Austauschschüler finden in Bottrop eine neue Heimat

Die Austauschschüler (v.l.) Paulo Leite (Brasilien,l), Paola Apumayta (Peru) und Noah Green (USA) berichten von ihren Eindrücken in Bottrop. Seit August 2014 besuchen die Schüler das Heinrich Heine Gymnasium.
Die Austauschschüler (v.l.) Paulo Leite (Brasilien,l), Paola Apumayta (Peru) und Noah Green (USA) berichten von ihren Eindrücken in Bottrop. Seit August 2014 besuchen die Schüler das Heinrich Heine Gymnasium.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Mit dem Austauschprogramm des Rotary Clubs erkunden junge Menschen, was sich hinter dem Wort „Fremdheit“ verbirgt und wie sie es umwandeln können.

Bottrop..  Es ist nicht leicht, seine Heimat für ein Jahr zu verlassen und sich dem Fremden mit Herz und Seele zu stellen. Genau darum geht es in dem Austauschprogramm, das Noah Green (18) aus den USA, Paola Apumayta (18) aus Peru und Paulo Leite (17) aus Brasilien nach Bottrop geführt hat. Die drei sind hier keine Gäste, sie sind Teil der Gesellschaft - so wünschen es sich die Organisatoren des Schüleraustausches vom Rotary Club Bottrop/Wittringen. Die Jugendlichen sollen ihren eigenen Platz in der Fremde finden.

Noah, Paolo und Paula kommen diesem Platz immer näher: In der neuen Umgebung lernen sie sich selbst neu kennen und sehen die heimische Kultur mit anderen Augen. „Weihnachten“, sagt sie, „feiern wir ganz anders als meine Gastfamilie“. Mit ihrer fünfzigköpfigen Familie aus Peru ginge es immer lebhaft zu, in Deutschland hingegen ruhiger, besinnlicher. In Sachen Weihnachten ist Paola wahrlich keine Kulturbanausin: „Beinahe jedes Wochenende bin ich auf einem anderen Weihnachtsmarkt gewesen“, sagt sie lächelnd. Jetzt, zur fünften Jahreszeit, steht Karneval vor der Tür. Eine völlig neue Erfahrung für Paola.

Vorurteile überwinden

Ihr Austauschkollege Paulo ist da ein alter Hase. Der Brasilianer kennt Karneval in seiner farbenprächtigsten, lebhaftesten Form. „Viel nackte Haut gibt es da zu sehen“, das Vorurteil stimme. Dass die Brasilianer ein Faible für tropische Früchte hätten, könne er hingegen nicht bestätigen. Das sei ein Klischee. „Ich habe noch nie so viel Obst gegessen wie in Deutschland“, sagt Paulo.

„Und wir essen auch nicht ständig Burger“, fügt Noah hinzu. Er habe sich schon öfter anhören müssen, dass „der Amerikaner“ seine Hände nicht vom Fast Food lassen könne. „Ich wurde gefragt, ob ich jeden Tag einen Burger esse“, erzählt Noah. „So ein Quatsch“, habe er geantwortet. „Wir essen zweimal täglich Burger“. Seiner deutschen Gastfamilie wollte er die amerikanische Küche nicht entgehen lassen. Statt Burger gab es aber Truthahn. „Ein klassisches Thanksgiving Dinner“.

Eine Erfahrung fürs Leben

Für ein Jahr können die drei Land und Leute kennenlernen, die deutsche Küche ausgiebig testen - Currywurst, Knödel und Schnitzel führen die Geschmacksliste an - und Vorurteile abbauen. „Ein Austausch ist eine Erfahrung fürs Leben“, sagt Noah. Die wolle er nicht missen. Paola und Paula können ihm da nur beipflichten.

Jetzt freuen sich die drei erstmal auf ihre Europatour. In den Osterferien soll es für drei Wochen nach Paris, Prag, Rom und in andere europäische Großstädte gehen. Mit ihren Gastfamilien erleben die drei das volle Kulturprogramm. Die Neugier nach dem Fremden lässt sich nicht leicht stillen. Das Fremde aber verwandelt sich in eine neue, eine eigene Perspektive.