Besuche gegen die Einsamkeit

Schwester Beate Harst (li.) und Schwester Gertrud Diederichs sprechen mit Ehrenamtlichen, die anonym bleiben möchten, über den Besuchsdienst.
Schwester Beate Harst (li.) und Schwester Gertrud Diederichs sprechen mit Ehrenamtlichen, die anonym bleiben möchten, über den Besuchsdienst.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Ehrenamtliche der Pfarrei St. Cyriakus gehen zu den Menschen, die wegen einer Krankheit oder des hohen Alters kaum noch ihr Zuhause verlassen können.

In der Pfarrei St.Cyriakus gibt es einen Besuchsdienst, der gegen eine wohl weit verbreitete, aber oft verschwiegene Krankheit der Modernen hilft: die Einsamkeit. Gemeindemitglieder besuchen ehrenamtlich Menschen, die wegen einer Krankheit oder wegen des hohen Alters kaum noch die Wohnung oder das Zimmer in einer Einrichtung verlassen können und die niemanden mehr haben, der regelmäßig nach ihnen sieht. Diese ehrenamtlichen Besucher sind wie eine Brücke nach draußen, in ein anderes Leben; manchmal sind sie wie ein Freund und manchmal wie ein Anker, der ihnen Halt gibt, den sie sonst verlören.

Elisabeth K. – die ebenso wie die anderen ehrenamtlichen Besucher anonym bleiben möchte – wollte damals eigentlich nur einen Besuch machen bei einer älteren Bottroperin. Aus dem Besuch wurde ein langer gemeinsamer Weg, den die beiden Frauen zurück legten. „Es war für die Dame äußerst wichtig zu wissen, dass ich regelmäßig einmal in der Woche zu ihr kam“, erinnert sich Elisabeth K.. Und für die Angehörigen auch, sie hätten weit entfernt gewohnt. „Für sie war es eine große Beruhigung, dass ich da war.“

Schwester Gertrud Diederichs und Schwester Beate Harst von den Missionsärztlichen Schwestern, die diesen Dienst mit Pfarrer Karl-Heinz Heyer mit organisieren, wissen, dass die Besuche nicht nur kranken und älteren Menschen guttun, sondern auch pflegenden Angehörigen. „Sie sagen uns sehr häufig, dass es eine große Entlastung für sie ist. Dann können sie einmal in der Woche ungestört telefonieren, zum Arzt gehen oder einfach mal kurz ausspannen.“

Die Ehrenamtlichen begleiten beim Spazierengehen, vielleicht auch beim Stadtbummel, der allein nicht mehr bewältigt werden könnte, aber meist, sagen sie, hörten sie einfach nur zu. „Das Zuhören ist das Allerwichtigste“, sagt Gerlinde G., „auch wenn es manchmal immer dasselbe ist.“ Denn wer sein Haus nicht mehr verlassen könne, erlebe ja nicht mehr so viel Neues.

„Es ist wichtig, dass die Menschen in ihrer jetzigen Gebrechlichkeit auch davon erzählen können, wer sie früher waren, was sie in ihrem Leben gemacht und geleistet haben“, verdeutlicht Schwester Gertrud Diederichs. Zuhören, erklärt Schwester Beate Harst, sei nicht nur Aufmerksamkeit, es sei eine Wertschätzung der Person.

Geschenkte Zeit, Aufmerksamkeit, Wertschätzung – das alles entwickelt sich jedoch nicht nur in eine Richtung. Elisabeth K., Gerlinde G., Karl-Heinz K., die allesamt regelmäßig einmal in der Woche einen Menschen in dessen Zuhause besuchen, empfinden die Begegnungen selbst auch als ein Geschenk. „Ich gehe jedes Mal mit Freude hin“, gesteht Elisabeth K.. Es tue ihr gut, sich für eine festgelegte Zeitspanne ganz auf einen anderen Menschen einzustellen, sich nur dieser einen Person zuzuwenden. „Und dann gehe ich jedes Mal bereichert wieder raus.“