Autoclub zählt Handy-Verstöße auf Bottroper Straßen

Erwin Klein und Reinhard Lücke (v.l.) vom  ACE-Kreisverband zählen an der Osterfelder Straße, wie viele Autofahrer am Steuer das Handy am Ohr haben.
Erwin Klein und Reinhard Lücke (v.l.) vom ACE-Kreisverband zählen an der Osterfelder Straße, wie viele Autofahrer am Steuer das Handy am Ohr haben.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Mit einer bundesweiten Kampagne will der ACE für die Gefahren des Handys am Steuer sensibilisieren. Die Mitglieder beobachten den Verkehr.

Bottrop..  Keine zwei Minuten stehen Erwin Klein und Reinhard Lücke am Rand der Osterfelder Straße, schon können sie auf ihrer Liste den ersten Strich machen. Ein weißer Kastenwagen rollt vorbei, der Fahrer starrt konzentriert auf sein Mobiltelefon und scheint etwas zu tippen.

Genau auf solche Fälle sind die beiden Mitglieder des Auto Club Europa (ACE) aus – wohlgemerkt nicht als Denunzianten. „Wir notieren keine Kennzeichen und zeigen auch niemanden an“, sagt Klein. Die Zählung an der Bottroper Hauptstraße ist vielmehr Teil der bundesweiten ACE-Kampagne „Park dein Handy wenn Du fährst!“. Damit will der Automobilclub noch einmal für die Gefahren sensibilisieren, wenn Autofahrer sich durch ihr Mobiltelefon ablenken lassen. 6800 Verstöße dieser Art seien 2014 in der Flensburger Kartei gelandet, heißt es beim ACE unter Berufung auf das Kraftfahrtbundesamt (KBA). Insgesamt seien beim KBA 420 000 Verstöße gegen das Handyverbot registriert. „Der Verdacht liegt nahe, dass die Dunkelziffer dahinter noch größer ist“, sagt Reinhard Lücke.

60 Euro und ein Punkt in Flensburg

Als ehemaliger Leiter der Verkehrssicherheitsberatung beim Polizeipräsidium Recklinghausen ist er da im Thema. Und der Verdacht liegt ja nahe, schließlich muss die Polizei die Sünder tatsächlich auf frischer Tat ertappen. Dann werden 60 Euro fällig, außerdem gibt es einen Punkt in Flensburg. Doch wie häufig ist tatsächlich in so einem Fall die Polizei in der Nähe?

Dem ACE gehe es darum, „diese Dunkelziffer aufzuhellen“. Und so sind alle ACE-Kreisverbände aufgefordert, zu zählen. „Die Daten übermitteln wir nach Stuttgart und dort wird dann alles ausgewertet“, erklärt Klein. Und deshalb stehen die beiden Bottroper nun für den Kreis Emscher-Lippe, zu dem auch Gladbeck und Gelsenkirchen gehören, an der Osterfelder Straße in Höhe des Pferdemarkts und beobachten den beginnenden Berufsverkehr. Auf einem Zettel notieren sie die Verstöße – getrennt nach Geschlechtern. Der erste Sünder – der Fahrer des oben erwähnten weißen Kastenwagens – wird außerdem der Sparte „Berufsverkehr“ zugeordnet. Zusätzlich schauen die beiden Männer genau, wer tatsächlich telefoniert, also sein Handy am Ohr hat, oder wer auf dem Gerät tippt.

Die eindringliche Warnung des Automobilclubs: Wer bei Tempo 50 nur für zwei Sekunden auf sein Mobiltelefon schaue, der legt 30 Meter im Blindflug zurück. Für eine viel befahrene Innenstadtachse wie die Osterfelder Straße, eine lange Strecke. Eine Stunde lang zählen Klein und Lücke die Verstöße, am Ende haben sie zwölf Fahrer beobachtet. Sieben Männer und zwei Frauen haben telefoniert, drei Männer auf ihrem Telefon getippt. Ähnliche Zahlen hat Lücke übrigens auch in Gladbeck ermittelt. Dort hat er in einer Stunde an der Sandstraße 13 Verstöße gezählt.

Paragraf 23 regelt das Handy-Verbot

In Paragraf 23 der Straßenverkehrsordnung ist das Handyverbot geregelt. Darin heißt es, dass ein „Mobil- oder Autotelefon“ nicht genutzt werden darf, wenn der Fahrer es dafür in die Hand nehmen muss. Es sei denn der Wagen steht und der Motor ist aus.

Die Experten des Verkehrsgerichtstages haben sich bei ihrer Tagung im Januar mit dem Paragrafen befasst. Sie halten für „nicht mehr zeitgemäß“ – gerade im Hinblick auf den Begriff „ausgeschalteter Motor“ und auf die Beschränkung des Aufnehmens oder Haltens“ des Hörers.

Damit spielt der Verkehrsgerichtstag auf die technische Entwicklung an, etwa auf die Start-Stopp-Automatik zahlreicher Neuwagen. Die schalten beim Stopp automatisch den Motor ab. Darf dann das Mobiltelefon genutzt werden?

Ja, das hat zumindest das Oberlandesgericht Hamm in einem Urteil im September 2013 entschieden. Denn die Straßenverkehrsordnung unterscheide in dem Paragrafen der Straßenverkehrsordnung nun einmal nicht zwischen einem automatisch und einem manuell abgeschalteten Motor.

Der Verkehrsgerichtstag jedenfalls empfiehlt dem Gesetzgeber eine Neufassung des Paragrafen – etwa unter Berücksichtigung der tatsächlichen Ablenkung vom Fahrgeschehen. Auch die Geldbuße sollte gestaffelt werden – je nach Gefährdung.