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Bei Dialyse kann er mitreden

27.07.2010 | 17:57 Uhr
Bei Dialyse kann er mitreden
Bereits seit 38 Jahren wäscht Richard Kelm sein Blut durch die Dialyse.Ehefrau Christine unterstützt ihn. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool

Bottrop.Gäbe es die Dialyse nicht, hätte Peter Kelm seinen 20. Geburtstag nicht überlebt. Den medizinischen Geräten, die Schadstoffe aus seinem Blut herausfiltern, verdankt er knapp vier Jahrzehnte seines Lebens.

Nur wenige Menschen führen wie er die Hämodialyse, bei der große Mengen seines Blutes außerhalb des Körpers „gewaschen“ werden, seit 38 Jahren zu Hause durch.

Dieses Jubiläum war auch seinen Ärzten einen Besuch bei ihrem Patienten wert, der den Fortschritt der Medizintechnik am eigenen Leib erlebt hat - das erste Heimdialysegerät des Bottropers war „so groß wie zwei Waschmaschinen“, erinnert sich Kelm. Heute ist das Gerät zwar kleiner, aber es beherrscht immer noch den Raum. Und sein Leben.

Drei- bis viermal pro Woche lässt sich der Bottroper an das Gerät anschließen, das die Aufgaben seiner nicht mehr funktionsfähigen Nieren übernimmt.Ehefrau Christina und Tochter Jenna sind mittlerweile routinierte Dialyse-Assistentinnen, bei denen jeder Handgriff sitzt, wenn sie mit der Nadel die Verbindung herstellen. „Es gibt keinen, der den Patienten so gut kennt, wie Ehefrau oder Tochter“, erklärt Professor Markus Hollenbeck, der mit Dr. André Voßküler das Nierenzentrum des Kuratoriums für Heimdialyse am Knappschafts-Krankenhaus leitet. Sechs Stunden liegt Peter Kelm auf dem Bett, Telefon und Fernsehgerät in Griffnähe. Er hat gelernt, sich die Zeit zu vertreiben.

Der Bottroper dialysiert in einem festen Rhythmus, und seine Ehefrau bleibt während dieser Zeit in seiner Nähe.Ein eingespieltes Team. Er könnte sich auch im Nierenzentrum dialysieren lassen, kommt aber in seinen eigenen vier Wänden nach seinem eigenen Zeitplan gut zurecht. Viele Patienten entscheiden sich anders, berichtet Voßkühler. Sie überlassen die Dialyse und damit die Verantwortung den Ärzten und Schwestern im nephrologischen Zentrum. Wenn der Mediziner das Verfahren schildert und erläutert, dass die Mitarbeit der Patienten nötig ist, entscheiden sich viele für den „vollen Service“ im Nierenzentrum, erklärt Voßkühler. Er bedauert das, denn die Heimdialyse bringt den Patienten nicht nur größere Unabhängigkeit. Sie verbessert auch sein Verständnis für die Krankheit und ihre Folgen - eine Voraussetzung, mit ihr zu leben.

Marie-Luise Schmand

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