Berufswahl sollte früh beginnen

Den Suchradius zu erweitern, empfehlen Berufsberater. Katrin hat das getan. Sie wird Anlagenmechanikerin. Im letzten Jahr war sie das einzige Mädchen beim Wetrtbewerb „Jugend schweißt“ in Gelsenkirchen.
Den Suchradius zu erweitern, empfehlen Berufsberater. Katrin hat das getan. Sie wird Anlagenmechanikerin. Im letzten Jahr war sie das einzige Mädchen beim Wetrtbewerb „Jugend schweißt“ in Gelsenkirchen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Beraterin der Agentur für Arbeit empfiehlt schon 13- bis 14-Jährigen den Kontakt. Es gibt rund 400 Ausbildungen, viele kennen nur einen Bruchteil

Bottrop..  Was soll ich nur werden? Welcher Beruf ist der richtige für mich? Bin ich den Anforderungen gewachsen? Oder soll ich doch weiter zur Schule gehen? Solche und ähnlich Fragen treiben Jugendliche ab der achten Klasse um. Mitten in der Pubertät haben die 13- und 14-Jährigen dabei noch viele andere Dinge im Kopf und würden das Problem der Berufsfindung eigentlich noch gerne aufschieben.

„Aber man sollte sich frühzeitig mit dem Thema Ausbildung auseinanderzusetzen“, stellt Berufsberaterin Jeannine Bakenecker fest. Gemeinsam mit vier weiteren Kollegen ist sie für die Berufs- und Abiberatung in der Agentur für Arbeit in Bottrop zuständig. „Es gibt rund 400 verschiedene Ausbildungen. Aber den Jugendlichen ist nur ein Bruchteil davon bekannt.“ Um den geeigneten Beruf zu finden, bedürfe es intensiver Auseinandersetzung mit den eigenen Neigungen und Interessen sowie mit dem Angebot.

Beginn schon in der 8. Klasse

„Wir fangen daher schon in der achten Klasse an, gehen in die Schulen, stellen uns und die Angebote der Arbeitsagentur vor“, erklärt Bakenecker. Zudem besuchen werden Besuche das Berufsinformationszentrum und Berufswahltests angeboten. Ab der 9. Klasse bieten die Berufsberater Schulsprechstunden, Gespräche an Elternsprechtagen sowie Einzelberatungen an. „Es ist individuell verschieden, wer wie viel und welche Beratung braucht. Interessiert sind sie eigentlich alle. Manche Jugendlichen wissen ganz genau, was sie wollen, doch die meisten sind eher unentschlossen.“

Dann gelte es zunächst, Neigungen und Interessen festzustellen und einen Blick auf die Schulnoten zu werfen. „Wir haben immer eine realistische Berufswahl im Blick. Und zudem muss es neben einem Plan A immer einen Plan B oder auch C geben - also zumindest eine Alternative zum Traumberuf.“, so Jeannine Barkenecker. 2015 suchten in Bottrop 901 Bewerber einen Ausbildungsplatz, demgegenüber standen jedoch nur 505 Ausbildungsplätze. „Eine gewisse Flexibilität ist daher sinnvoll. Eventuell gibt es in einem ähnlichen Beruf eher einen Ausbildungsplatz oder die gewünschte Ausbildung ist in der Nachbarstadt möglich.“

Die beliebtesten Berufe im vergangenen Jahr waren Medizinische Fachangestellte, Kaufmann/frau im Büromanagement und Einzelhandel, Verkäufer, Kfz-Mechatroniker und Industriekaufmann/-frau. Es lohne sich aber auch der Blick auf unbekannte Berufe. So gebe es beispielsweise den Technischen Zeichner nicht mehr, dafür aber den des Technischen Produktdesigners und Technischen Systemplaners.

Berufsberaterin gibt Tipps

Das Thema Berufswahl sollten Jugendliche früh anpacken, rät Berufsberaterin Jeannine Barkenecker und dabei auch ihre Eltern mit einzubeziehen, denn sie kennen ihr Kind und seine Potenziale. „Unerlässlich ist auch, im anvisierten Beruf ein Praktikum zu machen.“ So lerne man, dass man als Tierpfleger nicht nur Tiere streicheln, sondern auch Ställe säubern müsse. „Wenn man dann im Praktikum feststellt, dass der Beruf doch nicht der richtige ist, so ist das besser als eine abgebrochene Ausbildung.“ Andererseits sollten sich Jugendliche im Praktikum engagiert und motiviert zeigen, denn, wenn die Chemie stimme, folge dann nicht selten der Ausbildungsvertrag.

Zur Bewerbung für einen Ausbildungsplatz gehören meist schon die Zeugnisse der 9. Klasse. Unbedingt sollten Jugendliche unentschuldigte Fehltage in der Schule vermeiden. „Das ist mitunter wichtiger, als gute Schulnoten, denn solche Fehltage interpretieren Arbeitgeber als mangelnde Motivation“, so die Berufsberaterin.