Baum in Bottrop symbolisiert die wachsende Freundschaft

Die Realschüler und ihre chinesischen Gäste mit den selbstgestalteten Blättern und ihren Fotos
Die Realschüler und ihre chinesischen Gäste mit den selbstgestalteten Blättern und ihren Fotos
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Gestern endete der erste Schüleraustausch der August-Everding-Realschule mit der Schule Dacheng in Peking. Im Oktober folgt der Gegenbesuch.

Bottrop..  Die Liste der Danksagungen war lang. Es gab viele Personen, die Maria Stolte-Enck, Leiterin der August-Everding-Realschule, am Donnerstagmittag berücksichtigen musste. Galt es doch bei der kleinen Feier in der Aula niemanden zu vergessen, der zum Gelingen des ersten Schüleraustausches zwischen ihrer Schule und der chinesischen Partnerschule beigetragen hat.

Als sichtbares Zeichen der neu entstandenen Freundschaft pflanzten Maria Stolte-Enck und ihre chinesischen Kolleginnen Rose Kang und Susan Chen im Garten der Schule einen kleinen Baum: „Ich hoffe, dass der Baum genauso wächst wie unsere Freundschaft.“

Am Freitag Morgen heißt es Abschied nehmen

Und Freundschaften sind gewachsen, wie zwischen den beiden Schülerinnen, die nur noch Hand in Hand gehen und den Tränen nahe sind, wenn sie nur an den Abschied am frühen Freitagmorgen denken. Denn pünktlich um 8.30 Uhr rollt der Bus auf den Schulhof und sammelt die chinesischen Schülerinnen und Schüler und ihre beiden Lehrerinnen ein. Und dann geht es weiter – nein nicht nach Rom, wie eines der chinesischen Mädchen fest glaubte, sondern nach Paris. Zwei Wochen dauert der Europa-Tripp der Gäste insgesamt.

Schon bevor sie am vergangenen Samstag am Düsseldorfer Flughafen ankamen, standen die chinesischen mit den deutschen Schülern in Email-Kontakt, um einander ein wenig kennenzulernen. Schließlich ist der Austausch nicht so ganz einfach über die verschiedenen Kulturkreise hinweg mit Englisch als gemeinsamer Sprache. Die Englischkenntnisse sind sehr unterschiedlich, von nur wenig beim jüngsten Gast, einem Zwölfjährigen, und dem mit 17 Jahren Ältesten, der sogar ein paar Brocken Deutsch gelernt hat.

So wie draußen ein echter Baum gepflanzt wurde, wurde in der Aula ein Baum als Wandobjekt aufgehängt. Seine Blätter sind Bilder, an denen die Schüler in dieser Woche gearbeitet haben. In der Aula wurden ebenfalls die Ergebnisse eines Projekttages der Realschüler ausgestellt, bei dem sie sich vor dem Besuch der Chinesen in den verschiedenen Jahrgangsstufen mit China auseinandergesetzt haben.

In China schenken Schüler den Lehrern Geld

Beispiel Schule: Zehn Unterschiede zu Deutschland, haben die Schüler ausgemacht. Angefangen von der Strenge und Disziplin, die in chinesischen Schulen herrscht – die übrigens von montags bis samstags und bis zu zehn Stunden täglich unterrichten – über das viele Auswendiglernen dort, bis hin dazu, dass Schüler in China ihren Lehrern Geldgeschenke machen! Freizeit ist knapp für die Schüler, deren Eltern übrigens 250 000 Euro für vier Jahre Studium berappen müssen.

Bei aller Fremdheit und allen Unterschieden, Schulleiterin Stolte-Enck zieht eine positive Bilanz: „Ich bin sicher, dass die Schüler in Kontakt bleiben werden.“

Chinesen suchen den Kontakt zu deutschen Schulen

Den besten Beleg für den gelungenen ersten Schüleraustausch sieht Maria Stolte-Enck in der Tatsache, dass in dieser Woche bereits neun der am Austausch beteiligten Schüler für den Gegenbesuch im Oktober angemeldet wurden. „Ich hatte da eine gewisse Ernüchterung befürchtet.“ Schließlich sei es nicht so ganz einfach, sich 24 Stunden am Tag um einen Gast kümmern zu müssen und nur auf Englisch kommunizieren zu können.

Der Anstoß für die Partnerschaft ging übrigens von China aus. Im April 2013 erhielt die Schulleiterin eine Email von der China Education Commission in Peking, die Kontakte zwischen chinesischen Schulen und Universitäten und ihren ausländischen Pendants vermittelt. Maria Stolte-Enck bekundete Interesse und dachte, sie werde nie mehr was davon hören.

Aber eine Antwort kam schon nach kurzer Zeit und schließlich der Kontakt zur Schule Dacheng in Peking. Persönliche Kontakte zu der Schule sammelten die Schulleiterin und zwei Kolleginnen bei einem dreiwöchigen Besuch im vergangenen Herbst. Nach einer einwöchigen Rundreise, waren sie zu Gast in Peking. Wie das Schulleben dort aussieht, werden die Bottroper Schüler dann im Oktober erleben können, wenn sie zum einwöchigen Gegenbesuch aufbrechen. Sie freuen sich schon.