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Acht Stunden Nachtruhe müssen sein

29.02.2016 | 19:34 Uhr
Acht Stunden Nachtruhe müssen sein
Bei Volksfesten wie dem Brezelfest darf es etwas lauter zu gehen.Foto: Heinrich Jung

Bottrop.   Der Bund sieht liberalere Lärmvorschriften beim Sport vor. Das Land will sie bei Volksfesten lockerer handhaben. Die Stadt entscheidet immer nur von Fall zu Fall.

Die acht Stunden lange Nachtruhe muss sein. Darauf besteht die Stadt zum Schutz ihrer Bürger. Wann diese Nachtruhe allerdings beginnen muss, darüber lassen ihre Ordnungshüter mit sich reden. Wer wie lange und dann auch schon einmal etwas lauter feiern darf, das entscheiden ihre Umweltschützer ohnehin immer nur von Fall zu Fall.

Ganz so streng sollen die Städte künftig aber nicht mehr sein, wenn es beim Sport oder bei Volksfesten womöglich etwas lauter zugehen sollte. So sieht das Bundesumweltministerium eine Lockerung der Lärmvorschriften beim Sport vor. Landesumweltminister Johannes Remmel berät mit den Mitgliedern des Landtages wiederum darüber, die Regelungen für Lärm bei Freizeitveranstaltungen zu liberalisieren. Remmel will den Städten damit ermöglichen, mehr Feste und Feiern zuzulassen. Dazu schlägt das Ministerium vor: Die Zahl der zulässigen seltenen Ereignisse wird von zehn auf achtzehn erhöht. Als solche „seltenen Ereignisse“ sehen die ministeriellen Umweltschützer Volksfeste oder Schützenfeiern an. Bei diesen Festen kann die Nachtzeit, in der es ja leiser sein muss, dann um zwei Stunden hinaus geschoben werden. Ob und wie sich das in der Praxis tatsächlich auswirkt, steht dahin.

„Natürlich sind alle Auflagen eine Einschränkung für den Veranstalter und auch für alle, die gerne lange feiern. Es gibt aber nun einmal auch Mitbürger, die regelmäßigen Schlaf brauchen“, beschreibt Ulrich Schulze das Dilemma, und er betont: „Die Verwaltung bemüht sich immer um einen Ausgleich der Interessen der Veranstalter und der Interessen der betroffenen Nachbarn“. Dabei spiele zum Beispiel eine Rolle, wer feiert und wie viele Abende hintereinander. Da handhabe die Stadt die Genehmigung für einen ortsansässigen Verein, der zu einem traditionellen Fest aufruft, anders als für eine Veranstalter mit rein wirtschaftlichem Interesse. Relevant sei auch, ob in den Jahren zuvor womöglich viele Bürger über zu viel Lärm geklagt hätten. „Wir haben momentan keine Beschwerden von Anwohnern“, betont Jürgen Heidtmann, Leiter des Sportbetriebes. Die sich in Berlin abzeichnende Lockerung für Sportlärm falle eher gering aus, findet er. Laut DFB liegen die Grenzen für Sportstätten zwischen 65 und 40 Dezibel, je nachdem ob diese in einem Gewerbegebiet oder in einem Wohnviertel liegt.

Statt 10 bald 18 Feste

Die Bundesregierung will diese Grenzen abends und an Sonntagen um fünf Dezibel erhöhen, rund um ältere Sportstätten um weitere fünf Dezibel, heißt es. „Hier wird meistens bis 21.30 Uhr trainiert“, sagt Heidtmann. So lange seien vor allem die ersten Mannschaften der Fußballvereine am Ball. Bis 22 Uhr seien die Bottroper Sportstätten zugänglich. „Dann ist das Licht aus“, erklärt der Betriebsleiter.

Klar sei: Lärm in Ebel störe in Feldhausen niemanden und umgekehrt, macht Vize-Stadtsprecher Schulze klar. Die zehn seltenen Ereignisse, von denen das Land rede, seien daher schon für jeden einzelnen Veranstaltungsort zu sehen. Eine Verschiebung der Nachtruhe hält die Stadt vor allem an Wochenenden für hinnehmbar. „Da können die meisten ja etwas später aufstehen“, meint Schulze. Selbst eine Nacht mit nur fünf Stunden Schlaf müssten Anwohner bei Festen ausnahmsweise einmal hinnehmen. Bei Feiern über zwei Tage bis in die Nacht mache die Stadt Auflagen. Feste über drei Nächte werden reglementiert und überwacht. Denn so lange zu wenig Schlaf gefährde die Gesundheit.

Norbert Jänecke

Kommentare
01.03.2016
16:50
Acht Stunden Nachtruhe müssen sein
von captainMarek | #1

Wir nähern uns immer mehr der römischen mentalität: Sport und Spiele!

Ja, wer braucht denn noch Schlaf? Es geht sowieso kaum noch einer arbeiten!
Das...
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1 Antwort
Acht Stunden Nachtruhe müssen sein
von gegenchaos | #1-1

Ich kann den Kommentar von captainMarek nur zu gut nachvollziehen. Wenn man arbeitsbelastet ist bis zum geht nicht mehr, ohnehin dann noch Schlafstörungen hat, nervt es einfach ohne Ende wenn die Nachbarschaft fröhlich bis in die Morgenstunden Partys feiert, weil die ja ausschlafen können. Ordnungsamt hat zu, Polizei hat Kapazitätsprobleme. Bei vermeintlichen Volksfesten hilft dir ohnehin keiner. Sind im Zweifel genehmigt von Beamten mit Gleitzeit. Und da wundert man sich noch über die zunehmende Anzahl von psychischen Erkrankungen?! Schlafentzug ist eine gerne geübte Foltermethode.

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2016-02-29 19:34
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