Auch bei der CDU Bottrop zahlen Kandidaten für ihr Amt
17.05.2011 | 16:50 Uhr 2011-05-17T16:50:00+0200
Bottrop.Nach der Ämterkauf-Affäre der SPD Duisburg ist in Bottrop der erste Fall innerhalb der CDU bekannt geworden, bei dem anhand von Dokumenten nachvollzogen werden kann, wie Ratskandidaten zu Spenden verpflichtet wurden - 600 Euro kostete die Kandidatur.
Gutes tun und dafür zahlen: Wer sich in der Bottroper CDU politisch engagieren möchte, muss dafür häufig selbst in die Tasche greifen. Nach der Ämterkauf-Affäre der SPD in Duisburg ist Bottrop der erste Fall innerhalb der CDU, bei dem anhand von vorliegenden Dokumenten nachvollzogen werden kann, wie Ratskandidaten zu Spenden verpflichtet wurden.
„Praxis ist rechtens“
Demnach mussten die Bottroper CDU-Ratskandidaten vor ihrer Nominierung für die Kommunalwahl 2009 eine „rechtsverbindliche“ Erklärung unterschreiben. Darin verpflichteten sie sich im Falle einer Ratskandidatur eine Parteispende von 600 Euro zu überweisen, die sie bei einer erfolglosen Kandidatur zurückerhalten sollten. Falls sie auf eine Liste zur Bezirksvertretung antreten wollten, wurde „rechtsverbindlich“ eine Spenden in Höhe von 300 Euro von den Kandidaten erwartet. Weiter sollten die Kandidaten dem CDU-Kreisverband Bottrop einen „Spendenblock“ im Wert von „mindestens 300 Euro“ abnehmen und im privaten Umfeld „Spenden in dieser Höhe hereinholen.“
Die Kreisvorsitzende Dorothee Askemper ist auf Nachfrage der Meinung, dass diese Praxis rechtens ist. Die Beträge wurden vom Kreisvorstand der CDU rund um die CDU-Schatzmeisterin und gleichzeitige Bottroper Bürgermeisterin Monika Budke beschlossen, die das Geld für ihre Partei zusammenhalten sollte. Nach Ansicht des Parteienrechtlers Martin Morlok aus Düsseldorf liegt die Praxis der Bottroper CDU mindestens „im Graubereich.“ Es wäre in Ordnung, wenn die Spenden wie eine vorgezogene Mandatsträgerabgabe aussehen würden.
Als Pflicht empfunden
Wenn aber der Zugang zur Wahl faktisch an die Zahlung der Spenden gekoppelt sei, dann wären die Grundsätze des passiven Wahlrechts verletzt, sagt Morlok. „Die schriftliche Verpflichtung zur Spende ist anrüchig. Für rechtliche Konsequenzen, muss man aber klären, wie stark der Druck zur Zahlung war.“
Der WAZ gegenüber haben sich mittlerweile mehrere Mandatskandidaten aus der Bottroper CDU über genau diesen Druck beschwert. Sie empfanden die Unterschrift unter die Verpflichtungserklärung nicht als freiwillig, sondern als Pflicht. Angeblich sei erheblicher Druck aufgebaut worden - vor allem der damaligen CDU-Kreischef und heutigen CDU-Fraktionschef im Rat, Hermann Hirschfelder, habe gedrängt. Die Erklärung sollte auf jeden Fall vor der Nominierung der Kandidaten für die Kommunalwahlen unterschrieben zurückgegeben werden. „Sonst, das wurde im Vorfeld der Versammlung klar gemacht, habe das sehr nachteilige Folgen“, sagt ein Betroffener.
