Alltägliches klappt auch mit Demenz
22.02.2012 | 17:35 Uhr 2012-02-22T17:35:00+0100
Bottrop. Eine Bottroperin berichtet von Höhen und Tiefen im Leben ihrer erkrankten Mutter: Trotz Demenz meistert die 77-Jährige ihren Alltag selbstständig.
Kaum eine Diagnose ist mit so vielen Schreckensgespenstern verbunden wie Demenz. „Oft haben Betroffene und ihre Angehörigen die schlimmsten Bilder von Kontrollverlust vor Augen“, weiß Silvia Elschner-Phillip vom KWA Stift Urbana. Sie leitet eine Gesprächsrunde für pflegende Angehörige in der Poststraße. „Dabei ist der Krankheitsverlauf bei jedem Menschen unterschiedlich, auch was die Lebensqualität betrifft.“
Neben ihr nickt Birgit Michaelsen zustimmend mit dem Kopf: „Genau so ist es.“ Die 56-Jährige weiß, wovon sie spricht. Ihre Mutter hat Demenz. „Es fing damit an, dass sie immer öfter nachfragen musste, weil sie Dinge vergessen hat“, erinnert sich Michaelsen. Der Gang zum Hausarzt brachte dann Gewissheit. „Ich habe nie mit meiner Mutter über ihre Krankheit gesprochen“, sagt sie. Und fügt mit leiser Stimme hinzu: „Das würde ich einfach nicht übers Herz bringen, denn sie würde sich nur aufregen.“ Ihre Mutter wüsste bisweilen, dass etwas mit ihr „nicht stimme“, mehr aber auch nicht. „Vielleicht hat es ihr der Arzt sogar gesagt, aber sie hat es vergessen“, mutmaßt Michaelsen.
Verständnis zeigen
Trotz ihrer Demenzerkrankung schafft es die 77-Jährige, ihren Alltag selbstständig zu meistern. „Dinge, die sie immer gemacht hat, klappen ohne Probleme“, berichtet ihre Tochter. „Sogar ihren neuen Ausweis hat sie beim Amt abgeholt.“ In anderen Situationen zeige sich die Krankheit völlig unerwartet: „In einem Moment hört sie sich aufmerksam die Sorgen anderer Menschen an, im nächsten Moment hat sie alles vergessen.“
Als Tochter habe sie gelernt, dass man manche Dinge einfach hinnehmen müsse. „Früher ist meine Mutter gerne unter Leute gegangen“, so Michaelsen. „Mittlerweile bleibt sie lieber daheim, weil fremde Orte ihr Angst machen.“ Zunächst hätten sie und ihr Mann noch versucht, Ausflüge zu organisieren, doch dann kam die Einsicht: „Wir tun ihr damit keinen Gefallen.“
Anfangs habe sie versucht, die Krankheit ihrer Mutter von sich wegzuschieben. Doch dann habe sie gelernt, Verständnis zu entwickeln und sich einzufühlen. „Heute weiß ich, wie ich in bestimmten Situationen richtig reagiere“, sagt sie. „In der Hinsicht bin ich sogar dankbar, denn ich habe gelernt, meine Mutter und das Leben aus einer neuen Perspektive zu betrachten und zu verstehen.“
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