„Auf Schienen zur Schicht“

Straßenbahnknotenpunkt Pferdemarkt: Rechts ist noch die alte Linie 3 zu erkennen, die bis 1967 über die Hochtsraße bis Essen fuhr.
Straßenbahnknotenpunkt Pferdemarkt: Rechts ist noch die alte Linie 3 zu erkennen, die bis 1967 über die Hochtsraße bis Essen fuhr.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Klaus Giesen arbeitet an einem neuen Buch zur Geschichte der Straßenbahn in Bottrop, Gladbeck und Kirchhellen. Die letzte Linie, die noch bis Gladbeck führte, wurde 1976 eingestellt

Den sprichwörtlichen „Draht“ zur Straßenbahn hatte Klaus Giesen schon als Kind. Kein Wunder, denn die Oberleitung der guten alten „Elektrischen“ führte direkt vor seinem Geburtshaus auf der Gladbecker Straße vorbei in Richtung Pferdemarkt und in die andere Richtung, nach Gladbeck. Dass er an der längsten Straßenbahnlinie des Ruhrgebiets wohnen sollte, wurde dem 1961 Geborenen erst später bewusst. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Giesen intensiv mit dem Schienennahverkehr und kann mit Fug und Recht als intimer Kenner der Szene gelten. Im vergangenen Jahr veröffentlichte der studierte Chemieingenieur unter dem Titel „Die Zehn“ einen 147 Seiten umfassen Band über die Geschichte der einst längsten Straßenbahnlinie des Reviers. Die verband Osterfeld mit dem münsterländischen Marl-Sinsen - über Bottrop, Gladbeck, Gelsenkirchen, Herten und Recklinghausen. Fahrtdauer: 103 Minuten.

Erste Straßenbahn kam aus Essen

Giesen kennt sich aus. Nicht nur mit Wagenbaureihen und Streckenführung, sondern auch mit Fahrplänen. „Der Bus heute braucht auf jeden Fall länger“, sagt der Experte, den vor allem die Hoch-Zeit der „Elektrischen“ zwischen den 1920er und 60er Jahren interessiert.

Jetzt arbeitet er an einem neuen Band: „Auf Schienen zur Schicht“. Darin geht es vor allem um die Straßenbahn in Bottrop, Gladbeck und Kirchhellen. Denn auch das Dorf im Norden Alt-Bottrops hatte einst nicht nur einen Bahnhof, sondern auch eine städtisch anmutende Schienenverbindung.

Anlass für das neue Buch ist aber die Einstellung des Straßenbetriebs zwischen Bottrop und Gladbeck vor fast 40 Jahren. 1976 verkehrte der letzte Wagen der mittlerweile stark verkürzten Linie 17 vom Pferdemarkt bis zur Gladbecker Innenstadt. „Die erste Straßenbahn gehörte aber nicht zu den Vestischen Verkehrsbetrieben, sondern war die alte Linie 3 der Essener Gesellschaft, die Essen-Kray mit dem Pferdemarkt verband“, sagt Klaus Giesen. Die führ über die Essener Straße, kreuzte den Kanal und fuhr dann über die Essener City in den östlichen Vorort der Nachbarstadt.

Allein dies zeigt, wie gut die schienenmäßige Vernetzung damals funktionierte. „Aber der größte Impuls zum Ausbau des Schienennetzes war natürlich der Bergbau“, sagt Klaus Giesen. Denn die Straßenbahnen sollten nicht in erster Linie Einkäufer in die Innenstadt befördern, sondern Bergleute von ihren Kolonien zur Arbeit auf die Pütts. Bei den Streckeplanungen habe man auch die Lage künftiger Zechen einkalkuliert, so Giesen. Sein neues Buch erscheint im Sommer zur Ausstellung des Stadtarchivs.