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Am Anfang war die Malerei

15.09.2012 | 13:00 Uhr
Am Anfang war die Malerei
Kazuo Katase vor einer seiner Arbeiten in der Ausstellung „Gegenwart“ im Bottroper Museum Quadrat.Foto: Birgit Schweizer

Bottrop. Tausende fahren oder laufen täglich auf der Essener Straße an Kazuo Katases „Lichtfossil“ vorüber, an jenen drei teilweise von innen beleuchteten Kuben, die für Bottrops Stadtbezirke stehen. Morgen eröffnet im Josef Albers Museum Quadrat die Ausstellung „Gegenwart“. Wer dort von dem 1947 geborenen Japaner Fotografie, Skulpturen oder Installationen erwartet, in denen Licht eine Hauptrolle spielt, wird enttäuscht sein. Oder besser: überrascht. Denn Katase kehrt mit dieser fast meditativen Schau zu seinen Wurzeln zurück: der Malerei.

Geheimnisvolle Tiefenwirkung

Alles Teeschalen. Immer die gleichen großen Querformate. Pastellfarben auf Büttenpapier. Langweilig? Selbst auf den ersten Blick nicht. Wer dieser ersten Bottroper Museumsschau des Otto-Ritschl-Preisträgers und mehrfachen Documenta-Teilnehmers mehr als nur einen flüchtigen Blick gönnt, wird abtauchen in eine Welt der Spannungen - aber auch der Gegensätze.

Fast kultisch herausgehoben aus dieser Welt wirken Katases Schalen, die stets in gleicher Größe daherkommen. Mal erahnt der Betrachter nur Konturen, die beinahe mystisch aus dunklem Hintergrund aufsteigen. Dann wiederum scheint diese archaische Form in leuchtenden Farben zu schweben. Mal wie ein „Negativ“, bei dem Licht an Stelle von Schatten tritt, dann im großen - eigens für „Gegenwart“ inszenierten - zentralen Raumquadrat der Albers-Sammlung als „Positiv“, unmittelbar, nicht hinter Glas.

Im Zentrum eine große schwarze Schale aus eloxiertem Aluminium, umgeben von Bildern aus den vergangenen beiden Jahren und drei japanischen No-Masken, Archetypen des traditionellen japanischen Theaters. Die Leihgaben für die Ausstellung aus der Sammlung des Essener Museum Folkwang präsentiert das Quadrat auf grauem Hintergrund, fast wie auf einer riesigen Leinwand in Cinemascope-Format.

In diesem Raum trifft Katase direkt auf Albers: „Profundo“ und „Reticence“ von 1965 mit einer eher dezenten Farbigkeit. Ähnlich wie Katases leere Teeschalen strahlen diese Arbeiten auch eine geheimnisvolle Tiefenwirkung aus, rühren an Ursprünge, speisen sich aus der Lehre von der Leere des Zen-Buddhismus oder spielen mit dem Zusammenfall von Gegensätzen. Vielleicht auch denen von Ost und West, einer Spannung, die sich immer auch durch das Werk von Kazuo Katase zieht, der 1975 seine japanische Heimat verließ und seither in Deutschland lebt. Deutlich wird dieser Kontrast noch einmal in einer der wenigen Fotografien, die etwas isoliert hängt. Sie zeigt eine Katase-Teeschale auf den Steinen eines ausgetrockneten Wasserreservoirs auf dem schweizer Furka-Pass.

Das Quadrat führt mit der Malerei nicht nur zu den Anfängen des Künstlers Kazuo Katase zurück, sondern zeigt mit diesen jüngsten Arbeiten zugleich den Extrakt aus jahrzehntelanger Arbeit.

Die Eröffnung der Ausstellung beginnt am morgigen Sonntag, 11.30 Uhr. Zu sehen bis 9. Dezember. Ein umfassender Katalog erscheint im Oktober.

Öffentliche Führungen: 16. September, 13.30 Uhr. 21. Oktober & 18. November, jeweils 11 Uhr. In Gebärdensprache: 30. September & 25. November, 11 Uhr. Info: www.quadrat-bottrop.de

Dirk Aschendorf



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