Als Basketballer ins Fußball-Land
05.04.2009 | 15:11 Uhr 2009-04-05T15:11:00+0200Der Gesamtschüler Marc-André Ahaus geht für zehn Monate nach Brasilien.
Portugiesisch spricht Marc-André Ahaus zwar nicht, Sorgen macht er sich deswegen jedoch nicht – obwohl er im Sommer für 10 Monate nach Brasilien geht. „Ich habe ein Ohr für Sprachen. Ich denke das werde ich relativ schnell lernen.” Als Austauschschüler will er die fremde Kultur in Südamerika entdecken und in das Familienleben eintauchen. „Das ist mir am wichtigsten. Deshalb hoffe ich auch, dass ich in eine offene und aufgeschlossenen Familie komme”, sagt der 16-Jährige. Erst vor einer Woche hat er den Bescheid bekommen, dass es mit seinem Auslandsjahr funktioniert.
In was für eine Familie wird er kommen? „Ich habe keine Ahnung. Ich hoffe, sie teilen meine Begeisterung für Basketball.” Seit mehr als fünf Jahren ist Marc-André schon auf Korbjagd und wurde sogar schon in die Junioren-Nationalmannschaft berufen. „Ich kann es mir nicht erlauben, ein Jahr mit meinem Sport auszusetzen.” Aber warum geht man als Basketballer ins Fußball-Land Brasilien? „Damit ziehen mich meine Freunde auch immer auf. Aber auch in Brasilien wird Basketball gespielt und ich hoffe, da andere Spielweisen als hier in Deutschland zu lernen.” Ganz im Vertrauen: Brasilien war auch nicht seine erste Wahl. Ursprünglich wollte er – ganz klassisch wie viele Schüler in seinem Alter – in die USA. Das hat aber nicht geklappt, die Organisation, die den Austausch betreut, hatte in den USA nicht mehr genügend Plätze.
Jetzt laufen halt die Vorbereitungskurse für Brasilien, um sich auf die fremde Kultur einzustellen. Schließlich will Marc-André Fettnäpfchen nach Möglichkeit vermeiden. „In einem ersten Kurs wurden wir über Sitten und Gebräuche informiert. Außerdem über Tischmanieren.” Große Unterschiede zwischen seinem Gastland und seinem Heimatland hat der Gesamtschüler bisher nicht feststellen können. „Auch in Brasilien begrüßt man als erstes die Damen.” Marc-André ist übrigens der einzige Gesamtschüler, in den Vorbereitungskursen der Region Essen. „Alle anderen sind Gymnasiasten.”
Die bevorzugte brasilianische Ernährung hat Marc-Andre´ schon kennengelernt. „Auf dem Speisplan steht vor allem Fleisch”, weiß er. Deshalb warnt die Austasuchorganisation American Field Service (AFS) in ihrem Anschreiben auch, dass ein Aufenthalt für Vegetarier in Brasilien problematisch sein könnte. „Damit habe ich aber zum Glück kein Problem. Das einzige, was ich gar nicht esse sind Meeresfrüchte.”
Der Abschied von Bottrop fällt ihm relativ leicht. „Außer der Familie und meiner Freundin hält mich hier nicht viel. Wir haben sogar schon überlegt, mit der ganzen Familie in die USA auszuwandern”, verrät er.
Auch Vater Manfred hat keine Probleme, den Sohnemann für zehn Monate ziehen zu lassen. „Natürlich ist das für Eltern ein mulmiges Gefühl – aber eigentlich beneiden wir ihn alle darum und würden gerne tauschen.”
Nimmt die Familie denn für diese Zeit selbst eine Austauschsohn auf? „Wir überlegen. Eigentlich sollte man das ja machen aber Marc-André ist davon noch nicht überzeugt. Er hat wohl ein wenig Sorge um sein Zimmer”, schmuzelt Manfred Ahaus.
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