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Aschermittwoch-Traditione...

Aschekreuz und Fischessen

16.02.2010 | 19:22 Uhr
Aschekreuz und Fischessen

Bottrop . Die tollen Tage sind vorüber, die Narren verwandeln sich wieder in nüchterne Alltagsmenschen. Der Aschermittwoch markiert das Ende des Karnevals und im kirchlichen Kalender den Beginn der Fastenzeit zur Vorbereitung auf das Osterfest. Der den Gläubigen während dieser Wochen abverlangte Verzicht auf Fleisch wurde ausgeglichen, indem Fisch auf den Speiseplan kam, und diese Tradition lebt auch heute noch.

Fischhändler Hans Krichel berichtet, dass er am Aschermittwoch „50 Prozent mehr als am Freitag“ verkauft, dem umsatzstärksten Tag der Woche. Pikantes wie Brathering und Heringssalat ist sehr gefragt, doch greifen die Kunden auch gern zu Rotbarsch und Seelachs, den Krichel aus den Gewässern um Island bezieht. Der Bottroper, ehemals Präsident der GKG, lädt heute ein zum Appetithäppchen: Vor seinem Geschäft an der Gladbecker Straße erhält jeder Passant - ob bekennender Narr oder nicht - kostenlos einen Katerrollmops.

Mit karger Fastenkost hat das traditionelle Fischessen der Karnevalsgesellschaften am heutigen Abend wenig zu tun - die Mitglieder der GKG versammeln sich in der Rathausschänke, so Krichel. Auch die übrigen Restaurants haben sich auf die verstärkte Nachfrage nach Fisch eingestellt.

Pfarrer Ludger Kleimann fühlt sich weniger für die leiblichen Genüsse als für das seelische Wohlbefinden zuständig. Statt der Bezeichnung Fastenzeit wird in der kath. Kirche heute der Begriff österliche Bußzeit verwendet, erläutert der Geistliche, verantwortlich für die Großgemeinde St. Joseph. Fasten- und Passionsandachten, Frühschichten - verbinden die Gläubigen damit noch einen Sinn? „Es gibt eine ganze Reihe von Angeboten, die auch angenommen werden.“

Die Zahl der Kindergarten- und Schulkinder-Gottesdienste am heutigen Aschermittwoch kann er in seinem „Sprengel“ nicht genau benennen - Kleimann glaubt, dass keine Einrichtung eine Ausnahme macht. Also werden Hunderte von Kindern heute ein Aschekreuz auf der Stirn tragen, und die älteren Kirchenbesucher holen sich dieses Zeichen der Vergänglichkeit im Seniorengottesdienst: „Das ist für viele noch ein besonderes Zeichen“, weiß Kleimann um den Symbolwert dieses kleinen Sakraments, dem der Aschermittwoch seinen Namen verdankt.

Marie-Luise Schmand

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