Automarder kommen gerne zweimal

Typisch: Mit ein paar Handgriffen und dem passenden Werkzeug brechen die Täter schnell die Mittelkonsole heraus, in der oft Navi und Autoradio eingebaut sind, und hinterlassen kostspielige Verwüstungen.Foto:B. Kutzner
Typisch: Mit ein paar Handgriffen und dem passenden Werkzeug brechen die Täter schnell die Mittelkonsole heraus, in der oft Navi und Autoradio eingebaut sind, und hinterlassen kostspielige Verwüstungen.Foto:B. Kutzner
Ist er beschädigte Wagen zur Reparatur, nehmen sich die Täter das Leihauto vor. So jetzt wieder geschehen in Grafenwald.

Bottrop..  „Man fühlt sich da doch als Bürger nicht mehr sicher“, klagt der Anrufer und berichtet, dass bei seinem Nachbarn auf der Martin-Luther-Straße in Grafenwald jetzt bereits zum zweiten Mal innerhalb von einer Woche ein BMW aufgebrochen worden sei. Es gebe Video-Aufzeichnungen von den Taten, und die würden belegen, dass in beiden Fällen die gleichen Täter am Werk waren.

Das erste Mal sei das Fahrzeug in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (1./2. April) geknackt worden. Dabei verschwanden das Navigationsgerät und das Multifunktionslenkrad. Während der Reparaturzeit bekam der Nachbar einen Leihwagen, ebenfalls einen BMW. Und der sei nun in der Nacht zum Freitag (9./10. April) ebenfalls aufgebrochen worden, erneut wurde das Navi gestohlen. Diesmal sei die Polizei erst gar nicht mehr rausgekommen, bedauert der Anrufer.

Hochwertige Fahrzeuge

Es sei durchaus üblich, dass die Polizei in solchen Fällen nicht kommt, erklärt Polizei-Sprecher Michael Franz, sondern die Opfer Anzeige auf der Wache erstatten müssten – vorausgesetzt ihr Fahrzeug sei noch fahrtüchtig. Im übrigen bestätigt er die beiden geschilderten Autoaufbrüche. Zudem habe es in der Nacht vom 1. auf den 2. April einen weiteren Aufbruch auf der Martin-Luther-Straße gegeben, dabei wurde Bargeld gestohlen. Der Versuch, auch hier das Navi zu klauen, ging schief.

Von einer Häufung der Fälle im Raum Grafenwald will Franz aber nicht sprechen, dies seien die einzigen seit Januar. So etwas komme in vielen Städten vor. Wichtig für die Täter sei eine gute Autobahnanbindung, um schnell verschwinden zu können. Besonders betroffen seien hochwertige Fahrzeuge wie BMW, Mercedes oder Audi.

Die Polizei geht von gut organisierten Banden aus, die über Wissen und Werkzeug verfügen, um Navis, Lenkräder und Airbags schnell ausbauen zu können, und die über Absatzwege für die gestohlenen Teile verfügen. Es komme auch immer wieder vor, dass jemand zweimal hintereinander Opfer werde. Die WAZ hatte erst Ende März in ihrem überregionalen Teil über solche Fälle und deren steigende Zahl berichtet.

Auf längere Sicht kommen jedoch insgesamt weniger Automarder zum Zuge. Polizeisprecher Michael Franz nennt die Fallzahlen: 2005 habe es noch 1643 Pkw-Aufbrüche gegeben, 2009 waren es 931 und im vergangenen Jahr 743.

Was den Fall auf der Martin-Luther-Straße angeht, so Franz, lägen der Polizei Fotos von den mutmaßlichen Tätern vor, die von den Videoaufnahmen stammen. Nun müsse geprüft werden, ob diese auch nutzbar seien. Eine öffentliche Fahndung mit Täterfotos müsse am Ende ein Richter anordnen.