Ärzte verstehen Flüchtlinge kaum

Kämpfen mit sprachlichen Hürden: Dr. Gregor Postberg, Andea Arndgen, Karen Alexius- Seifert und Dr. Christian Marga (v.l.).
Kämpfen mit sprachlichen Hürden: Dr. Gregor Postberg, Andea Arndgen, Karen Alexius- Seifert und Dr. Christian Marga (v.l.).
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die medizinische Versorgung im Stadtgebiet läuft gut. Aber sprachliche Hürden erschweren immer wieder Diagnostik und Behandlung.

Bottrop..  „Insgesamt läuft es sehr gut!“ Mit Blick auf die medizinische Versorgung der Flüchtlinge im Stadtgebiet sind sich Amtsarzt Dr. Christian Marga, Ärztesprecher Dr. Gregor Postberg und Karen Alexius-Eifert Abteilungsleiterin im Sozialamt, einig und ziehen eine positive Bilanz. Jedoch: Sprachliche Probleme sind die größte Hürde bei Arztbesuchen. „Das macht uns allen Sorgen - vor allem mit Blick auf die irgendwann höheren Zahlen zu versorgender Flüchtlinge“, erklärt Dr. Christian Marga.

Behandlungsschein bei Ankunft

Grundsätzlich erhalten alle Flüchtlinge im Rahmen ihrer Erstzuweisung bei Ankunft in Bottrop einen Behandlungsschein für das laufende Quartal. „Alle Kassenärzte im Stadtgebiet können die Flüchtlinge behandeln“, stellt Dr. Marga fest. „Auch Überweisungen zu Fachärzten und ins Krankenhaus sowie das Ausstellen von Rezepten sind möglich - im Rahmen des Asylleistungsgesetzes.“ Das bedeutet, dass damit alle Impfungen, Vorsorgebehandlungen und Notfallversorgungen gewährleistet sind.

Um die Flüchtlinge in den beiden Landesunterkünften medizinisch zu versorgen - unabhängig von der Eingangsuntersuchung mit Impfungen und Tuberkulosediagnostik - gibt es vor Ort tägliche Sprechzeiten von Kinderärzten und Allgemeinmedizinern, die sich dort freiwillig engagieren. „In den Unterkünften ist meist ein Dolmetscher verfügbar, so dass sich die sprachlichen Probleme bewältigen lassen“, erläutert Dr. Gregor Postberg. Allerdings müssten die Patienten natürlich mit seiner Anwesenheit einverstanden sein.

Dennoch gibt es immer wieder sprachliche Hürden. Beispiel Eingangsuntersuchung: „Die Menschen sind gerade hier angekommen, sprechen und verstehen kein Wort Deutsch und kennen auch unsere Versorgungsstrukturen nicht“, erläutert der Amtsarzt. „Sie verstehen nicht, warum sie sich impfen oder röntgen lassen sollen.“ Bei der Verständigung helfen Übersetzungen aus elektronischen Medien, Aufklärungsbögen des Robert Koch Instituts in 25 Sprachen, Piktogramme und „letztlich Gestikulieren mit Händen und Füßen.“

Gehe es später aber um Diagnostik und Behandlung von Bauch- oder Kopfschmerzen seien die sprachlichen Grenzen schnell erreicht, so Dr. Postberg. Während bislang nur selten Flüchtlinge direkt in die Arztpraxen kommen, werde dies künftig sicher öfter geschehen und dort sei dann kein Dolmetscher. „Bislang ist im Stadtgebiet nämlich erst etwa die Hälfte der 1600 zugewiesenen Flüchtlinge angekommen“, so Karen Alexius-Seifert. „Es werden aber mehr werden. Und dann werden sich die Sprachprobleme häufen.“