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Ostern

Auf der Suche nach Bottrops ungelegten Eiern

27.03.2016 | 13:00 Uhr
Auf der Suche nach Bottrops ungelegten Eiern
Ungelegtes Ei - das Trapez in Bottrop.Foto: Katharina Paris

Bottrop.   Kirchhellens Jugendzentrum, Fuhlenbrocks Dreiklang, das Trapez und ein Radweg - all diese Vorhaben kündigten Rat und Verwaltung schon vor Jahren an. Doch bis heute lassen sie auf sich warten.

Die Ostereiersuche an den kommenden beiden Feiertagen wird für viele Familien sicherlich wieder ein schöner Spaß werden. Auch die WAZ-Redaktion hat sich zu Ostern auf die Suche gemacht - allerdings nach den ungelegten Eiern in der Stadt. Gemeint sind jene Vorhaben, die groß angekündigt wurden, aber bis heute auf sich warten lassen. Anbei ein paar Beispiele:

1 Kirchhellens Jugendzentrum: Im Wahlkampf bei der Wahl Bernd Tischlers zum Oberbürgermeister ist es schon ein großes Thema gewesen - wohlgemerkt: bei seiner ersten Wahl zum Oberbürgermeister im August 2009 und auch davor schon. Im alten Spargelhof Beckmann sollte das Jugendzentrum Platz haben. Im Wahljahr 2009 fiel der Startschuss. 2010 wollte die Stadt es bauen. So jedenfalls hatte der damalige Chef des Jugendressorts Ende 2008 die Kirchhellener SPD unterrichtet.

Chancen ausloten

Fünf lange Jahre später kündigte Anfang 2016 nach der Haushaltsklausur ihrer Partei die SPD-Ratsfrau Renate Palberg an: „Wir wollen endlich unser Versprechen einlösen, in Kirchhellen eine neue Jugendeinrichtung zu verwirklichen“. Es gibt also Hoffnung - für die nächste Generation Jugendlicher. Auf dem Gelände der Villa Körner soll der Jugendtreff nun gebaut werden. Das Gebäude sei zwar abrissreif, doch die SPD hofft, dass die Falken dennoch in Bottrop bleiben. Am liebsten wäre es der SPD, wenn die Sozialistische Jugend Deutschlands, wie die Falken ja auch heißen, das neue Jugendzentrum dort gleich selbst baut. Die Stadtverwaltung erhielt den Auftrag, die Chance dafür auszuloten.

2 Fuhlenbrocker Dreiklang: Der Eigener Markt – erneuert, der Boyer Markt – erneuert. Auch der Fuhlenbrocker Marktplatz sollte längst erneuert sein. Unter dem Namen „Fuhlenbrocker Dreiklang“ liefen die Planungen für den Marktplatz und die angrenzenden Plätze. Eigentlich sollten ja alle drei großen Nebenzentren der Stadt aufgewertet werden. Auch die Fuhlenbrocker beteiligten sich mit Vorschlägen an dem Projekt. Im Juni 2006 wurden die Ergebnisse vorgestellt. Weil das Land keine Fördergelder gab, rückte Fuhlenbrocks Dreiklang in den Hintergrund. Selten wird darüber noch gesprochen. 2014 etwa mahnte Bezirksvertreterin Susanne Jungmann, den Fuhlenbrocker Markt im Auge zu behalten.

Aktuell tut sich aber nichts. Es gebe leider keine Förderprogramme, die auf den Fuhlenbrocker Markt anwendbar wären, sagte Stadtsprecher Ulrich Schulze. Im Stadtbezirk Mitte habe der Marktplatz in dem Stadtteil auch nicht die höchste Priorität, räumt Bezirksbürgermeister Klaus Kalthoff ein. Zu frisch sind die Erinnerungen an den Ärger mit dem Eigener Markt. Denn fördert die Landesregierung den Marktplatzumbau, droht seine Fläche als Parkplatz wegzufallen. Bezirksbürgermeister Kalthoff spricht sich daher dafür aus, den Zustand erst einmal lieber so beizubehalten.

