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Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Depressionen ist erschreckend hoch

25.03.2013 | 19:58 Uhr
Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Depressionen ist erschreckend hoch
Dr. Birgit Brosche-Bockholt erklärt, weshalb so viele Kinder und Jugendliche depressiv werden.Foto: Heinrich Jung

Bottrop.  Weinerlichkeit, Appetitmangel und aggressives Verhalten können Anzeichen einer Depression bei Kleinkindern sein. Kinder- und Jugendpsychiaterin Dr. Birgit Brosche-Bockholt beobachtet, dass immer mehr mehr Mädchen und Jungen in ihre Praxis kommen. Bei älteren seien häufig Mobbing, Leistungsdruck oder die Scheidung der Eltern Auslöser emotionaler Störungen.

„Eine Depression äußert sich einerseits in der Denkweise und andererseits in der Verhaltensweise der Kinder und Jugendlichen. Betroffene haben oft das Gefühl, ihnen gelingt nichts mehr, sie fressen dann alles in sich hinein“, erklärt Kinder- und Jugendpsychiaterin Dr. Birgit Brosche-Bockholt.

Brosche-Bockholt, selbst zweifache Mutter inzwischen erwachsener Kinder, hat in ihrer Praxis am Kirchhellener Ring 89 kürzlich ihr Einjähriges gefeiert. Sie behandelt das gesamte Spektrum kinder- und jugendpsychiatrischer Erkrankungen, vom Säuglingsalter beginnend bis zum 21. Lebensjahr. Sie ist gut vernetzt, kennt die Strukturen in der Stadt und hat an Schulen etliche gesundheitsfördernde Projekte begleitet.

Erschreckend hohe Zahlen

Der Zulauf zu ihrer Praxis sei derzeit sehr groß, der Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Depressionen erschreckend hoch. „Immer häufiger müssen Jugendliche aufgrund akuter Selbstmordgefahr direkt in die Klinik eingewiesen werden“, berichtet die Fachärztin. Oft kämen viele Ursachen zusammen: schulischer Leistungsdruck, Mobbingsituationen, Scheidungen der Eltern oder Todesfälle in der Familie.

Auch bei den Kleinsten

„Auch sehr junge Kinder können schon unter einer emotionalen Störung leiden, die sich dann durch Weinerlichkeit, Bauchschmerzen, keine Lust am Spielen, Appetitmangel und Unruhe zeigen können. In schweren Fällen können sich sogar erneutes Einnässen und Einkoten zeigen. Kindergartenkinder bringen ihre Traurigkeit manchmal auch durch aggressives Verhalten zum Ausdruck“, erklärt Brosche-Bockholt. Depressive Erkrankungen können auch mit anderen Krankheitsbildern gemeinsam vorkommen: mit Ängsten, ADHS, Essstörungen, Zwangserkrankungen, Suchterkrankungen und traumatischen Erlebnissen wie körperliche Misshandlung oder sexueller Missbrauch.

In einigen Fällen leiden die Betroffenen unter einem geringeren Selbstbewusstsein. „Es ist wichtig, dass das Umfeld genau beleuchtet wird, um die Ursache für die Depression zu erschließen“, führt Dr. Birgit Brosche-Bockholt aus. Vor einer weiteren Therapieplanung sind deshalb Gespräche mit den Eltern der Kinder und Jugendlichen notwendig. Aber auch Lehrer, Familienhelfer und Betreuer müssten miteinbezogen werden. Nach der Diagnose wird gemeinsam überlegt, ob eine stationäre, eine ambulante Therapie oder gar ein Antidepressivum erforderlich ist.

Von Tim Schulze



Kommentare
28.03.2013
08:48
Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Depressionen ist erschreckend hoch
von rehey | #4

Es ist wirklich seltsam.
Ihr eigenes Versagen schieben unsere ach so qualifizierten Lehrkräfte auf die Kinder.
Funktioniert das Kind nicht so wie es die Lehrkraft möchte, dann hat es eben ADHS.
Bestätigt wird diese unqualifizierte Diagnose von Hobbypsychologen, die gar kein Interesse daran haben, sich mit einen Kind mal angemessen zu beschäftigen.
Anschauen, Ritalin verschreiben und der nächste bitte.

Viele Eltern wissen gar nicht, dass Medikamente wie Ritalin ein Betäubungsmittel sind und unter das BTM-Gesetz fallen.
Wie kann man das seinem Kind antun?
Alles nur, weil die Lehrerschaft keine Lust mehr haben sich um jedes Kind zu bemühen.

Wenn man die steigende Zahl von angeblichen ADHS Diagnosen ansieht und die Menge an verschriebenen Ritalin, bekommt schon fast den Eindruck, dass ADHS eine ansteckende Krankheit ist.

Gewinner ist da nur die Pharmaindustrie.
Verlierer sind unsere Kinder, ausgeliefert an einem schlechten Schulsystem.

26.03.2013
18:55
Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Depressionen ist erschreckend hoch
von uwekause | #3

Außer einer ausgeprägten Lese-, Rechtschreibschwäche konnten die Damen und Herren Psychologen bei meinem Sohn keine weiteren Defizite ausmachen. Trotz gegenteiligem Gutachten beharrte die Lehrerin auf ADHS. Das täglich Mobbing in der Schule durch die Lehrerin führte dazu, dass mein Sohn bei den Großeltern nach dem Weg aufs Dach fragte.

Es ist frustrierend wenn man hilflos Menschen ausgeliefert ist, denen ihre Machtposition zu Kopf gestiegen ist, und die von dem Begriff Verantwortung nichts wissen wollen. Wie ein Gundschulkind damit klar kommen soll, ist mir nicht klar. Ich hoffe nur, dass die Lehrerin, die mittlerweile die Schule verlassen hat, mir niemals vors Auto springt.

Es ist unsere Leistungsgesellschaft, die kollektiv in die Therapie gehört.

1 Antwort
Depressionen bei Kindern....
von Esmeralda1972 | #3-1

@uwekause
100%tige Zustimmung!

Wie war das noch gleich mit: "Der Mensch ist ein Individuum"....?
Wird in der heutigen Zeit immer wieder vergessen - leider.
Und jedes Kind, was nicht ins "Schema-F" passt, gehört therapiert.

Das macht einen traurig und wütend zugleich.

26.03.2013
17:18
Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Depressionen ist erschreckend hoch
von Wittmich | #2

Es hat keiner verlangt das Du dich selbst Darstellst,aber es erleichtert die Sache
ungemein! Du liegst da einem Irrtum auf,denn die nicht erkannten,oder behandel-
ten Fälle liegen noch höher!! Einer der Gründe liegt darin das dieses Thema,unab-
hängig von der Altersgruppe,immer noch ein Tabuthema ist. Vorallem bei nicht be-
troffenen!!!

1 Antwort
Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Depressionen ist erschreckend hoch
von Juelicher | #2-1

Psychische Erkrankungen waren früher ein Tabu. Inzwischen sind sie fast zur Modeerscheinung geworden. Jedes Jahr kommen einige Zehntausend neue Therapeuten von die Unis, die größere Märkte benötigen. Man muss die definitorische Latte nur tief genug hängen. Unser Gesundheitssystem gehört zu den teuersten und geldgierigsten der Welt. Da dürfte wohl langsam das Ende der Fahnenstange erreicht sein.

26.03.2013
16:41
Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Depressionen ist erschreckend hoch
von xxyz | #1

Der Anteil an Fehldiagnosen ist ebenfalls erschreckend hoch. Heute ist jede kleinste Abweichung gleich ein Fall für den Therapeuten. Wenn der etwas entdeckt, verdient er ja auch.

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