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Alkohol bei Bottroper Jugend ein Problem

13.01.2010 | 13:02 Uhr
Alkohol bei Bottroper Jugend ein Problem

Bottrop. Pro Jahr kommt einer von 200 Bottroper Jugendlichen nach Alkoholkonsum ins Krankenhaus. Von 54 Kreisen und kreisfreien Städten schneidet in NRW nur Hamm schlechter ab. Versagt die Prävention?

Im Sport heißt es oft: Der Zweite ist der erste Verlierer. Egal, wie gut man ist – wenn einer noch besser ist, ist er der Gewinner. In einer neuen Rangliste des Statistischen Landesamtes belegt Bottrop den zweiten Platz – und muss sich aus anderem Grunde als Verlierer fühlen: Es geht um jugendlichen Alkoholkonsum.

4 405 Jugendliche von elf bis unter 18 Jahren mussten in NRW 2008 „wegen alkoholbedingter Verhaltensstörungen” stationär in einem Krankenhaus behandelt werden, vermeldet die Agentur ddp mit Verweis auf die aktuellsten Zahlen des Statistischen Landesamtes.

2007 und 2008 je 44 Fälle

Unter 54 Kreisen und kreisfreien Städten schnitt nur Hamm schlechter ab als Bottrop. Von jeweils 200 Bottroper Jugendlichen landete einer nach übertriebenem Alkoholkonsum im Krankenhaus. In absoluten Zahlen sind das für 2008 (wie im Jahr 2007) 44 Fälle von Jugendlichen mit dem Wohnsitz Bottrop, verriet das Statistische Landesamt auf Nachfrage der WAZ. 2006 waren es noch 33. 2005 nur 22.

Eine Verdopplung seit 2005 – das klingt paradox, betrachtet man die Arbeit von Jugendamt und Jugendhilfe in diesem Bereich und Zeitraum.

Martin Notthoff, Leiter des Jugendamtes.

Erst im Frühjahr 2005 schuf das Jugendamt die erste Stelle in der mobilen Jugendarbeit, die mittlerweile drei hauptberufliche Mitarbeiter zählt. „Sie sind als Streetworker den ganzen Sommer über unterwegs”, erklärt Amtsleiter Martin Notthoff – und wollen u.a. Alkoholmissbrauch vorbeugen.

Im Jahr 2007 setzten Polizei, Forst- und Ordnungsamt für den 1. Mai ein Alkoholverbot am Heidhof durch. Lokale Alkoholverbote gibt es inzwischen auch für die Kirmes.

Beim „NuRock-Festival” in Kirchhellen verteilen ehrenamtliche Mitarbeiter der Jugendhilfe unter den Besuchern Wasser als Alternative bzw. Ausgleich zum Alkohol.

Gemeinsam mit dem Jugendamt führt die Jugendhilfe außerdem seit einiger Zeit die Aktion „Sommerparty” durch. Die habe „keine Kontrollabsicht”, erklärt Präventionsfachkraft Joachim Jahry. Auch sie sei Aufklärungsarbeit.

Konsum wird intensiver

Versagt diese Arbeit? Martin Notthoff und Joachim Jahry antworten mit einem klaren Nein. Notthoff verweist auf eine andere Statistik der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, wonach der jugendliche Alkoholkonsum zwar intensiver wird, insgesamt aber zurückgeht.

Und Jahry sieht die Crux darin, dass die Jugendarbeit den Anstieg der Zahlen in gewisser Weise sogar fördere: „Bei unserer Arbeit weisen wir auch darauf hin, dass die Jugendlichen den Rettungswagen rufen sollen, wenn der Zustand eines anderen außer Kontrolle gerät.” Auch das könne die Zahl der alkoholbedingten Krankenhausaufenthalte steigern. Trotzdem: Es bleibt ein trauriger zweiter Platz.

Florian Riesewieck

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