3 Das Trapez: Zu einem „starken Ort“ soll das Trapez werden. Seine beste Zeit hat der Platz hinter den Häuserreihen an der stark befahren Horster Straße und der Fußgängerzone an der Gladbecker Straße ja nun auch wirklich lange hinter sich. Bezirksbürgermeister Kalthoff ist eher nach bitterem Spott zumute, wenn von der Modernisierung des riesigen Innernhofes die Rede ist. Die Neugestaltung des Trapez sei ein „langgehegter Traum“, sagt er dann. Schließlich träumt die Stadt jetzt schon seit über zehn Jahren davon. Grüner soll das Trapez werden, Bäume sollen in der noch immer gepflasterten steinernen Wüste Schatten spenden. Die Tiefgarage unter dem Platz gehört neu abgedichtet.

Die Zeit wird knapp

Geld wäre ja da. Doch der Teufel steckt im Detail. Auch die Eigentümer der Häuser um das Trapez herum sollen Geld geben. Die Rede ist von einem sechsstelligen Betrag. Darüber einig sind sich Eigentümer und Verwaltung noch immer nicht. Die Eigentümer im Trapez wollen jedenfalls weitaus weniger Geld bezahlen als die Stadt fordert. Die Bezirksvertreter in der Stadtmitte ließen sich unlängst auf den neusten Stand der Dinge bringen. Allzu viel Zeit bleibt nicht , um den lange geträumten Traum zu verwirklichen. Bis Ende des Jahres, also bis Ende des Jahres 2016, muss es etwas werden mit dem neuen Trapez. Wenigstens beginnen, müsse die Stadt mit der Neugestaltung, heißt es. Sonst ist das Geld, das das Land ja dazu beisteuern wollte, wieder futsch.

4 Radweg Gahlener Straße: Seit mehr als einem Vierteljahrhundert kämpfen Antonius Jansen und Stephan Peuler mit ihrer „Bürgerinitiative Radweg Gahlener Straße“ in Kirchhellen für den Bau eines Radweges an der viel befahrenen Straße. Dass der Radweg Sinn machen würde, steht völlig außer Frage: „Auf der Straße gibt es viel Lkw- und Treckerverkehr. Zudem sind manche Abschnitte sehr kurvenreich und schmal. Initiative und Anwohner fordern Sicherheit für Familien, Schulkinder und Senioren“, beschreibt Antonius Jansen die seit Jahrzehnten beklagten Probleme. „Aber die Verwaltungen kommen einfach nicht aus dem Quark.“ Das hat damit zu tun, dass beim Landesbetrieb „Straßen NRW“ zwei verschiedene Regionaleinrichtungen zuständig sind. Das hat auch damit zu tun, dass der Regionalverband Ruhrgebiet (RVR) das Thema Fahrradstraßenbau für sich entdeckt hat. Jedenfalls: Es ging nicht voran in den Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern.

Sogar eine Feier fand statt

Bis zu jenem Tag Anfang 2014, als das RVR-Parlament den Radweg auf Platz 1 seiner Prioritätenliste hievte und die Bottroper Verwaltung bat, doch die Planung zu übernehmen, weil es mit „Straßen NRW“ nicht recht klappen wolle - auf deren Kosten, verstehe sich. Jubel brandete auf in Kirchhellen, Initiative und Bezirkspolitiker trafen sich zu einer Feier auf Hof Rottmann: „Jetzt geht’s los!“

Zwei Jahre später. Die Verwaltung meldet stockende Gespräche mit den Grundstücksbesitzern. Ein Gutachter musste klären, ob nicht eine Umweltverträglichkeitsprüfung her muss. Und ein Landschaftspflegerischer Begleitplan wird in Auftrag gegeben. Lieber Antonius Jansen, das klingt nicht gut.

Matthias Düngelhoff,Norbert Jänecke undKai Süselbeck-Baumanns

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2016-03-27 13:00
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