Anwärter lernen richtigen Dreh mit der Leiter

Denis Wala sitzt auf dem Platz des Drehleiter-Maschinisten und steuert die Leiter.
Denis Wala sitzt auf dem Platz des Drehleiter-Maschinisten und steuert die Leiter.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Seit 14 Tagen werden die acht Brandmeisteranwärter zu Dreleiter-Maschinisten ausgebildet. Bei der Arbeit mit dem High-Tech-Fahrzeugs ist vor allem Teamarbeit gefragt

Bottrop..  „Drehleiter ausfahren!“ Deutlich schreit Michael Trommeshauser den Befehl über den Garagenhof am Mönchenort. Sein Kollege Denis Wala sitzt am Heck des Wagens, direkt an der Leiter. Er ist in dieser Feuerwehr-Übung der Drehleiter-Maschinist. Er muss die Leiter so ans Haus manövrieren, dass über sie Menschen gerettet werden könnten oder dass die Kollegen aus der Höhe gegen die Flammen vorgehen könnten. In der Fachsprache heißt es, dass Wala die Drehleiter „fährt“.

Doch die Übersicht von hier hinten ist nicht ideal, das Einschätzen der Entfernungen eine echte Schwierigkeit. Deshalb muss Trommeshauser als Gruppenführer ihn einweisen. Die Kommandos kommen knapp und präzise. Zwei Wochen lernen die acht Brandmeister-Anwärter schon den Umgang mit der Drehleiter. Die theoretische Prüfung haben sie am Mittwochmorgen bestanden. Die praktische steht Donnerstag an. Danach sind sie – wenn alles gut geht – ausgebildete Drehleiter-Maschinisten.

Den richtigen Standort erkunden

Die Arbeit für das Drehleiter-Team beginnt mit der Anfahrt. Der Gruppenführer erkundet, wo die Leiter gebraucht wird, wo sie aufgestellt werden kann, und weist den Fahrer ein. Der Blick für den Untergrund sei wichtig, erklärt Ausbilder Markus Urbaneck. 16 Tonnen wiegt der Wagen, mit fünf Tonnen drücken die Stützen, die den LKW stabil halten, auf den Untergrund. „In der Theorie ging es viel um die Technik des Fahrzeugs, etwa die Anzahl der Sensoren“, sagt Trommeshauser.

Denn die Drehleiter ist ein High-Tech-Fahrzeug. Auf dem Monitor vor sich kann Denis Wala alle Informationen ablesen. 17.6 Meter hoch hat er die Leiter ausgefahren, der Neigungswinkel beträgt 53 Grad und der Korb ist in einer Höhe von 16,3 Meter. Damit steht er genau zwischen dem vierten und fünften Obergeschoss. „Stopp!“, kommt der laute Befehl von Trommeshauser. Die Aufgabe, die die Ausbilder gestellt haben, haben die beiden Anwärter gelöst. Knapp drei Minuten hat es gedauert, die Leiter auszurichten. „Die Ausbilder sagen immer, der Maschinist sei im Prinzip die ,Fernsteuerung’ des Gruppenführers“, sagt Wala – Teamarbeit eben, wie so häufig bei der Feuerwehr. Im Einsatzfall steigt der Gruppenführer meist auch in den Korb der Leiter. Von dort aus kann er sie auch selbst steuern. Vor allem bei Fahrten dicht entlang der Hauswand ein Vorteil.

Ausbilder Urbaneck achtet auch darauf, wie die beiden Anwärter den Korb der Leiter zur Einsatzstelle manövrieren. „Wir steuern immer seitlich oder von oben an Fenster oder Balkon“, erklärt er. Der Hintergrund: Stünden im Ernstfall panische Bewohner am Fenster, bestünde die Gefahr, dass sie springen, sobald sie sehen, dass sich der Korb ihnen entgegen bewegt – eine Gefahr für alle Beteiligten.