Das aktuelle Wetter Bottrop 20°C
Pflege

Awo will mehr Lebensqualität im Pflegealltag

17.02.2016 | 13:00 Uhr
Awo will mehr Lebensqualität im Pflegealltag
Foto: Olaf Fuhrmann

Bottrop.   Mit dem neuen Projekt „Förderung der Achtsamkeit in der stationären Pflege“ soll die Sensiblitätim Umgang mit schwierigen Situationen geschärft werden. Schulungen für Mitarbeiter.

Manchmal genügen schon Kleinigkeiten, die den Pflegealltag harmonischer gestalten: Etwa das Anklopfen, bevor man ein Zimmer betritt oder das leise Schließen der Türen. Mit dem neuen Projekt „Förderung der Achtsamkeit in der stationären Pflege“ rückt der Awo Bezirk Westliches Westfalen das menschliche Miteinander in den Fokus – und möchte damit nicht nur die Sinne für die Kleinigkeiten schärfen, sondern auch für Konflikte und Grenzüberschreitungen. Umgesetzt wird das neue Projekt auch im Bottroper Ernst Löchelt Seniorenzentrum.

„Wir haben ein Problembewusstsein dafür, dass es im oft anstrengenden Berufsalltag einer Pflegekraft zu schwierigen Situationen kommen kann“, erklärt Uwe Hildebrandt, Geschäftsführer der größten Awo-Gliederung in Deutschland. „Wir werden deshalb Konzepte in unseren Seniorenzentren implementieren, die sich positiv auf die Lebensqualität unserer Bewohner auswirken.“ Peter Schmidt, Leiter des Ernst-Löchelt-Seniorenzentrums in Bottrop, begrüßt das Projekt und verspricht sich davon auch eine Entlastung der Pflegekräfte.

Erster Schritt ist eine Umfrage

„Der Bedarf ist auf jeden Fall da“, so Peter Schmidt. „Der Pflegealltag ist sehr anstrengend und immer wieder können Mitarbeiter plötzlich in eskalierende Situationen geraten, mit denen sie gar nicht rechnen.“ Daher sei es hilfreich ein Instrumentarium im Kopf zu haben, solche Situationen zu vermeiden oder damit umzugehen. „Letztlich soll so auch der Spaß am Beruf erhalten bleiben“, stellt Schmidt fest.

Insgesamt betreibt der Bezirksverband 59 Seniorenzentren in denen ca. 3500 Fachkräfte arbeiten. Allen soll das Projekt in der Praxis helfen. Seit 1. Januar 2016 befasst sich in der Dortmunder Bezirksgeschäftsstelle ein dreiköpfiges Experten-Team mit dem Thema, sammelt fachliches Wissen und fragt die Erfahrungen in den Seniorenzentren ab. „Wir wollen wissen, welche Schwierigkeiten es im Pflegealltag gibt, was die Fachkräfte stresst und welche Unsicherheiten auftreten“, so Projektleiterin Andrea Malsburg. „Erst wenn wir die konkreten Probleme kennen, können wir Handlungs-Strategien entwickeln“. Wie geht man in der Praxis etwa mit kulturellen oder religiösen Besonderheiten um? Solche und viele andere Fragen spielen im Projekt eine Rolle und sollen in eine zehntägige Schulung fließen, die das Team konzipiert. Ein erster Durchlauf in ausgewählten AWO-Seniorenzentren ist spätestens im Herbst dieses Jahres geplant – fachlich und wissenschaftlich begleitet von der Evangelischen Fachhochschule RWL in Bochum.

Im Ernst Löchelt Seniorenzentrum arbeiten rund 190 Mitarbeiter. „Wir möchten viele der Mitarbeiter mit der Schulung erreichen, setzen aber auch auf den Multiplikatorfaktor einzelner Mitarbeiter“, so Peter Schmidt. Dabei solle nicht nur das Pflegepersonal geschult werden, sondern beispielsweise auch Mitarbeiter aus Verwaltung und Hauswirtschaft. „Auch ein Hausmeister muss beispielsweise mal zum Auswechseln einer Glühbirne in das Zimmer eines Bewohners und muss dann Verhaltensstrategien an der Hand haben“, erläutert Schmidt.

Achtsamkeit bedeute, Routine im Pflegealltag zu hinterfragen, das eigene Verhalten zu reflektieren und Stressfaktoren frühzeitig zu erkennen. „Die Belastungsgrenzen im Blick zu haben, schützt die Fachkräfte davor, in Grenzsituationen zu geraten“, so Andrea Malsburg.

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt. Finanziert wird es zu 90 Prozent von der „Stiftung Wohlfahrtspflege NRW“. Den Rest steuert der Bezirk aus Eigenmitteln bei. „Als einer der größten Ausbilder im Bereich der stationären Pflege sind wir immer daran interessiert, uns weiter zu entwickeln. Dabei behalten wir das Ganze im Blick und werden unsere Erkenntnisse auch den anderen Trägern zur Verfügung stellen“, so Hildebrandt. Es liege der Awo am Herzen, die Situation in der stationären Altenpflege über die eigenen Einrichtungen hinaus zu verbessern.

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Viel Stimmung in Bottrop
Bildgalerie
3. Vivawest-Marathon
article
11570746
Awo will mehr Lebensqualität im Pflegealltag
Awo will mehr Lebensqualität im Pflegealltag
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/bottrop/awo-will-mehr-lebensqualitaet-im-pflegealltag-id11570746.html
2016-02-17 13:00
Bottrop