Anwärter im Kampf gegen chemische Gefahren

Gut gesichert in
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Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
In der Ausbildung der Feuerwehr steht nun der ABC-Einsatz auf dem Übungsplan. Im Schutzanzug können sich die Retter atomaren, biologischen oder chemischen Risiken aussetzen.

Bottrop..  Als „persönliche Bio-Sauna“ bezeichnet Ausbilder Stefan Dolega die Anzüge, in die die Brandmeisteranwärter nun schlüpfen. Wobei „schlüpfen“ das falsche Wort ist, setzt es doch eine gewisse Leichtigkeit voraus. Und genau davon bieten die unförmigen ABC-Anzüge nichts. Sie sind absolut dicht, lassen nicht einmal Luft durch. Länger als 20 Minuten dürfen die Feuerwehrleute im Einsatz sie nicht tragen.

Prüfung in Theorie und Praxis

Diese Dichtigkeit ist Voraussetzung, um gegen atomare, biologische oder chemische Gefahren vorzugehen – ABC eben. Drei Wochen lang lernen die Brandmeisteranwärter die Abwehr solcher Gefahren. Donnerstag und Freitag ist Prüfung – Theorie und Praxis. Jetzt haben Ausbilder René Heyse und Stefan Dolega, er kümmert sich um die ABC-Ausbildung, auf dem Hof der Feuerwache ein Szenario aufgebaut: Beim Beladen hat ein Gabelstapler-Fahrer einen Gefahrguttank beschädigt, eine unbekannte Flüssigkeit tritt aus. Ein Szenario, wie es so oder ähnlich durchaus vorkomme, sagt Heyse. Bei Lkw-Kontrollen entdecke die Polizei manchmal, dass es von der Ladefläche tropft.

Inzwischen ist Michael Trommeshauser im Anzug. Kollege Daniel Otto hat geholfen. Dessen letzter Handgriff: Er schließt die Pressluftflasche an und schließt den Reißverschluss. Dann geht es los zum Einsatzort. Als Mitglied des Angriffstrupps erkundet Trommeshauser die Lage. Eine Wanne haben sie dabei, darin wird die Flüssigkeit aufgefangen. Nächster Schritt: Die Erdung. Alles am Einsatzort wird extra geerdet – der tropfende Tank, das Fahrzeug, die Pumpe mit der die Flüssigkeit aus der Auffangwanne umgepumpt wird. Denn ein einziger Funken könnte eine Katastrophe auslösen – je nach Stoff.

Die Anzüge sind Einheitsgröße XXL, entsprechend schwierig ist es sich zu bewegen oder filigrane Arbeiten durchzuführen, etwa die Bedienung von Messgeräten. Überhaupt: „Wir haben ja schon gedacht dass die Arbeite mit der normalen Atemschutz-Ausrüstung anstrengend ist“, sagt Trommeshauser, dem man diese Anstrengung auch deutlich ansieht, nachdem ihm seine Kollegen aus dem Anzug geholfen haben. Dabei achten sie darauf, dass einer den Anzug nur von außen anfasst, der andere von innen. Damit nicht noch weitere Kollegen Gefahr laufen, kontaminiert zu werden. Auf drei Planen – rot, gelb und grün – haben die Anwärter eine Kaue aufgebaut, einen Dekontaminationsbereich – mit Schwarz und Weißbereich.Auf der roten Plane kommen die Kollegen an, werden auf der gelben abgeduscht und entkleidet, dann geht es über grün hinaus. Das Anziehen, so Wala, „üben wir im Moment jeden Morgen“.

Die Ausbilder sind am Ende zufrieden, Kleinigkeiten monieren sie aber doch. So ist Trommeshauser einmal mit dem Anzug durch die Säurepfütze gelaufen. Das sieht Dolege nicht gern. Denn: „Gerade auf die Feinheiten kommt es an.“ Etwa auch beim An- und Auskleiden, um nicht doch noch Kollegen aus Versehen zu gefährden.

Viel Theorie etwa über die einzelnen Gefahrstoffe gehört zu dem Ausbildungsabschritt – einem der aufwändigsten, so die Einschätzung der beiden Anwärter.