Anders als Superman
28.07.2010 | 16:39 Uhr 2010-07-28T16:39:00+0200
Bottrop.Tim Seiferts Freunde bezeichnen ihn als Wirbelwind. Der 22-Jährige spielt in seiner Freizeit Fußball, geht ins Fitnessstudio. Trotzdem unterscheidet sich der Oberhausener von den meisten seiner männlichen Altersgenossen.
Denn er hat sich für einen typischen Frauenberuf entschieden: Am Freitag schließt er in der Kindertagesstätte Quellenbusch sein Anerkennungsjahr und damit die dreijährige Ausbildung zum Erzieher ab.
„Höhen und Tiefen gehören dazu, Stress auch“, sagt der Erzieher mit den kurz geschorenen blonden Haaren. Der Weg zum Traumberuf war nicht immer leicht. Seifert hatte mit vielen Vorurteilen zu kämpfen - im Bekanntenkreis, unter Kollegen und Eltern. „Aber ich bin unbeirrt meinen Weg gegangen. Die Hauptsache ist, dass ich mich mit dem Beruf identifizieren kann“, meint der 22-Jährige. Ein blonder Junge im Mickey Maus T-Shirt stellt sich auf die Zehenspitzen und flüstert dem groß gewachsenen jungen Mann auf dem winzigen Kinderstuhl etwas ins Ohr. Auf Seiferts Gesicht erscheint ein sanftes Lächeln. „Der Jonas ist noch ein Bärchen. Und dann werden sie immer mehr zum Bär“, sagt er und streichelt dem kleinen Mert über den Kopf.
In der Bärengruppe der Kita ist Seifert für 24 Kinder verantwortlich. Er macht Frühstück, bastelt, spielt, singt und liest vor - so wie seine elf weiblichen Kolleginnen auch. Trotzdem ist er für seine Schützlinge etwas Besonderes. „Die Kinder wollen toben und ihre Kräfte an mir ausprobieren“, sagt Seifert mit einem Schmunzeln. Jonas darf auf seine Schultern und strahlt. Karina, Celina und Mert turnen auf ihm herum, quietschen und lachen. Sie springen auf seinen Rücken, klammern sich an seine Beine, lassen sich kopfüber hochheben. „Das Lachen der Kinder - das sind die schönsten Momente. Kinder sind immer ehrlich. Daraus kann man viel lernen für seine Persönlichkeit und seine Arbeit“, meint Seifert. Monika Beck, Leiterin der Kita Quellenbusch, kennt die Unterschiede zwischen Seifert und den übrigen Kolleginnen. „Wir haben ihn bewusst ausgesucht und bestimmte Erwartungen an ihn gestellt. Wir wollten sehen, wie Männer mit Kindern umgehen. Da gibt es mehr Chaos“, lacht sie.
Der Vorstoß von Familienministerin Kristina Schröder, mehr Männer in die Kitas zu bringen, geht Seiferts Meinung nach in die richtige Richtung. Der Erzieher hat sich im Rahmen seiner Ausbildung mit Rollenbildern wissenschaftlich beschäftigt. „Frauen kommen für die Förderung der Geschlechtsidentität von Jungen nicht in Frage. Wenn Väter wenig in die Erziehung eingebunden sind, holen sich die Kinder ihre Männerbilder aus den Medien - z.B. Superman. Ihnen fehlt ein realistisches Bild. Das birgt die Gefahr, dass alte Klischees wiederkommen wie: Männer dürfen nicht schwach sein oder Männer gehen arbeiten, Frauen bleiben zu Hause“, so Seifert.
Um Männer für den Beruf zu gewinnen, müssten die Ausbildung attraktiver gestaltet und Vorurteile abgebaut werden. „Die Gesellschaft muss sich ändern. Ausschlaggebend sollte sein, welche Qualifikationen jemand mitbringt. Und nicht, ob es ein Mann oder eine Frau ist“, meint Beck. Die Kita-Leiterin weiß, dass Missbrauchsfälle viele Eltern misstrauisch gemacht haben: „Ich wollte Tim in alle Bereiche einbinden, aber die Eltern wollten z.B. nicht, dass er Kinder wickelt. Sie mussten ihn erst kennenlernen und Vertrauen aufbauen.“
Jetzt wird der Erzieher mit Abschiedsgeschenken überhäuft. Er beginnt bald seinen Zivildienst im Altenheim. Die Arbeit mit Kindern will er danach wieder aufnehmen: „Bei meinem ersten Praktikum war nach einem halben Jahr klar: Das will ich machen“, erinnert sich Seifert.
14:13
Danke für die lieben Kpmmentare
13:29
Ich finde es schön , dass es noch junge Männer gibt die sich für diesen Beruf interessieren
18:24
Hut ab vor dem jungen Mann. hoffe für die Zukunft, das sich mehr Männer für diesen Beruf entscheiden.
es fehlen einfach Männer in diesem Berufszweig.