Später verschickte die CDU sogar noch Mahnungen an säumige Spender, um sie an ihre Verpflichtungen zu erinnern. Hermann Hirschfelder schreibt zusammen mit Askemper auf Anfrage im Namen der Bottroper CDU, es habe für Kandidaten, die nicht überwiesen haben, weder nachteilige Folgen gegeben, noch seien solche jemals beabsichtigt gewesen. Die Spenden seien die einzige Möglichkeit gewesen, „um eine halbwegs zumindest anfängliche gesicherte Kostenaufbringung überschauen zu können.“
„Eindeutige Erwartung“
Tatsächlich ist es in der Bottroper CDU seit vielen Jahren selbstverständlich, dass Ratskandidaten zu einer Spende aufgefordert werden, sagt der langjährige Fraktionschef im Stadtrat, Roland Trottenburg. „Dass das eine Voraussetzung war, ist falsch formuliert. Aber es gab schon immer die ganz eindeutige Erwartung, dass jeder eine Spende macht. Ein gewisser sozialer Druck war sicherlich vorhanden“, so Trottenburg. „Man hätte das auf freiwilliger Basis machen sollen. Die schriftliche Verpflichtung ist nicht im Sinne der innerparteilichen Fairness.“
02:50
Das Vorgehen der CDU-Bottrop ist beschämend. Sie stellen Dokumente online die belegen, dass es rechtsverbindliche Verträge gab um für den Rat kandidieren zu können und meinen, dass das völlig normal ist. Die Frage, ob es üblich ist, dass ein VORSTAND Hürden schafft für Kandidaturen zu eineem FREIEN Abgeordneten scheint diesen KV der CDU nicht zu interessieren. Die Befürchtungen, dass mit der CDU Bottrop nix anzufangen ist sind wahr geworden. Die einzige aktuell aktive bürgerliche Vertretung der CDU ist damit die ÖDP, der Beweis, dass es eine Schande ist, wie tief die CDU gesunken ist in dieser Stadt.
16:46
Sehr geehrter Herr Ruppert,
das ist doch absoluter Nonsens... Es gibt andere Probleme und zwar sowohl in diesem Land als auch auf diesem Planeten. Und wo liegt da nun die Rechtfertigung? Mit derselben Argumentation könnten die Leute ungestraft Steuern hinterziehen, denn auch im Vergleich dazu gibt es sicherlich schwerwiegendere Straftaten!
hierbei geht es aber um das Vertrauen in die Parteien und die Eckpfeiler unserer Demokratie, die eben nicht durch Geld bestimmt sein sollte. Wie etwas woanders ist, spielt dabei keinerlei Rolle.
Aber in einem muss ich Ihnen zustimmen: Ihre Gleichstellung der CDU Bottrop mit einem Schützenverein ist ein durchaus treffender Ansatz!!!
16:27
Ich glaube das Ganze wird ein bisschen zu hoch gespielt.Wir haben ganz andere Probleme in unserem Land.Sich hinterher zu beschweren,das
man zahlen muss, ist ein bisschen feige.Mann muß nicht in einer Partei sein um in den Rat gewählt zu werden,allerdings ist die eigene Werbung dann auch aus eigener Tasche zu zahlen.Also immer schön die Kirche im Dorf lassen zumal alle Kandidaten vor der Wahl damit einverstanden waren.Oder ?
In fast jedem Schützenverein unterstützt der König
sein Verein.Man sollte sich also vorher überlegen ob man den Vogel runterholt.
16:00
Das Argument, dass sich anderen Parteien auch dieser irritierenden Spendenpraxis bedienen, ist wohl kaum eine Rechtfertigung dafür, dass die CDU ebenso handelt. Ein Rechtsanwalt wie Hermann Hirschfelder sollte diesen schweren Fehler in der Argumentation und vor allem in seinem eigenen Handeln erkennen und entsprechend handeln. Um ein anderes populäres Beispiel zu bringen: Felix Magath musste vor kurzem unter anderem wegen seltsamer Geschäftspraktiken seinen Posten räumen. Die meisten im Ruhrgebiet sind Fußballfans und so würde es hier auch Herrn Hirschfelder gut stehen den Anstand zu besitzen seinen Posten zu räumen und eine lückenlose Aufklärung zu ermöglichen und auch zu unterstützen. Ein Trainerwechsel würde ihm, der CDU Bottrop und auch der gesamten Politiklandschaft gut tun!
14:40
Geld regiert die Welt!
Warum sollte der Mikrokosmos alias Bottrop da ausgeschlossen sein.
Im Übrigen: Auch bei der SPD Bottrop ist diese Art von Parteienfinanzierung gebräuchlich.
Tja, wer ein Pöstchen im Stadtrat oder gar als OB über eine Partei ergattern will, muss halt dafür zahlen!!!
Niemand muss sich daher wundern, dass die Qualität der Arbeit der gewählten sog. Politiker(innen) in unsere Stadt nicht als optimal bezeichnet werden kann.
Stefan Soppe
12:42
Vetternwirtschaft. Gräßlich. Ich kauf mir einen Posten, aber erhalte das Geld ja von den Bürgern zurück. Da kann ich auch nach Weissrußland ziehen. Oder gleich in den Urwald.
10:08
Die - freie - Bürgerwahl
ist mit Geld verbunden ?
und dann folgt der - Fraktionszwang -
freier Bürger gewählt ?
ist das denn noch frei ?
ist das überall so ?