Autorin Liesel Appel besucht Bottrop

Liesel Appel, Buchautorin aus den USA
Liesel Appel, Buchautorin aus den USA
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Autorin Liesel Appel kehrt für ein paar Tage in ihre ehemalige Heimatstadt Bottrop zurück und spricht über die Lektionen der Nazi-Vergangenheit..

Bottrop..  In diesen Tagen gedenken Deutschland und die Welt wieder der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee vor 70 Jahren. Am Tag selbst, dem 27. Januar, wird die lang abgehängte Gedenktafel an das frühere jüdische Bethaus an der Tourneaustraße wieder angebracht. Aber in der Stadt erinnert man sich auch an andere Ereignisse und Untaten, die die Nazis hier begangen haben - und von denen eine der jüngeren Zeitzeuginnen Liesel Appel - die heute in den USA lebt - auf Einladung des Stadtarchivs im Februar erzählen wird.

Bottrop in der Nachkriegszeit. Die neunjährige Liesel spielt vor dem Haus ihrer Eltern, als ein Fremder sie anspricht. Er sei ein ehemaliger Nachbar und habe als Jude 1938 nach Palästina fliehen müssen. „Die Nazis kamen in der Kristallnacht nach oben in unsere Wohnung und zerrten unseren kleinen Sohn aus seinem Kinderwagen heraus. Und … sie warfen unser Kind auf der Rückseite des Hauses vom Balkon.“ Jetzt sei er zurückgekommen, um den Retter seines Sohnes zu finden. Für Liesel ist klar: Dieser Held konnte nur ihr verstorbener Vater gewesen sein, und so nimmt sie den Fremden mit in ihre Wohnung. Die Reaktion ihrer Mutter ist für Liesel unfassbar und der Beginn einer lebenslangen Suche nach dem Sohn des Nachbarn.

1961 verließ sie Deutschland

Liesel Appel wurde 1941 als Tochter von Heinrich und Else Steffens geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Nach ihrer Ausbildung zur Kindergärtnerin floh sie 1961 vor ihrer Vergangenheit nach London. Dort heiratete sie, wurde Mutter von zwei Kindern. Seit 1980 lebt sie in den USA. 1990 trat sie zum jüdischen Glauben über. 2005 erschien ihr Buch „The Neighbor’s Son“. Seitdem reist sie durch die Vereinigten Staaten und Kanada, liest aus ihrem Buch und spricht über die Lektionen der Nazi-Vergangenheit. Sie arbeitet als freiwillige Helferin bei „Americorps“, der größten Selbsthilfe-Organisation in den USA.

Nun kehrt sie für ein paar Tage in ihre ehemalige Heimatstadt Bottrop zurück und spricht über ihre Erlebnisse. Ihr Buch ist unter dem Titel „Der Sohn des Nachbarn“ in deutscher Sprache erschienen.

Info: Lesung mit Liesel Appel, Freitag, 20. Februar, 19.30 Uhr in der Lebendigen Bibliothek, Böckenhoffstraße 30.