Zahl von Standorten. Die Lebendige Bibliothek unterhält neben der Hauptstelle drei Filialen in den Stadtteilen. Dieses Angebot werde mit der im Städtevergleich zweitniedrigsten Personalquote erreicht, so der Bericht. Das erkläre vieles, meint der Kulturamtsleiter: Bei vier Standorten sei die Personaldecke so dünn, „dass wir viele Dinge, die andere sich leisten können, nicht mehr stemmen können.” Aber die Prüfer bescheinigen der Stadtbücherei eine sehr gute Relation von personellem Ressourceneinsatz zum Umfang des Serviceangebots für die Bürger. Anders ausgedrückt: „Wir sind es gewohnt, mit einem Minimum zu wirtschaften, um das Optimale herauszuholen”, erklärt Wollek.

Ehrenamtliche Helfer können Personalnot überbrücken, und Büchereileiter Jörg Dieckmann ist froh, dass er Lesepaten einsetzen kann. Aber das Ehrenamt stößt an Grenzen, wenn Fachkompetenzen gefordert sind, betont Wollek. „Kein Mensch käme auf die Idee, dass Ehrenamtler eine Brücke konstruieren könnten.” Im geisteswissenschaftlichen Bereich hingegen, kritisiert er, sei Fachkomptenz in den Augen vieler durch ehrenamtlichen Einsatz ersetzbar.

Nicht alle ungünstigen Kennzahlen lassen sich mit der personellen Ausstattung in Verbindung bringen. Das gilt auch für die Zahl der angebotenen Medien, die in manchen anderen Büchereien doppelt so groß ist. Aber viel mehr zu bieten, erklärt Büchereileiter Jörg Dieckmann, sei wegen des begrenzten Raumangebots nicht möglich. Stattdessen werde der Bestand rasch aktualisiert. Auch die Entleih-Zahlen sind in anderen Städten höher. Aber Bottrop versorge kein großes Einzugsgebiet wie manche andere Kommune, und die Ausleihe sei nicht gleichzusetzen mit der Nutzerfrequenz, sagt Dieckmann.

Bei den Veranstaltungszahlen erreicht die Lebendige Bibliothek einen passablen Platz im Mittelfeld. Breiten Raum nimmt dabei das vergrößerte Angebot für Kinder ein. „Was die Arbeit im Elementarbereich angeht, muss sich Bottrop nicht verstecken”, erklärt Wollek, und er meint damit nicht nur die Bücherei. Auch das hatte seinen Preis: „Was wir im Bereich Kinder- und Jugendarbeit aufgebaut haben, wurde zu Lasten von Theater und Konzert finanziert.”

Marie-Luise Schmand

Kommentare
26.10.2009
22:30
Bibliothek landet auf hinterem Platz
von apolla | #5

@4
Seltsame Argumentation: Einmal wird kritisiert, dass groß und klein in einen Topf geworfen werden, andererseits wird auch eine vergleichende Pro-Einwohner-Betrachtung als falsch angesehen. Was denn nun?
Klappt also doch nicht, den niedrigen Stellenwert, den die Bibliothek (und allgemein die Kultur) in Bottrop hat, schön zu reden.

26.10.2009
18:25
Bibliothek landet auf hinterem Platz
von Denis Übbing | #4

Was ich an diesem Bericht sehr schade finde, ist das wichtige Informationen zu der Bewertung NICHT gedruckt wurden.
Der Vergleich der Bibliotheken ist freiwillig. zb. haben die Bibliotheken aus Oberhausen, Duisburg und Essen nicht daran teil genommen.
Dazu kommt noch das es ab 100.000 Einwohner keine weiter Gruppierung mehr gab. dh. Bottrop wurde da mit seinen etwas über 100.000 Einwohner mit weitas größeren Städten mit weitaus mehr Geld verglichen. (zb. mit dem Kreis Recklinghausen. Der zwar mehr Geld hat, aber trotzdem schlechter abschnitt...)
Außerdem kommt noch hinzu, daß in der Bewertung Ausleihen pro Einwohner berechnet wurden. Aber viele ländliche Städte (zb. im Süden Deutschlands) haben ein viel größeres Einzugsgebiet, mit viel mehr möglichen Lesern als wir hier im Ruhrgebiet, in der ja jede Stadt ihre eigenen Bibliothek hat.

26.10.2009
10:51
Bibliothek landet auf hinterem Platz
von staatsbuerger | #3

Gestern eine ruinöse Innenstadtsanierung,
heute eine der schlechtesten Bibliotheken in NRW,
was kommt Morgen?

Will man Bottrop mit aller Gewalt und auf dem schnellsten Wege zu einer holländischen Urlauberortschaft umgestalten? Die Grundlagen wurden ja schon mit einer Menge Freizeitangeboten gelegt, die sich aber nur eine kleine Gruppe in der Bottroper Bevölkerung leisten können.

Wofür werden dann mehrere zweistellige Millionen in einen Flughafenausbau und eine Parkautobahn gesteckt?

Um die gewünschte Idylle zu schaffen, sollte im Ehrenpark ein Wellenbad gebaut werden, um dass dann Sanddünen angeschüttet werden.

Das Einspar- und Streichkonzert das vom Stadtrat und der Verwaltung der Stadt Bottrop gespielt wird, geht immer nur zu Lasten der kinderfreundlichen Familien und der Menschen, die am Existenzminimum leben.

25.10.2009
19:04
Bibliothek landet auf hinterem Platz
von die_nuss | #2

Ich kann die schlechte Platzierung nur sehr begrenzt nachvollziehen.
Die Bücherei hat ein sehr gutes Sortiment an Büchern, CDs und DVDs. Besonders die Aktualität bei CDs und DVDs ist sehr gut.
Kritisch sehe ich hingegen vorallem die schlechten Öffnungszeiten.

25.10.2009
18:12
Bibliothek landet auf hinterem Platz
von nussknacker | #1

War etwas anders zu erwarten? Nein, immer nur sparen, aber hauptsache Bottrop hat einen Flughafen!

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2009-10-25 17:05
Bottrop