Bei der Tafel bekommen alle etwas weniger

Dieses Bild bot sich im Dezember vor dem Haus der Bottroper Tafel, als hier die Weihnachtspäckchen verteilt wurden.
Dieses Bild bot sich im Dezember vor dem Haus der Bottroper Tafel, als hier die Weihnachtspäckchen verteilt wurden.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Für immer mehr Kunden gibt es immer weniger Lebensmittel. Die Zahlen sind seit dem Spätherbst stetig gestiegen.

Bottrop..  „Wir kommen an die Grenze unserer Kapazität“, stellt Dieter Kruse fest, der Vorsitzende der Bottroper Tafel. Die Zahl der Kunden sei seit dem Spätherbst stetig gestiegen und liege mittlerweise bei 2500 bis 3000 Kunden pro Woche. Denn auch alle Flüchtlinge, die aus den Sammelunterkünften mit Vollverpflegung in eigene Wohnungen ziehen, haben Anspruch auf Lebensmittel von der Tafel. Doch einer wachsenden Zahl bedürftiger Menschen steht auf der anderen Seite ein geringer werdendes Aufkommen an gespendeten Lebensmittel gegenüber.

Die Folge davon: „Alle kriegen etwas weniger“, erklärt Dieter Kruse. Denn anders als in anderen Städten praktiziert, will man in Bottrop keine neuen Kunden abweisen und auch kein anderes System einführen, in dem man etwa jeweils nach einem halben Jahr den Kundenstamm wechselt. „Wir haben ja gerade erst alles auf Computer umgestellt“, erklärt Kruse. Alle Kunden haben seitdem einen Ausweis mit Foto, der gescannt werden kann und Auskunft gibt über den Kunden. Die Arbeit wäre für Katz, wenn man das System jetzt wieder ändern würde.

Momentan haben sich die Warenkörbe der Tafel sowieso gelichtet, wie immer im Winter. Das Wintergemüse ist raus aus den Supermärkten und frisches Gemüse noch nicht wieder im Angebot. Also fällt am Ende auch weniger für die Tafel ab. Sowieso sortieren die Läden inzwischen weniger Lebensmittel aus, sondern verkaufen sie noch selber zum halben Preis. Außerdem disponieren die Supermärkte anders. Sie werden fast täglich beliefert und können den Nachschub viel besser kalkulieren.

Es sei nicht immer ganz einfach, den Kunden das Prinzip der Tafel verständlich zu machen, klagt Kruse. Zum Beispiel, dass die Waren nur ein gespendetes Zusatzangebot sind, aber nicht die komplette Versorgung decken sollen oder dass der Vordermann mehr bekommt, weil er mehr Personen zu versorgen hat. „Wie soll man das jemandem erklären, der kein Deutsch spricht?“ Dass Team um Kruse entwickelt dafür gerade mehrsprachige Flyer.