Beim Jugendarrest ist der Wohlfühlfaktor gleich Null
05.05.2009 | 08:34 Uhr 2009-05-05T08:34:00+0200Bottrop. Zwar ist die Sicherheitsstufe in der Jugendarrestanstalt Bottrop die niedrigste, harte Regeln gibt's für die Jungs trotzdem. Wer hier lebt, lebt eingeschränkt. Zwar nicht fern von der Realität, aber ohne jeglichen Luxus. Um 6 Uhr ist Wecken, von 17 bis 17.30 Arbeitsessen.
Es hat schon etwas von einem Knast – die Jugendarrestanstalt. Was haben die Jugendlichen wohl verbrochen, die hier sitzen – fragt man sich? Woher kommt ihre Gewaltbereitschaft? Es sind die vielen verriegelten und verrammelten Türen, die ein unbehagliches Gefühl auslösen. Eines ist klar: Wer hier lebt, lebt eingeschränkt. Zwar nicht fern von der Realität, aber ohne jeglichen Luxus.
Im Büro von Paul Bartmann, laufen die Fäden zusammen. Seit Oktober 2003 „lebt” der Leiter des Allgemeinen Vollzugsdienstes hier. Das Büro des 58-Jährigen ist die erste Anlaufstelle der Jugendlichen – in Bottrop nur Jungen – die in Arrest kommen. „Zwar gibt es in Jugendarrestanstalten die niedrigste Sicherheitsstufe, aber trotzdem haben wir hier feste Hausregeln”, erklärt Bartmann. Denn: In der Jugendarrestanstalt gibt es keinen Besuch von Freunden oder Familienangehörigen, persönliche Sachen werden den Jugendlichen sofort abgenommen. Um 6 Uhr ist Wecken, von 17 bis 17.30 Uhr Abendessen. Es gibt keinen Fernseher. Rauchen ist absolut untersagt. Geduscht wird – außer in Ausnahmefällen – nur mittwochs und samstags. „Schreibzeug wird auf Anforderung jederzeit gestellt.” – Er zückt seinen großen Schlüsselbund und öffnet die Tür in ein ja doch anderes Leben. Insassen sollen hier ein bisschen „schmoren”, nachdenken, warum sie hier sitzen.
In dem Komplex befindet sich auch eine Bücherei sowie ein Mehrzweckraum, in dem Gottesdienste, Coolness-Training oder auch Erste-Hilfe-Kurse stattfinden. Regelmäßig kommt auch ein Arzt. Seit Montag gibt es wieder eine Sozialarbeiterin, die vorrangig den erzieherischen Auftrag erfüllt. „Einmal am Tag dürfen die Jungs für eine Stunde draußen auf den Freizeithof.”
Mit einem typischen Jugendzimmer haben die 35 Einzelzellen nichts gemein. Statt mit Postern von der Lieblingsband, ist der Raum mit einem Bett, einem offenen Schrank, einem Waschbecken und zwei Wolldecken ausgestattet – im Gegensatz zum besonders gesicherten Haftraum sind diese aber noch wohnlich. Kalt und unbehaglich ist es wiederum dort. Wohlfühlfaktor gleich Null. „Wenn wirklich gar nichts mehr hilft, bringen wir den Jungen für ein paar Stunden in diesen Raum – das wirkt immer”, weiß Paul Bartmann aus Erfahrung.
Die meisten Arrestanten sind über 18 Jahre, wenige zwischen 14 und 16 Jahren. Vom getunten Moped bis zur gefährlichen Körperverletzung gehen viele Delikte auf das Konto der Jungen. „Man muss sich mal überlegen, wie viel sich ein junger Mensch schon geleistet haben muss, damit er in Arrest kommt”, gibt der Leiter zu bedenken.
Manche Fälle erschüttern den Leiter des Vollzugs auch noch vielen Jahren noch
Manche Fälle erschüttern Paul Bartmann auch nach langen Jahren Berufserfahrung noch. „Ich nehme nichts mit nach Hause, sonst wäre ich schon längst pensioniert. Aber ich habe viele Sachen in Erinnerung – gute und weniger gute.”
Rund ums Thema:
23:28
das ist mehr als nur kleinkariertes denken,von wegen alle straffällig gewordenen jugendlichen hatten ein hartz4zu hause,mein sohnsitzt derzeit in haft,er hatte immer ein zu hause wusste das er mit problemen u.sorgen zu uns kommen konnte,er sagt selbst er ist an die falschen leute geraten,also nicht alle über einen kamm scheren.
13:47
das was die eltern bei den jugendlichen versaut haben, muß der staat der steuerzahler wieder richten.
Da ist doch irgentwas falsch im system, oder? Vielleicht sollte man mal drüber nachdenken, und sowas wie einen elternführerschein einführen. Wenn man sich einen etwas größeren hund anschafft, muss man auch ein hundeführerschein machen, um zu sehen, das man mit dem tier klarkommt, warum nicht auch bei kindern?
Unsere gesellschaft geht ganz langsam zu grunde, und es sind diese jugendlichen die da im knast sitzen, die unsere zukunft sind ? na tolle zukunft, und warum das alles weil die eltern meistens von alg2 leben, in ihrem leben noch nie gearbeitet haben, wahrscheinlich noch trinken, und einfach kein bock auf garnichts haben. Was die kinder/jugendlichen ja ihr leben lang so vorgelebt bekommen, wie sollen die dann anders werden. Es gibt heutzutage jugendliche die den berufswunsch Hartz 4 haben!!!!!! Das muss man sich mal genau überlegen.....also bitte führt einen elternführerschein ein, oder irgentwas vergleichbares sonst ist diese gesellschaft verloren!!!!!!
11:35
Nachdenken ist gut, Tataufarbeitung ist besser.
Es geht nicht um Schmoren, es geht nicht um eine mehrtägige Sitzkur in einem spärlich eingerichteten Zimmer. Es geht darum, den Jugendlichen klar zu machen, warum sie in einer solchen Arrestanstalt sind. Die Jugendlichen müssen lernen, in Zukunft ihr Leben ohne Straftaten zu führen. Das können sie oft nicht allein, deshalb sind besondere Trainings- und Schulungsmaßnahmen durchzuführen. Abschließend muss dem Jugendlichen auch ene Perspektive gegeben werden. Kein Jugendlicher darf die Arrestanstalt wieder so verlassen, wie er hineingekommen ist. Konkret heißt dies, dass bereits hier Kotakte, besser feste Termine, zur Arbeits-, Ausbildungs- und Schulberatung festgelegt werden sollen.
An die Redaktion:
Im Titel steht: 17 bis 17.30 Arbeitsessen. Es gibt kein Arbeitsessen. Es gibt auch keine Arbeit in der Arrestanstalt.
Ferner wird hier die Bezeichnung JVA benutzt. Die Jugendarrestanstalt ist keine JVA. Arrest gehört noch in den Bereich der Erziehungsmittel, ist keine Strafe.